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Heute ist schon wieder mal mein sogenannter Geburtstag. Ein (angenehm) unangenehmes Ereignis, gebe ich doch (immer damit) an, ein Geburtstagsmuffel zu sein. Am 8. September vor siebzehn Jahren fuhr ich vor Tagesanbruch mit dem Auto los, um außerhalb der Stadt den Sonnenaufgang zu erleben. Damals wurde ich fünfzig. Das hielt ich für etwas Besonderes, das besondere Maßnahmen, verbunden mit gewissen Umständlichkeiten, nicht nur rechtfertigte, sondern zwingend erforderlich machte. Als ich nun heute mehr oder weniger aus Versehen um halb sechs (offiziell ist die Sonne um 6:50 Uhr aufgegangen) auf- und erwachte, gingen mir ein, zwei Sätze in Bezug auf den heutigen Untag (das Wort Tag verhält sich zu Untag wie Fall zu Unfall) durch den Kopf. Ich überlegte, ob ich sie notieren sollte, aber da ich (noch) kein zweiter oder dritter Peter Handke bin, lag neben meinem Bett (noch) kein Schreibzeug parat. Wegen der zwei Sätze den langen Gang der Ferienwohnung (wir sind noch bis Samstag im Wendland) hinunter und durch die Küche hindurch bis ins Wohnzimmer zu „Papier und Bleistift“ (Moleskine-Buch und Tintenschreiber) gehen? Zu solchen Umständlichkeiten konnte ich mich am frühen Morgen meines fünfzig-plus-siebzehnten Geburtstags nicht aufraffen. Zwar machte ich mich dann doch noch auf den Weg Richtung Wohnzimmer, aber nur um auf halber Strecke, wo es links zur Toilette geht, links abzubiegen – eine Maßnahme, die ich zu Beginn dieses Tages nicht nur für gerechtfertigt, sondern für zwingend erforderlich hielt.

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