Ein Bilder-Schnitzer

Paul Gauguin schaufelte 1887 als 39-Jähriger beim Bau des Panamakanals mit. Er war wieder einmal fern der Heimat und pleite. Aber wahrscheinlich war seine Heimat eher in der Ferne als zuhause in Frankreich, wo seine Frau Mette und die fünf Kinder lebten. Kaum (wiedermal) in Frankreich zurück, traf er auf Van Gogh und wohnte für zwei Monate mit ihm zusammen, bis der sich das seither berühmte Ohr abschnitt. Und Gauguin (geboren in Paris 1848, 1903 gestorben auf Hiva Oa, Polynesien) hat auch geschnitzt – vor allem Reliefs (teilweise beinahe so flach wie Bilder), soweit ich das sehen kann. Diese plastischen, nicht selten bunten Bilder irritieren mich. So geht das also auch, man muss kein Oberammergauer sein, um als Bildschnitzer zu gelten. Im Gegenteil. Hier noch etwas mehr Gauguin und auch zwei Bilder von geschnitzten Bildern.

CVJM Karlsruhe-Hagsfeld

 

CVJM, Tablet-Zeichnung am 15.7.2018, Format 41:70

Zu dieser Zeichnung gibt es ein dreidimensionales Pendant in Eichenholz – 70 x 230 x 70 cm. Es steht bzw. liegt seit heute vor dem Kretschmar-Huber-Haus in der Schäferstraße in Karlsruhe-Hagsfeld. CVJM ist bekanntlich die Abkürzung für „Christlicher Verein Junger Menschen“ (früher: „Männer“). Ich durfte den imposanten Klotz sägen und hauen im Auftrag der Laurentius-Gemeinde Hagsfeld (Pfarrer Siegfried Weber). Die ganze Geschichte findet man hier.

Der Stoff, aus dem die Bäume sind

Der Stoff, aus dem Bäume sind, heißt Lignin. „Lignin stellt chemisch ein aus Phenylpropaneinheiten durch dehydrierende Polymerisation aufgebautes hochmolekulares, dreidimensionales Netzwerk dar und wirkt als der eigentliche Stützbaustoff der verholzten Pflanzenteile. Es wird bei verstärkter Druckbelastung in die Zellwände eingelagert (Lignifizierung), wo es kovalent mit Cellulose und anderen Polysacchariden verknüpft vorliegt.“ (Lexikon der Biologie auf Spektrum.de)

Ein Tablet-Bild, das ich vor einigen Tagen angefangen habe, nenne ich bis auf weiteres „Lignin 365“, da es einen Zellverband in 365facher Vergrößerung zeigt, bei dem das eingelagerte Lignin durch eine chemisch provozierte Farbveränderung in den Zellwänden „sichtbar“ gemacht wurde. Nicht zuletzt wegen dieser Farbdifferenz weiß man, dass man es mit Holz-Zellen zu tun hat. Die Makro-Morphologie des Holzes ist eine andere als seine Mikro-Morphologie. Der Vorwand „Holz“, im Grunde also nur ein Wort, erlaubt es mir, ganz unterschiedliche Form-Phänomene als thematisch zusammengehörige etwa im Rahmen einer Ausstellung plausibel zu vergesellschaften. Als „Konzept“ genügt manchmal ein einziges Wort. HOLZ zum Beispiel. Die Ausstellung, die ich meine, findet unter dem Titel HolzBilder im Info-Center des Karlsruher Hauptfriedhofs statt. Sie wird am 6. Juni eröffnet und dauert bis September.