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Milan Spurek: Neptun

Entdeckung, Bezeichnung und Zeichen des Planeten

„Die astronomische Entdeckung dieses zweiten erst in der Neuzeit gesichteten Planeten verblüffte nicht mehr so sehr wie die des Uranus davor – man hatte sie im Grunde erwartet. Auch die Astrologie wurde durch Neptuns Entdeckung am Himmel keineswegs überrumpelt. Am 23. September 1846 entdeckten J. G. Galle und H. L. d’Arrest in Berlin ihn an einem Ort, der von seiner durch Le Verrier im voraus errechneten hypothetischen Position nur um nicht ganz einen Winkelgrad abwich. Er trägt den Namen des römischen Meeresgottes Neptunus, dem im Griechischen Poseidon entspricht. Sein konventionelles Zeichen ist der berühmte Dreizack.“

Zyklus

„Neptun umrundet den ganzen Tierkreis in etwa 164 Jahren. Seine heliozentrische Umlaufzeit beträgt 163,74 Jahre. Während des menschlichen Lebens kehrt er daher nie an die gleiche Stelle im Horoskop zurück. Jedes Tierkreiszeichen passiert er in durchschnittlich 13 bis 14 Jahren.“

Astrologische Bedeutung

„In der Astrologie ist Neptun ein geheimnisvoller Planet, der immer mit Transitionen verbunden ist. Er hängt mit Mystik, Imagination und Intuition zusammen, mit dem Eintauchen ins Unterbewußtsein, mit allem Latenten, Geheimnisvollen, Schemenhaften und Flüchtigen, mit Träumen und Täuschungen, mit Trance und Kontemplation. Er regiert jene Sphären, die der breiten Masse verschlossen sind. Typische Neptunmenschen sind die Okkultisten und Mystiker und auf praktischem Gebiet vor allem Leute, die mit Chemikalien und Drogen umgehen, aber auch solche, die sich mit der psychischen Seite des Menschen beschäftigen, wie z. B. Psychoanalytiker. Zu seiner Herrschaft gehört auch die Sphäre der Emotionen, der Idealisierung und des Illusionismus.“

Domizil, astrologische Wirkung und Eigenschaften

„Gemeinsam mit Jupiter regiert Neptun die Zeichen Fische und Schütze. Im Unterschied zur sichtbaren astrologischen Wirkung Jupiters ist das Wirken Neptuns weniger Auffällig, ist verborgen, geheim – er fesselt den Menschen durch unsichtbare Fäden und Ströme, und wenn wir das astrologische Wirken des Uranus als hart bezeichnen, ist der Einfluß Neptuns dagegen sehr weich, zerfließend. Statt Revolution erfolgt eher eine Evolution, statt eine revolutionären Sprungs eine Durchdringung, statt eines elektrischen Schocks eine langsame Verwischung der Konturen. Beide Effekte weisen die Spuren jener Unterschiede auf, die da Auffinden dieser Planeten begleiteten. Denn während die Entdeckung des Uranus wie ein Blitz aus heiterem Himmel einschlug, führte zur nachfolgenden Entdeckung Neptuns ein Entwicklungsweg, der von Vermutungen begleitet und durch viele Berechnungen gekennzeichnet war. Die zweite Entdeckung als Konsequenz der ersten bedeutete keinen revolutionären Sprung mehr, weder in der Astronomie noch in der Astrologie.“

„Aus der Position Neptuns im Horoskop läßt sich schließen, in welcher Richtung sein Eigner die Welt idealisiert, worüber er sich die größten Illusionen macht, aber auch, mit wem er die engste geistige Verwandtschaft fühlt und woher er eine große geistige Stärkung erwarten kann – oder in welcher Richtung er einerseits Täuschung, Schein, Illusion, Blendwerk und Betrug befürchten muß, andererseits was ihn am meisten fesselt, worin er geheimnisvoll, undurchdringlich ist. Kurz: Im Horoskop deutet Neptun die geistige Neigung oder die Fluchtabsichten an, Träume, mystische Tendenzen, Idealismus, Illusionen und Selbstbetrug.“

„In der mundanen Astrologie bedeutet Neptun die geistigen Strömungen und Massenemotionen, aber auch trügerische Ideologien, fruchtlose Illusionen, Irrlehren und Drogen. Hinter allem Irrationalen lassen sich die Einflüsse Neptuns aufspüren, der gleichsam die Redensart „Der Schein trügt“ verkörpert. Auf dem Hintergrund des Zodiakus ist Neptun der Gegenspieler Merkurs, des Planeten des Verstandes.“

Milan Spurek: Das große Handbuch der Astrologie (1996), S. 143 f.

ChatGPT: Annäherung an Neptun

„Neptun ist der Planet der Auflösung, der Sehnsucht und des Grenzenlosen. Wo Saturn verdichtet und formt, dort verflüssigt Neptun. Eine Annäherung an Neptun bedeutet daher, den festen Boden zeitweise zu verlassen und sich auf Unsicherheit einzulassen – nicht aus Schwäche, sondern aus Offenheit.“

„Astrologisch steht Neptun für jene Bereiche des Horoskops, in denen das Ich porös wird. Hier verschwimmen klare Konturen, hier wirken Träume, Ahnungen und Stimmungen stärker als Fakten. Neptun entzieht sich der direkten Kontrolle; er lässt sich nicht planen oder erzwingen. Er zeigt, dass nicht alles Wesentliche greifbar oder benennbar ist. Wahrheit erscheint unter Neptun oft in Bildern, Symbolen und leisen inneren Bewegungen.“

„Mythologisch ist Neptun (Poseidon) der Gott des Meeres – jener Urmaterie, aus der alles Leben hervorgeht und in die alles zurückkehrt. Das Meer kann tragen und verschlingen, beruhigen und zerstören. Ebenso ambivalent ist Neptuns Wirken: Er öffnet Zugänge zu Mitgefühl, Spiritualität und künstlerischer Inspiration, kann aber auch in Täuschung, Selbstverlust oder Flucht führen, wenn das Ich keine innere Verankerung besitzt.“

„Psychologisch begegnet Neptun als Sehnsucht nach dem Ganz-Anderen: nach Erlösung, Verschmelzung, bedingungsloser Liebe. In seiner Schattenform zeigt er sich als Verdrängung, Illusion oder Opferhaltung. Grenzen werden nicht gesetzt, sondern aufgelöst – manchmal freiwillig, manchmal unbewusst. Erst im Zusammenspiel mit Klarheit und Erdung kann Neptun sein schöpferisches Potenzial entfalten.“

„In einer Welt, die auf Messbarkeit, Effizienz und Kontrolle ausgerichtet ist, erinnert Neptun an eine andere Dimension des Daseins. Er stellt die Frage, wofür wir uns öffnen, ohne Gewissheit zu haben. Wo wir lauschen, statt zu planen. Wo wir vertrauen, statt zu sichern. Neptun verweist auf jene Erfahrung von Sinn, die nicht gemacht, sondern empfangen wird.“

„Eine Annäherung an Neptun verlangt daher nicht Stärke im klassischen Sinn, sondern Durchlässigkeit – bei gleichzeitiger Selbstwahrnehmung. Wer lernt, in den neptunischen Strömungen zu schwimmen, ohne sich in ihnen zu verlieren, entdeckt eine tiefe Quelle von Mitgefühl und Inspiration. Vielleicht liegt darin seine größte Gabe: uns an das Verbindende hinter allen Formen zu erinnern.“

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