My home is my Baustelle

Alte Häuser (unseres wurde um 1900 erbaut) haben Charme und nicht richtig schließende Türen, um nur das Mindeste zu bemängeln. Aber „wie gesehen, so gekauft“ oder so ähnlich, nur dass einem auf den zweiten und erst recht auf den dritten und vierten Blick andere Dinge auffallen als auf den ersten. Wie dem auch sei: wir haben WLAN, zwei Kaminöfen und für den Herbst und Winter und so weiter noch keine Pläne gemacht, also warum nicht unser kürzlich erworbenes und heute an uns übergebenes Haus auf Vordermann und -frau bringen und nebenbei den beruflichen Neustart in die Wege leiten.

So eine „Hausübergabe“ hatte ich mir übrigens anders vorgestellt. Nicht unbedingt mit Sekt, Häppchen und Klaviertrio, aber doch mit etwas mehr Pathos und offiziellem Brimborium – und wenn die Glocken der auf dem Nachbargrundstück stehenden neogotischen Backsteinkirche geläutet hätten, wäre mir das wahrscheinlich nicht unrecht gewesen.

Neustart im Wendland

Es wäre schon eine eigenartige Paradoxie und Ironie des Schicksals, wenn ich jetzt, wo mir erstmals (und noch dazu im eigenen Haus im wendländischen Lomitz) ein Raum zur Verfügung steht, der wie kein anderer dafür geeignet ist, mir (und gerade mir) als Holzbildhauer-Werkstatt zu dienen, die Holzbildhauerei an den Nagel hängen würde (was ich immer mal wieder in Erwägung gezogen habe).

Ofen für die Holzabfälle und separater Eingang links um die Ecke.

Als ich Anfang der 1990er Jahre als Holzbildhauer anfing, übernahm ich die Werkstatt meines Vaters, die zu groß, zu väterlich besetzt und zu teuer war. Die angemieteten Räume, die ich in den Jahren danach an vier verschiedenen Standorten in Karlsruhe und Umgebung „Werkstatt“ oder „Atelier“ nannte, waren entweder zu sehr Wohnung, zu sehr Garage, zu sehr Versicherungsbüro oder zu warm im Sommer und zu kalt im Winter.

Mit Blick in den Garten.

Dass ich seit einem Jahr in den Siebzigern bin, ist kein Grund, das Werkstatt-Angebot, das mir die Höheren Mächte offenbar gemacht haben, auszuschlagen. Im Gegenteil: je älter ich werde, desto passender kommt mir die Berufsbezeichnung „Holzbildhauer“ für mich vor.

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