Über Kronberg im nach Schwalbach am Taunus

Wie aus Versehen geriet ich heute nach Kronberg im Taunus, wo Peter Handke, dem vorgestern der Literatur-Nobelpreis zuerkannt worden ist, ab Ende 1970 ein paar Jahre lang (oder kurz) gelebt hat. Ich habe darüber einmal etwas gelesen. Es ging da unter anderem um das Haus, in dem die Kleinfamilie Handke-Schwarz (oder Schwarz-Handke) damals lebte – in meiner Vorstellung war und ist es ein moderner Bungalow mit Flachdach. So ähnlich wie jener von Helmut Schmidt während seiner Zeit als Kanzler. Wohnte der da überhaupt in einem Bungalow? Handkes Tochter Amina war in den Kronberger (zwei oder drei) Jahren noch ein sehr kleines Mädchen. (Amina, so Wikipedia, ist ein arabischer Name. Man kann ihn auf dem Anlaut oder in der Mitte betonen, er bedeutet dann jeweils etwas anderes.)

Mein erklärtes Ziel aber war Schwalbach gewesen. Nach Kronberg war ich gelangt, weil ich die Route zuvor auf Google-Maps nicht genau genug studiert hatte. Mir von der Google-Lotsin den Weg weisen zu lassen, hielt ich nicht nur für unnötig, sondern auch für nicht praktikabel. Denn ich hätte ihr (der Lotsin oder der Stimme) ja, wenn überhaupt, erst am Ende der knapp zweistündigen Fahrt das Wort erteilen wollen. Und wie macht man das beim Fahren, ohne einen Unfall zu riskieren.

Von Kronberg zurück nach Schwalbach (nun doch mit Wegweiserin) waren es nur wenige Kilometer. Trotzdem liegt Kronberg dem Namen nach im, Schwalbach dagegen am Taunus. Tatsächlich befindet man sich in Kronberg am Fuß eines mächtigen, knapp achthundert Meter hohen Hügels (namens Altkönig), den ich aufgrund seiner Höhe wohl einen Berg nennen muss, obgleich die Erhebung wegen ihrer breit ausladenden Form etwas Hügelartiges hat.

Den Alten Friedhof in Schwalbach, am Taunus, fand ich dann doch noch wie von selbst. Am hinteren Tor, das für mich, den von außen Kommenden, der hintere Eingang war, wurde ich von Herrn M. erwartet, für dessen verstorbene Frau ich ein Grabmal aus Eichenholz angefertigt hatte. Und um es aufzustellen, war ich an diesem warmen Oktobertag die hundertfünfzig Kilometer von Karlsruhe hierher gefahren.

Herr M. war bei der Frankfurter Hoechst AG als Chemielaborant beschäftigt gewesen. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den Kunden die besonderen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die sie benötigten, um mit den ebenso diversen wie individuellen Spezial-Produkte der Firma richtig umgehen und sie sachgemäß verarbeiten zu können. Die Kunden-Schulung durch Herrn M. fand nicht nur in Frankfurt statt, sondern auch in allerhand Ländern der Spanisch sprechenden Welt.

Beim Anmischen des Betons (Trockenbeton plus Wasser) für das Fundament und beim anschließenden Ausrichten das aufgestellten Grabmals erfuhr ich darüber hinaus, dass Herr M. aus Pirmasens stammte und 1945 in Pforzheim ausgebombt, aus Pforzheim hinausgebombt worden war. Da seine verstorbene Frau 1937 geboren wurde, nehme ich an, dass Herr M. damals etwa zehn Jahre alt gewesen ist. In Schwalbach lebte er seit 1961, also seit beinahe sechzig Jahren.

Er hätte mir neugierig oder interessiert Fragendem wohl noch mehr erzählt, wenn ich die Einladung auf einen Döner beim Türken angenommen hätte. Aber ich lehnte dankend ab, weil ich am Nachmittag zuhause noch einiges erledigen wollte. Und da der Reiseverkehr schon auf der Herfahrt sehr dicht gewesen war, rechnete ich für die Rückfahrt mit dem ein oder anderen Stau. Ich konnte dann aber zügig durchfahren.

Als einmal etwas Tränenartiges in Goethes Augen kam

„Mir armem Nordländer kam etwas Tränenartiges in die Augen!“ So Goethe in seiner Italienischen Reise unter dem Datum des 23. März 1787. Es war das Freudengeheul, in das ein neapolitanischer Knabe ausbrach, als er seiner Vaterstadt von einer Höhe aus ansichtig wurde, das den siebenunddreißigjährigen Dichter beinahe ein wenig aus der Fassung gebracht hätte. Um genau zu sein: Nicht das „Lustgeschrei und Freudengeheul“ selbst, sondern die Mitteilung des Neapolitaners, dass er wegen des Anblicks von „la mia patria“ in selbiges ausgebrochen sei, rührte Goethe zu Tränenartigem. Die psychologische Deutung dieser Mitteilung des armen Nordländers überlasse ich denen, die Lust dazu haben. Was mich dazu verführt hat, Goethe zu zitieren, war die sprachliche Wendung „etwas Tränenartiges“.

Am Ende des Tages

„Kommt aber aus meinem Überlebthaben, am Ende eines jeden Tages – deswegen will ich ja immer wach bleiben bis nach Mitternacht -, nicht auch eine Art Stolz und eine Kraft, etwas anderes als seinerzeit mein Hin und Her quer durch die Landschaften, das ein stummes Geheul war eines Weder-aus-noch-ein-Wissens. Gutes reiches Überleben, und statt der Landschaften Kriegsgelände: recht so. Und wieder gar nicht gut und gar nicht recht.“

So spricht die Obstdiebin im gleichnamigen Roman des nun bald siebenundsiebzigjährigen Autors, der heuer, wie er als Österreicher vielleicht sagen würde, den Literaturnobelpreis bekommen hat. Der sogenannte Zufall wollte es, dass ich mir heute Vormittag diesen Satz notiert habe. Da wusste ich noch nichts von der Entscheidung des Nobelpreis-Komitees.

Pendelbewegung

Warf gestern am späten Abend (viele würden wohl sagen: in der Nacht) noch einen Blick auf meine bei blogspot.com versammelten Sculpo-Seiten. Warum habe ich das Projekt, wenn schon nicht aufgegeben, so doch auf eine Weise vernachlässigt, die einem Aufgeben gleichkommt? Den letzten Beitrag habe ich an Ostern in Oberammergau geschrieben. Dann ein halbes Jahr lang nichts mehr. Immer diese Fragen, auf die es keine Antwort gibt (never complain, never explain). Warum? Weil es nicht zu meinen täglichen oder wöchentlichen oder monatlichen Gepflogenheiten zählte. Warum nicht? Wegen der Mythologie, die viel Zeit und Aufmerksamkeit forderte. Aber auch deshalb, weil mir die Holzbildhauerei nicht mehr mein hauptsächliches Metier zu sein schien. Das hat sich nun wieder geändert (und wird sich wahrscheinlich oder vielleicht oder gewiss wieder ändern). Weg von der Holzbildhauerei, zurück zur Holzbildhauerei. Der Herzschlag oder die Atembewegung meiner Biographie? Ein Grund-Rhythmus jedenfalls. Ein Hin-und-her-Pendeln.

Ein angenehmer Abend

Nun schon zum dritten Mal: Friday(s) for Houellebecq – scheint (wider Erwarten) doch so etwas wie eine Serie zu werden. Passend zum anstehenden Wochenende (das allerdings für nicht wenige schon am gestrigen Feiertag begonnen hat):

„Der namenlose, 30-jährige Ich-Erzähler“ (Wikipedia) in Houellebecqs Roman Ausweitung der Kampfzone erzählt: „Am Wochenende verkehre ich in der Regel mit niemandem. Ich bleibe zu Hause, räume ein wenig auf, kultiviere eine kleine Depression.“

Klingt gemütlich, aber am Wochenende von Kapitel Acht „steht Mitmenschlichkeit auf dem Programm“. Denn der Namenlose geht mit einem früheren Studienfreund, der dann doch noch Pfarrer geworden ist, bei einem Mexikaner essen. Der Pfarrer mit dem Ingenieursdiplom tischt seinem Gegenüber die kulturkritische These auf, wonach mit dem historisch nachlassenden Lebenshunger einer Gesellschaft das Gerede über sexuelle Abenteuer und abenteuerliche Erotik immer penetranter werde.

Der Protagonist gewinnt den Eindruck, dass der spätberufene Pfarrer ihn für ein Musterbeispiel dieser vitalen Erschöpfung hält: „Um etwas zu sagen, wende ich ein, dass heutzutage jedermann zwangsläufig irgendwann in seinem Leben glaubt, gescheitert zu sein.“

„Wir trinken einen Schnaps; er legt seine Karten auf den Tisch. Seiner Meinung nach ist Jesus die Lösung; Jesus, die Quelle des Lebens. Eines reichen und lebendigen Lebens.“ Der Ich-Erzähler verspricht, dass er sich bemühen werde, seine göttliche Natur zu akzeptieren, fügt noch ein paar Sätze hinzu und versucht, einen Konsens herzustellen. „Danach ein Kaffee und ab nach Hause. Eigentlich ein angenehmer Abend.“

In meiner auf einer Bank zwischen Königsbach und Söllingen gefundenen Rowohlt-Paperback-Ausgabe (ich berichtete hier darüber) wird die Zeitschrift Literaturen zitiert. Darin nannte jemand Houellebecqs Roman eine „lakonische Abrechnung mit den Acht-Stunden-Jobs in der Provinz, mit der Spaßkultur und der sexuellen Befreiung.“ Warum Abrechnung? Ja, ich weiß, Literaturkritiker halten es nicht für möglich, dass man über das Leben schreibt, ohne mit ihm abrechnen zu wollen.

Von einem Jesus-Kind, dem man besser nicht in die Quere kam

Ironie bewegt sich auf dem schmalen, wenn man so will, realpolitischen Grat zwischen Konsens und Dissens. Daher war Jesus Christus, dem Anti-Politiker schlechthin, das Ironische wesensfremd, was ihn mir immer ein wenig suspekt gemacht hat. Was ist von einem angeblich Mensch gewordenen Gott zu halten, der keinen Spaß versteht – weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinn? Der keinen Sinn für Humor hat? Für den jeder Kompromiss ein Verrat an seiner Mission wäre? „Die Worte und Namen, die du aussprichst, sind mir fremd, denn meine Heimstatt ist nicht bei euch, wenngleich ich mitten unter euch wohne“, sagte er zu Joseph, schon als er vier Jahre alt war – nachzulesen im Evangelium nach Thomas dem Israeliten.

Jesus war ein Outlaw von Anfang an, und er war sich dessen bewusst: „Du bist im Gesetz“, sagte er zu Joseph, dessen Vaterschaft er offen infrage stellte, „und im Gesetz verharrst du. Ehe du aber geboren warst, bin ich und bin vor dem Gesetz.“

Ein Outlaw macht keine Politik, sondern er geht seinen Weg. Und nicht nur im Notfall geht er dabei auch über Leichen. Einen Spielgefährten, der seine Wasser-Gruben beschädigt, lässt er auf der Stelle verdorren. Beim Gang durchs Dorf stößt ein anderer Junge im Vorbeilaufen an seine Schulter: „Da wurde Jesus zornig und sprach zu ihm: Du Achtloser, dein Weg soll hier ein Ende haben! Und das Kind fiel zu Boden und starb.“ Wer Jesus, den Retter, für seine Untaten anklagt, den schlägt er mit Blindheit.

Den Unterschied zwischen irdischem Leben und Tod hielt schon der Knabe Jesus für vernachlässigbar. Bei sich bietender Gelegenheit erweckte er Tote wieder zum Leben, auch jene, die er zuvor selbst hatte verdorren oder tot umfallen lassen. Die von ihm Geblendeten heilt er aus einer Laune heraus, desgleichen einen jungen Mann, der zu verbluten droht, nachdem er beim Holzhacken nicht das Holz, sondern seinen Fuß gespalten hat. „Erhebe dich nun, spalte dein Holz und gedenke meiner“, gibt ihm Jesus mit auf den Weg. Ein starker Spruch für einen Fünfjährigen.

Maria statt Artemis

Dass Maria, die Mutter Jesu, wie eine Göttin angebetet und verehrt wurde und wird, ist ein offenes Geheimnis und eine der Merkwürdigkeiten der christlichen Variante des sogenannten Monotheismus. Will man den Kult um Maria mit einem Ort und einem Datum in Verbindung bringen, so ist als Ort Ephesus und als Zeitpunkt das Jahr 431 zu nennen. Beim dritten ökumenischen Konzil in einer der bedeutendsten Städte Kleinasiens wurde Maria zur Gottesgebärerin und zum legitimen Objekt der Anbetung und Verehrung erklärt. Dass die amtliche Aufnahme Mariens in den christlichen Olymp gerade in Ephesus oder Ephesos bekanntgegeben wurde, kam nicht von ungefähr, gab es doch an gleicher Stelle über viele Jahrhunderte hin einen oder mehrere Tempel der Artemis, als deren Reinkarnation wir Maria bezeichnen dürften, wenn so etwas wie Reinkarnation unter Göttinnen infrage käme. Denn wie Maria war Artemis die personifizierte Jungfräulichkeit, wie sie war sie eine Mutter der Mutterschaft und für beide wurde eine nicht gleichgültige Beziehung zum Mond festgestellt. Selbst die bei Artemis in markant extrovertierter Weise hervortretenden kriegerisch-jägerischen Wesenszüge müssen bei Maria in verinnerlichter, möglicherweise auto-aggressiver Form vorhanden gewesen sein: Man betrachte nur die zahllosen Porträts als Mater Dolorosa, auf denen Marias Herz von bis zu sieben Schwertern gleichzeitig durchbohrt wird.

Fridays for Houellebecq

Und schon ist es wieder Freitag geworden. Letzte Woche war das ein sonniger Spätsommertag, an dem ich in der zweiten Tageshälfte mit dem Fahrrad unterwegs war. Vierzig Kilometer. Der heutige Freitag ist dagegen ein weitgehend verregneter Herbsttag gewesen, einer der ersten in diesem Jahr. Klimawandel. Oder doch nur Wetterwechsel?

Vor einer Woche fand ich, wie gesagt, auf einer Bank am Wegrand Michel Houellebecqs Ausweitung der Kampfzone. Heute lese ich das Buch vom Boden auf, wo es inmitten anderer Bücher gelegen hat, und wieder beginne ich zu lesen. Fridays for Houellebecq, wenn man so will: „Ein Leben lang nichts als lesen,“ schreibt der Autor, der unter seinem Roman „eine Abfolge von kleinen Geschichten, deren Held“ er ist, versteht – und fährt fort: „das hätte meine Wünsche erfüllt; ich wusste es schon mit sieben Jahren. Die Beschaffenheit der Welt ist schmerzhaft und ungeeignet; ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern lässt.“

Der Klima-Strip hat begonnen

Dass ich am heutigen Welt-Klima-Kampftag statt mit dem Auto mit dem Fahrrad die 20 Kilometer von Karlsruhe nach Königsbach gefahren bin, war weder ein Akt der Buße noch mein privater Beitrag zur Rettung des Planeten, sondern reiner Zufall. War es aber gleichfalls Zufall, dass ich auf dem Rückweg von meinem geschäftlichen Termin auf einer idyllisch am Waldesrand gelegenen Bank auf halbem Weg zwischen Königsbach und Söllingen Michel Houellebecqs Roman Ausweitung der Kampfzone (Extension du domain de la lutte, Paris 1994) fand? Jemand hatte das 2006 neu bei Rowohlt herausgegebene, 170-seitige Büchlein dort vergessen oder absichtlich liegen lassen oder für mich bereit gelegt oder was auch immer.

Das erste Kapitel des ersten Teils beginnt mit einer Stelle aus dem Brief des Paulus von Tarsus an die Römer, mutmaßlich verfasst in Korinth im sechsten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts nach Christi Geburt: „Die Nacht ist fortgeschritten, der Tag nähert sich. Befreien wir uns also von den Werken der Finsternis, kehren wir zurück zu den Waffen des Lichts.“

Wenn alles teurer wird, wird hoffentlich alles gut, höre ich später in den ZDF-Nachrichten. Dann ist es ja gut, dass jetzt alles teurer wird. „Die Nacht ist fortgeschritten“, das kann ich bestätigen. Aber dafür, dass der Tag sich nähert, sehe ich vorläufig noch keine Anzeichen.

„Am Freitagabend war ich bei einem Arbeitskollegen eingeladen.“ So der erste Satz in Houellebecqs „‚Kultbuch‘ der Gegenmoderne“, wie die ZEIT laut Klappentext einmal geschrieben haben soll. „Ungefähr dreißig Leute, alles mittlere Führungskräfte, fünfundzwanzig bis vierzig Jahre alt. Irgendwann begann plötzlich so eine kleine Verrückte sich auszuziehen. Erst hat sie ihr T-Shirt ausgezogen, dann den BH, dann ihren Rock, wobei sie unglaubliche Grimassen schnitt. Ein paar Sekunden lang drehte sie sich, nur mit dem Höschen bekleidet, im Kreis, und als ihr nichts mehr einfiel, begann sie sich wieder anzuziehen.“

Hieß die kleine Verrückte vielleicht Germaine?

Der Knabenchor als Gerechtigkeitslücke

Der Gerechtigkeits-Furor war schon immer auch, wenn nicht sogar vor allem, ein Furor des Abschaffens und Liquidierens, was sich schon sprachlich, nämlich daran zeigt, dass es meistens darum geht, etwas zu beseitigen, und sei es auch nur eine „Gerechtigkeitslücke“. In der Französischen und russischen Revolution nicht anders als in der aktuellen Debatte über die einer absurden Logik folgende Forderung nach Aufnahme von Mädchen in Knabenchöre.

Dabei kann ein Mädchen schon deshalb nicht in einem Knabenchor mitsingen, weil der Knabenchor nach der Aufnahme eines Mädchens kein Knabenchor mehr wäre. Aber wegen ein paar typisch männlicher logischer Spitzfindigkeiten auf die Durchsetzung der Idee der universellen Gleichheit und ewigen Gerechtigkeit verzichten? Niemals.

Wer verlangt, dass Mädchen in Knabenchöre aufgenommen werden, fordert im Resultat die Abschaffung der Regensburger Domspatzen und anderer „Männerdomänen“ als letzte oder vorletzte Bastionen der Ungerechtigkeit. Nur ein guillotinierter Adliger ist ein guter Adliger, nur ein abgeschaffter Knaben- oder Männerchor ist ein guter Knaben- oder Männerchor. Der zivilisatorische Fortschritt besteht immerhin – und dafür muss mann wohl dankbar sein – darin, dass heute im Namen der Gerechtigkeit primär den Gepflogenheiten und nur noch in Ausnahmefällen denen, die sie pflegen, der Garaus gemacht werden soll.

Als Mittel gegen den gleichmacherischen Gerechtigkeit-Irrsinn hilft vielleicht eines Tages nur noch das Antidot der Aufnahme des Knabenchors in die Liste der zu schützenden Kulturgüter. Aber was da landet, ist schon nicht mehr Teil der im Alltag lebendigen, sondern einer auf der Palliativ-Station ihrem Ende entgegendämmernden Kultur.