Am 15. September 1787 (heute vor 235 Jahren) schreibt Goethe in Rom an die Freunde in Weimar: „Rom ist mir nun ganz familiär, und ich habe fast nichts mehr darin, was mich überspannte. Die Gegenstände haben mich nach und nach zu sich hinaufgezogen. Ich genieße immer reiner, immer mit mehr Kenntnis, das gute Glück wird immer weiter helfen.“ Man meint, dieses Gefühl zu kennen, wenn man von etwas, das noch zu hoch für einen ist, „überspannt“ wird: eine prekäre Mischung aus Heraus- und Überforderung, beunruhigend im vollen, kon- und dissonant resonierenden Wortsinn.

Und unter demselben Datum: „Nun hab‘ ich ein Köpfchen nach Gips gezeichnet, um zu sehen, ob mein Prinzipium Stich hält.“ Dass etwas, etwa ein Beweis, stichhaltig sei, sagt man auch heute noch. Nicht aber dass dieser Beweis Stich halte, also wohl einem Stich stand- oder diesen aushalte.

Und endlich: „Es wird recht fleißig nach der Natur gezeichnet werden. Ich mag nun von gar nichts mehr wissen, als etwas hervorzubringen und meinen Sinn recht zu üben. Ich liege an dieser Krankheit von Jugend auf krank, und gebe Gott, daß sie sich einmal auflöse.“

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