Die Frage nach dem Lebenssinn war gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wie es scheint, noch nicht so virulent und das Suchen danach noch nicht so epidemisch verbreitet wie heute. In Adalbert Stifters „Nachkommenschaften“ (1864) verbindet der von der Landschaftsmalerei besessene Maler Friedrich Roderer mit seinem Tun, von dem er (wie er irrtümlich meint) niemals lassen werde: Wert und Reiz des Lebens „und was man Vergnügen, Freude, Wonne, Seelenfülle, Geistesbefriedigung, Daseinsabschluss und dergleichen nennt“. Kein „Sinn“ nirgends – oder eben (unausgesprochen) Sinn als der vielsagend nichtssagende Begriff, auf den sich „dergleichen“ bringen lässt. Statt im abstrakten Gedankennebel nach einem ominösen (ominosus: „voll von Vorbedeutungen“) Sinn zu tappen, sollten wir konkret werden, je konkreter, desto besser. Dann hört man auf zu suchen und fängt an zu finden.
Beiseite gesprochen: Philosophistisch gesehen ginge es am Ende um eine tätige (womöglich berufstätige) Begriffsexplikation, um die alltägliche Entfaltung des Sinn-Begriffs, die praktische Auseinander- und Offenlegung der in ihm enthaltenen „Vorbedeutungen“.

