Sculpo ist …

… Lateinisch und heißt ich schnitze. Aber nicht nur ich schnitze, sondern auch er, sie und es schnitzt, respektive hat geschnitzt. Womit der Themen- und Gegenstandsbereich dieser (meiner) Website hoffentlich ungenau genug umrissen wäre. Ungenau genug, weil: „Wer nichts als Chemie versteht, versteht auch die nicht recht.“ (Georg Christoph Lichtenberg)

Eine Zeitlang hielt ich es für angebracht, meine eigene Holzbildhauerei und die der anderen räumlich (Raum im Sinne von webspace) zu trennen. Ohne den Sinn von Grenzziehungen grundsätzlich bestreiten zu wollen, scheint mir mittlerweile das Prinzip der Verflechtung (oder der Kreuzung) das natürlichere und daher auf längere Sicht das kommodere zu sein.

Klein gedruckt findet sich oben der Hinweis darauf, dass ich nicht nur schnitze, sondern auch schreibe. Die Frage ist, ob sich dahinter mehr verbirgt als eine überflüssige Feststellung des Offensichtlichen. Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass ich nicht weiß, welche der Tätigkeiten ich groß und welche ich klein schreiben soll.

Falten- und andere Studien

Am Vormittag: Atelier (heute mal wieder „Atelier“, was ja auch nichts anderes als „Werkstatt“ heißt), zweites Falten-Stück. Dazu im Radio der Flötist (Block-, Travers- und jetzt Quer-) Martin Sandhoff als Studio-Gast.
Am Abend: Skizze im roten Büchlein.

Lichteffekte

Werkstatt, Wand
Faltenskizze nach Foto im Gegenlicht der Schreibtischlampe (Format 8,9 x 13,8 cm)

Falten-Stück in Wolle

Während der Arbeit am aktuellen (dem zweiten) Falten-Stück in Eiche fiel mein Blick auf meinen linken Unterarm und ich gewahrte ein Falten-Stück in Wolle.

Kunst ist, wenn man das meiste nicht sieht

Es gibt Kunstwerke, bei denen, wie bei Eisbergen, 90 Prozent ihres Seins für den gewöhnlichen Betrachter unsichtbar bleiben. Künstler, Kunstkritiker und Kunsthistorikerinnen berichten uns dann in mehr oder weniger glaubhaften Worten von der Schönheit des notwendig im Verborgenen wesenden größeren und womöglich sogar besseren Teils des Ganzen. Das Werk sei die Suche nach dem Werk, sagte Wolfgang Rihm einmal. Sie dagegen versichern uns: Das Werk ist das Tauchen nach dem Werk. Im Halbdunkel ihrer Umschreibungen werden dann für diejenigen, welche darin geübt sind, auch dort noch etwas zu erkennen, wo nicht wirklich etwas zu sehen ist, undeutlich Umrisse deutlich. Ah, ich sehe ein mächtiges Narrativ, sagt der eine und: oh, was für eine profunde Analyse unserer postmodernen Befindlichkeit, seufzt die andere.

Bald wieder an den Lake Constance

Skizze nach einer Abbildung einer „Maria Magdalena“ von Christoph Daniel Schenck (1633-1691).

Beim Blättern in den Büchern meiner im Aufbau befindlichen kleinen Holzbildhauer-Bibliothek stelle ich fest, dass ich dem großartigen Konstanzer Bildhauer Christoph Daniel Schenk bei unserem jüngsten Aufenthalt dortselbst fast keine Beachtung geschenkt, besser: geschenckt habe. Seinen Thomas-Altar im Münster habe ich zwar en passant fotografiert, aber nicht als Schenck-Altar wahrgenommen. Dementsprechend ist die (eine und einzige) Aufnahme von ziemlich schlechter Qualität. Da hilft nur eines: bald wieder an den (wie wir Anglisten sagen) Lake Constance. Nein, nicht an den in Neuseeland und auch nicht an den in New Hampshire oder Washington, sondern an den am Bodensee.

Immerhin habe ich hier gestern etwas von ihm gezeigt.

Superlativismus

Peter Sloterdijk und einer meiner vielen Schwäger (eins, zwei, viele) haben gemeinsam, dass sie sich mit Vorliebe von Superlativ zu Superlativ schwingen und dabei als eine Art subsonaren Tarzan-Schrei implizit verlauten lassen: Ich weiß, dass ihr nichts wisst und ich alles besser weiß.

Holländisch 5

„Das Prinzip Pléiade: Nicht allein glänzen. In einem Sternbild mitleuchten.“ (S. 58, 31.5.2011)

Der US-amerikanische Standard: „nothing goes without saying, Explizitheitspflicht, Atmosphärelosigkeit, Ambivalenzverbot“. (S. 58, 31.5.2011)

„Es gehört zu den charakteristischen Denkfehlern der Modernen zu glauben, Utopien seien politisch, nur weil sie von anderen, vorgeblich besseren Welten reden. Politik hat nichts mit anderen Welten zu tun, nur mit anderen Entscheidungen.“ (S. 60, 31.5.2011)

„Noah Webster (1758-1843), der Herr der Wörterbücher […], verfaßte unter wechselnden Pseudonymen rühmende Rezensionen seiner eigenen Werke und machte die Publikationen der Konkurrenten beißend nieder.“ (S. 60, 1.6.2011)

„Sein [Websters, L. R.] American Dictionary of the English Language, 1828, markierte die sprachliche Unabhängigkeitserklärung der vormaligen Neuengland-Kolonie.“ (S. 60, 1.6.2011)

„Das britische Englisch klingt inzwischen so, als wollte ein ganzes Volk die Royals parodieren.“ (S. 61, 1.6.2011)

„Alle Politik ist Psychopolitik geworden. Jedes Reden vor der Öffentlichkeit wandelt sich in Postulieren, Anklagen und Zurückverlangen.“ (S. 64, 6.6.2011)

„Die Fiktion, wonach die Einzelnen dem Fiskus als Schuldner a priori gegenüberstehen, ist so alt wie die imperiale Anmaßung.“ (S. 66, 8.6.2011)

„Du bist alt genug, um zu begreifen, die Welt gliedert sich in zwei Gruppen, die Homoneurotiker und die Heteroneurotiker. Mit den letzteren hast du nur peripher zu tun. Sie kommen dir nicht näher als die polnischen Installateure, die dein WC für die Hälfte des Üblichen reparieren. Die ersten bilden deine Familie, die naturwüchsige und die erworbene. Im Umgang mit ihnen gewinnst du das, was das fatale Wort ‚Menschenkenntnis‘ zum Ausdruck bringt.“ (S.67 f., 10.6.2011)

Alle Zitate aus Sloterdijk 2018. (Die unter dem Titel Holländische Fundsachen oder Holländisch versammelten Sloterdijk-Zitate beginnen mit dieser einleitenden Bemerkung.)

Neues vom neuen Falten-Stück

Der Vorlage (es handelt sich um einen sein Kreuz tragenden Christus des sogenannten Meisters von Eriskirch) in allem zu folgen, wird aufgrund der Beschaffenheit des Holzes kaum möglich sein. Das kommt mir insofern gelegen, als ich damit von Anfang an gezwungen bin „meinen eigenen Weg zu gehen“ (ein Wort meines Vaters, das mir nicht mehr aus dem Sinn geht, um nicht zu sagen: das sich mir ins Gemüt gefressen hat).

Neues Falten-Stück

Neues Falten-Stück (in Arbeit): Eiche, 93 x 66 x 8 cm

Im zeitlichen und thematischen Anschluss an meine kleine Faltenstudie nach Anton Sturm, ein Relief das derzeit noch in der Jahresausstellung des Badischen Kunstvereins hängt, soll dies die zweite Arbeit aus einer Serie von Falten-Stücken werden. Das neue Falten-Stück fällt deutlich größer aus und sein äußerer Umriss folgt nicht dem Tafelbild-Klischee des Sturm-Reliefs.

Auch finde ich, die Falte oder die Falten-Fläche ist ein reizvolles Motiv, dem man mehr als nur zwei, drei Arbeiten widmen kann. Viele Holz-Skulpturen vergangener Jahrhunderte sind mehr oder weniger grandiose Falten-Würfe. Den anatomischen Problemen musste man sich dadurch so gut wie gar nicht stellen, sie wurden gewissermaßen unter den Umhang gekehrt. Erst mit der Renaissance kommt der Mensch als natürlich-animalisches Wesen mit einem Körper-Bau als architektonische Aufgabe in die Bildhauer-Werkstatt zurück. Wenn Renaissance Wiedergeburt heißt, so werden in ihr die Menschen-Bilder als Nach-Schöpfungen aufs neue und oft auch wie zum ersten Mal so geboren wie Gott sie geschaffen hatte.