Gestern konnte ich Dir nicht schreiben, weil ich auch am Allerheiligen-Feiertag von morgens bis abends geschnitzt habe. Ich muss vorerst noch schnitzen und nochmals schnitzen, um neben diesen routinierten Handwerkern nicht allzu alt auszusehen, wo ich doch mit meinen 27 Jahren noch zu den Jüngeren gehöre. Immerhin komme ich schon auf 75 Mark pro Woche und hoffe, in ein bis zwei Wochen wie die Anderen meine 100 Mark verdienen zu können. Von der schönen Landschaft bekomme ich dabei vorerst noch nicht viel zu sehen. Aber vielleicht erzähle ich mal von Anfang an, wie es mir ergangen ist.
Die Eisenbahnfahrt über München war regnerisch und trüb. In Murnau musste ich in einen Bus umsteigen und dann ging es die letzten zwanzig Kilometer durch das tief verschneite Land bis Oberammergau. Ich hatte mal wieder Kopfschmerzen und steuerte mit meinen beiden Koffern gleich ins nächste Gasthaus. Ein leicht dusseliges Gefühl im Kopf hat mich übrigens bis heute nicht verlassen. Das Klima im Voralpenland ist anscheinend für einen, der aus der Rheinebene kommt und zu Kopfschmerzen neigt, ein wenig gewöhnungsbedürftig.
Ich nahm mir also für die erste Zeit ein Hotelzimmer und ging noch am selben Abend einige Meister besuchen. Arbeit hätten sie überall für mich gehabt, aber keinen Arbeitsplatz. Bis ich dann zu Kurtz selig Erben kam, wo ich zur Probe angenommen wurde. Es ist das älteste und bekannteste Verlagshaus am Ort und ich glaube, dass ich hier genau richtig bin. Das Geschäft hat fünf oder sechs große Werkstätten, in denen die einen Christusfiguren, die anderen Madonnen und wieder andere Altäre, Holzgrabmale oder profane Schnitzereien herstellen – also alles das, was ich lernen oder wenigstens näher kennenlernen möchte. Und schnitzen können diese Leute, das ist zum Staunen.
Ja und dann kam der Dienstag, an dessen Abend mir der Meister sagte, dass ich bleiben könne. Das ist erst drei Tage her, aber mir kommt es so vor, als wären seither drei Wochen vergangen. Er gab mir auch eine Adresse, wo ich schlafen könne. Und so zog ich gleich um. Meine Zimmerwirtin, sie heißt Aloisia Strauß, sieht aus wie Frau Bauer in Bulach, in deren Keller immer noch mein erster großer Kruzifixus darauf wartet, von mir abgeholt zu werden. Der kann natürlich seinen Oberammergauer Doppelgängern nicht das Wasser und schon gar nicht den Wein reichen. Mit mir im Zimmer schläft noch ein junger Mann, mit dem ich mich gut verstehe. Er ist aus dem Rheinland und auch Schnitzer. Aber das Beste an ihm ist, dass er hier eine Braut hat, bei der er übernachten kann, wenn Du mich besuchen kommst.
Meine Kollegen sind fast alle in meinem Alter. Einer ist vierzig, ein anderer um die sechzig. Es gibt viel Gaudi während der Arbeit. Das Radio spielt dazu und manchmal wird es mir ein bisschen zu viel. In meinem Bulacher Keller habe ich immer ganz alleine vor mich hin geschnitzt. Anders als in Karlsruhe, wo das Holz in die Hobelbank eingespannt wird, hält man hier den Herrgott in der Hand und schnitzt im Sitzen. Dabei arbeitet man meistens mit dem Schnitzmesser und nur selten mit den anderen Schnitzeisen. Das war natürlich neu und eine große Umstellung für mich. Es ist aber viel bequemer und ich kann viel schneller und sauberer arbeiten.
Man kommt und geht hier wie man will und es wird dann schon neun oder halb zehn, bis am Abend der Letzte sein „Pfiati“ sagt, das bedeutet soviel wie „Gott behüte dich“. Frag mich nicht, wie daraus ein „Pfiati“ oder „Pfiat di“ werden konnte, aber sie haben es mir so erklärt. Am Sonntag, oder auch an einem Feiertag wie gestern, wird nach der Kirche weiter geschnitzt bis zum Nachmittag. Und wenn sie nicht schnitzen, sitzen sie so da und die Frauen sind manchmal auch dabei. Sie gehen sehr freundschaftlich miteinander um und strahlen dabei diese bayerische Gemütlichkeit aus, so dass ich das Durcheinander einigermaßen gut ertragen kann.
Es ist Freitagabend und geht auf zwölf. Ich bin immer noch in der Werkstatt. Sicher liegst Du schon im Bett, nur leider nicht in meinem, sonst wäre ich jetzt auch nicht mehr hier bei meinen hölzernen Leidensgenossen. Zwar hat man mich nicht gekreuzigt, aber ans Kreuz geschlagen fühle ich mich trotzdem. Das ist auf Dauer kein Zustand.
Kurz ein paar Zeilen, dass ich gut angekommen und auch schon in Lohn und Brot bin, wobei der Lohn ein Stücklohn und das Brot zum Glück nicht immer nur Brot ist. Kurtz selig Erben, mein Arbeit- oder besser: Arbeitsplatzgeber, beschäftigt außer mir noch ungefähr dreißig andere Schnitzer. Ich bin den Herrgottschnitzern zugeteilt worden und fühle mich im Kreis von sieben Kollegen, lauter Christus-Spezialisten (alle ohne Theologiestudium), recht wohl. Man arbeitet so lange wie man will und wird pro Herrgott bezahlt. Das Ganze nennt sich Verlagswesen und läuft darauf hinaus, dass ich halb vertraglich gebundener Facharbeiter, halb selbständiger Unternehmer bin. Natürlich tue ich mich als Anfänger noch schwer, aber es wird schon werden.
Ein Zimmer habe ich inzwischen auch gefunden. Es kostet mit Frühstück und Wäschewaschen 30 Mark, was nicht viel ist, wenn man bedenkt, dass allein für das Frühstück bei meinem Hunger und Kaffeedurst jeden Tag an die 40 Pfennig anzusetzen sind. Am Donnerstag schreibe ich Dir mehr.
Sei gegrüßt, geküsst und umarmt von Deinem
Tobias!
Grüße und küsse auch unseren Buben, der sich jetzt vielleicht darüber wundert, dass der Papa ihn bei diesem schönen Wetter nicht im Kinderwagen durch den Stadtgarten schiebt. Kann er jetzt schon laufen? Bei meiner Abreise vor drei Tagen hat er ja gerade die ersten Gehversuche gemacht. So als ob er mit mir kommen wollte.
„Die astronomische Entdeckung dieses zweiten erst in der Neuzeit gesichteten Planeten verblüffte nicht mehr so sehr wie die des Uranus davor – man hatte sie im Grunde erwartet. Auch die Astrologie wurde durch Neptuns Entdeckung am Himmel keineswegs überrumpelt. Am 23. September 1846 entdeckten J. G. Galle und H. L. d’Arrest in Berlin ihn an einem Ort, der von seiner durch Le Verrier im voraus errechneten hypothetischen Position nur um nicht ganz einen Winkelgrad abwich. Er trägt den Namen des römischen Meeresgottes Neptunus, dem im Griechischen Poseidon entspricht. Sein konventionelles Zeichen ist der berühmte Dreizack.“
Zyklus
„Neptun umrundet den ganzen Tierkreis in etwa 164 Jahren. Seine heliozentrische Umlaufzeit beträgt 163,74 Jahre. Während des menschlichen Lebens kehrt er daher nie an die gleiche Stelle im Horoskop zurück. Jedes Tierkreiszeichen passiert er in durchschnittlich 13 bis 14 Jahren.“
Astrologische Bedeutung
„In der Astrologie ist Neptun ein geheimnisvoller Planet, der immer mit Transitionen verbunden ist. Er hängt mit Mystik, Imagination und Intuition zusammen, mit dem Eintauchen ins Unterbewußtsein, mit allem Latenten, Geheimnisvollen, Schemenhaften und Flüchtigen, mit Träumen und Täuschungen, mit Trance und Kontemplation. Er regiert jene Sphären, die der breiten Masse verschlossen sind. Typische Neptunmenschen sind die Okkultisten und Mystiker und auf praktischem Gebiet vor allem Leute, die mit Chemikalien und Drogen umgehen, aber auch solche, die sich mit der psychischen Seite des Menschen beschäftigen, wie z. B. Psychoanalytiker. Zu seiner Herrschaft gehört auch die Sphäre der Emotionen, der Idealisierung und des Illusionismus.“
Domizil, astrologische Wirkung und Eigenschaften
„Gemeinsam mit Jupiter regiert Neptun die Zeichen Fische und Schütze. Im Unterschied zur sichtbaren astrologischen Wirkung Jupiters ist das Wirken Neptuns weniger Auffällig, ist verborgen, geheim – er fesselt den Menschen durch unsichtbare Fäden und Ströme, und wenn wir das astrologische Wirken des Uranus als hart bezeichnen, ist der Einfluß Neptuns dagegen sehr weich, zerfließend. Statt Revolution erfolgt eher eine Evolution, statt eine revolutionären Sprungs eine Durchdringung, statt eines elektrischen Schocks eine langsame Verwischung der Konturen. Beide Effekte weisen die Spuren jener Unterschiede auf, die da Auffinden dieser Planeten begleiteten. Denn während die Entdeckung des Uranus wie ein Blitz aus heiterem Himmel einschlug, führte zur nachfolgenden Entdeckung Neptuns ein Entwicklungsweg, der von Vermutungen begleitet und durch viele Berechnungen gekennzeichnet war. Die zweite Entdeckung als Konsequenz der ersten bedeutete keinen revolutionären Sprung mehr, weder in der Astronomie noch in der Astrologie.“
„Aus der Position Neptuns im Horoskop läßt sich schließen, in welcher Richtung sein Eigner die Welt idealisiert, worüber er sich die größten Illusionen macht, aber auch, mit wem er die engste geistige Verwandtschaft fühlt und woher er eine große geistige Stärkung erwarten kann – oder in welcher Richtung er einerseits Täuschung, Schein, Illusion, Blendwerk und Betrug befürchten muß, andererseits was ihn am meisten fesselt, worin er geheimnisvoll, undurchdringlich ist. Kurz: Im Horoskop deutet Neptun die geistige Neigung oder die Fluchtabsichten an, Träume, mystische Tendenzen, Idealismus, Illusionen und Selbstbetrug.“
„In der mundanen Astrologie bedeutet Neptun die geistigen Strömungen und Massenemotionen, aber auch trügerische Ideologien, fruchtlose Illusionen, Irrlehren und Drogen. Hinter allem Irrationalen lassen sich die Einflüsse Neptuns aufspüren, der gleichsam die Redensart „Der Schein trügt“ verkörpert. Auf dem Hintergrund des Zodiakus ist Neptun der Gegenspieler Merkurs, des Planeten des Verstandes.“
Milan Spurek: Das große Handbuch der Astrologie (1996), S. 143 f.
ChatGPT: Annäherung an Neptun
„Neptun ist der Planet der Auflösung, der Sehnsucht und des Grenzenlosen. Wo Saturn verdichtet und formt, dort verflüssigt Neptun. Eine Annäherung an Neptun bedeutet daher, den festen Boden zeitweise zu verlassen und sich auf Unsicherheit einzulassen – nicht aus Schwäche, sondern aus Offenheit.“
„Astrologisch steht Neptun für jene Bereiche des Horoskops, in denen das Ich porös wird. Hier verschwimmen klare Konturen, hier wirken Träume, Ahnungen und Stimmungen stärker als Fakten. Neptun entzieht sich der direkten Kontrolle; er lässt sich nicht planen oder erzwingen. Er zeigt, dass nicht alles Wesentliche greifbar oder benennbar ist. Wahrheit erscheint unter Neptun oft in Bildern, Symbolen und leisen inneren Bewegungen.“
„Mythologisch ist Neptun (Poseidon) der Gott des Meeres – jener Urmaterie, aus der alles Leben hervorgeht und in die alles zurückkehrt. Das Meer kann tragen und verschlingen, beruhigen und zerstören. Ebenso ambivalent ist Neptuns Wirken: Er öffnet Zugänge zu Mitgefühl, Spiritualität und künstlerischer Inspiration, kann aber auch in Täuschung, Selbstverlust oder Flucht führen, wenn das Ich keine innere Verankerung besitzt.“
„Psychologisch begegnet Neptun als Sehnsucht nach dem Ganz-Anderen: nach Erlösung, Verschmelzung, bedingungsloser Liebe. In seiner Schattenform zeigt er sich als Verdrängung, Illusion oder Opferhaltung. Grenzen werden nicht gesetzt, sondern aufgelöst – manchmal freiwillig, manchmal unbewusst. Erst im Zusammenspiel mit Klarheit und Erdung kann Neptun sein schöpferisches Potenzial entfalten.“
„In einer Welt, die auf Messbarkeit, Effizienz und Kontrolle ausgerichtet ist, erinnert Neptun an eine andere Dimension des Daseins. Er stellt die Frage, wofür wir uns öffnen, ohne Gewissheit zu haben. Wo wir lauschen, statt zu planen. Wo wir vertrauen, statt zu sichern. Neptun verweist auf jene Erfahrung von Sinn, die nicht gemacht, sondern empfangen wird.“
„Eine Annäherung an Neptun verlangt daher nicht Stärke im klassischen Sinn, sondern Durchlässigkeit – bei gleichzeitiger Selbstwahrnehmung. Wer lernt, in den neptunischen Strömungen zu schwimmen, ohne sich in ihnen zu verlieren, entdeckt eine tiefe Quelle von Mitgefühl und Inspiration. Vielleicht liegt darin seine größte Gabe: uns an das Verbindende hinter allen Formen zu erinnern.“
Das Bild auf der Karte zeigt ja etwas von der Schönheit dieses Landes. Wir sind gesund und munter und bedauern beide, dass Du nicht mitkommen konntest, aber in Christians Isetta ist ja kaum genug Platz für zwei. Heute geht es weiter nach Mittenwald und dann nach Oberammergau. Das Wetter soll ja schön bleiben.
Tausend Grüße und Küsse von Deinem Tobias.
Liebe Grüße auch von Christian.
Garmisch-Partenkirchen, 22.10.1956
Mein Herz!
Man kann sich drehen und wenden wie man will, es ist immer schön, schöner, am schönsten. Nochmals Gruß und Kuss von Deinem Tobias. Christian kauft uns gerade zwei Paar Weißwürste mit süßem Senf, wir können gar nicht genug davon kriegen.
Oberammergau, 28. Oktober 1956
Lieber Bruder!
Dass Du mich dazu überredet hast, mit Dir ins Bayerische zu fahren, und zwar in jene Gegend, aus der unsere Großmutter Kreszentia stammt, um einmal zu sehen, ob ein Holzbildhauer-Geselle wie ich hier Arbeit finden könnte, werde ich Dir nicht vergessen. Du warst schon immer der Klügere und Weitsichtigere von uns beiden. Was Du auf der beigefügten Karte siehst, ist das Geschäft, für das ich jetzt schnitze. Vorläufig noch auf Probe, aber ich habe ein gutes Gefühl. Und wenn der Kurtz mich nicht nimmt, dann irgendein anderer. Nachdem Du mich nach Karlsruhe zurückgebracht hattest, habe ich noch am selben Tag einen Großteil meiner Habseligkeiten in zwei Koffer gepackt und Antonia klar zu machen versucht, dass ein Holzschnitzer, wie Du richtig gesagt hast, dorthin gehen muss, wo die Leute das kaufen wollen, was Holzschnitzer anzubieten haben. Natürlich war sie von meinem überstürzten Entschluss, wie sie es nannte, alles andere als begeistert. Sie wolle nicht nach Oberammergau ziehen, könne ihre Mutter nicht alleine zurücklassen, werde das Leben in der Stadt schmerzlich vermissen, könne kein Bayerisch und wolle es auch gar nicht lernen. Und außerdem würde sie es niemals dulden, dass ihr Sohn Lederhosen trägt – Du weißt ja, wie heikel sie als gelernte Schneiderin und Kennerin der Haute Couture in Kleidungs- und Modefragen ist. Wer seinem Kind oder gar sich selbst erlaube, in Lederhosen herumzulaufen, habe die Kontrolle über sein Leben verloren, hat sie einmal bemerkt.
Erst als ich sagte, dass Du der gleichen Meinung bist wie ich, und dass der Vorschlag, einen Ortswechsel in Erwägung zu ziehen, ursprünglich von Dir gekommen sei, lenkte sie ein und gab zu, dass ich als barock empfindender Holzschnitzer im hinterwäldlerischen Oberammergau wohl bessere Aussichten auf eine berufliche Karriere haben würde als im technisch nüchtern und modern denkenden, wie auf dem Reißbrett angelegten Karlsruhe. Also solle ich eben tun, was ich nicht lassen könne, und mit dem nächsten Zug wieder dorthin fahren, wo sich Fuchs und Has gute Nacht sagen. Vielleicht werde ja tatsächlich ein berühmter Herrgottschnitzer aus mir und alle zehn Jahre außerdem noch ein begnadeter Judas-Darsteller auf den katholisch geweihten Brettern des Oberammergauer Passionsspielhauses. Wie das mit ihr und mir und unserem Sohn dann weitergehen werde, sei ihr momentan ein Rätsel, aber man werde ja sehen.
In der darauffolgenden Nacht vor meiner Abreise haben wir dann wieder zueinander gefunden, aber was unsere familiäre Zukunft angeht, bleibt vorläufig alles in der Schwebe. Vielleicht kannst Du einmal mit ihr reden und ihr die Vorteile einer ländlich-provinziellen Lebensweise plausibel machen. In Eurem Niefern bei Pforzheim seid Ihr ja auch nie fern von Fuchs und Has, wenn die sich nach einem in arbeitsamer Ruhe verbrachten Tag eine gute Nacht wünschen. Hab nochmals Dank und sei gegrüßt von Deinem „kleinen Bruder“
Tobias.
Grüße bitte auch Erika und den kleinen Wolfram von mir!
„Saturn for example is associated with frustration, a sense of delay, fear, contraction, and feeling blocked by circumstances or authority figures. Eventually these feelings mellow into patience, maturity, responsibility, and a feeling of being ‘old before one’s time’. It has other associations, because of its archetypal meanings of structure and boundaries, with teeth, bones, fences and walls, lead, the father figure, ageing and time. Its meaning is to work hard and play by the rules and then we will reap our reward.“
Pam Gregory: You Don’t Really Believe in Astrology, Do You? How Astrology Can Reveal Profound Patterns in Your Life ↗
GPT Chat (Artificial Astrologer)
„Saturn ist der wohl missverstandenste Planet der Astrologie. Kaum ein anderes Prinzip wird so rasch mit Angst, Mangel oder Strafe verbunden. Doch eine Annäherung an Saturn lohnt sich gerade deshalb: Hinter seiner spröden Oberfläche verbirgt sich eine tiefe, lebenspraktische Weisheit.“
„Astrologisch steht Saturn für Grenze, Form und Zeit. Er markiert jene Stellen im Horoskop, an denen das Leben „Nein“ sagt – zumindest zunächst. Dieses Nein ist jedoch kein endgültiges Urteil, sondern eine Einladung zur Reifung. Wo Saturn wirkt, genügt Talent allein nicht. Es braucht Geduld, Disziplin und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Saturn schenkt nichts leichtfertig, aber was er gewährt, ist dauerhaft.“
„In der Mythologie ist Saturn (Kronos) der Hüter der Zeit. Zeit im saturnischen Sinn ist nicht bloß Abfolge von Momenten, sondern Verdichtung von Erfahrung. Alles, was unter Saturn entsteht, reift langsam. Dafür besitzt es Substanz. Saturn trennt das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Tragfähige vom Illusionären. Er zwingt zur Konzentration: Was trägt wirklich? Worauf kann ich bauen?“
„Psychologisch begegnet uns Saturn oft als innere Stimme der Kritik oder als Gefühl von Schwere. In jungen Jahren wird er leicht als Hemmung erlebt, später als Stütze. Viele erkennen erst rückblickend, dass gerade saturnische Phasen – Krisen, Verluste, Verzögerungen – jene waren, in denen Charakter, Haltung und innere Autorität entstanden sind. Saturn konfrontiert uns mit unserer Endlichkeit und macht uns dadurch ernsthaft lebendig.“
„In einer Zeit, die Schnelligkeit, Leichtigkeit und permanente Selbstoptimierung feiert, wirkt Saturn beinahe anachronistisch. Und doch ist er notwendiger denn je. Er erinnert daran, dass Sinn nicht im grenzenlosen Wachstum liegt, sondern in Maß, Verantwortung und Verbindlichkeit. Saturn fragt nicht: „Was willst du?“ sondern: ‚Wofür stehst du ein – auch wenn es Mühe kostet?'“
„Eine wirkliche Annäherung an Saturn bedeutet daher, ihn nicht zu fürchten, sondern als Lehrer zu erkennen. Wer seine Lektionen annimmt, gewinnt etwas Seltenes: innere Festigkeit. Und vielleicht ist das am Ende die größte Freiheit.“
MYTHENLESE „Mit ironischen Schlenkern erzählt Lothar Rumold von den Mythen um die griechische Götter- und Heldenwelt. Er erzählt sie nicht nach, er spielt mit ihnen, bringt sie manchmal sacht, manchmal mit einem Ruck in die Moderne.“ (Georg Patzer, Badisches Tagblatt)