Virgil Moll (Adventskalender V)

Im letzten Advents-Beitrag ging es um die Anfänge des Holzbildhauers Jörg Zürn als Meister in und Bürger von Überlingen im Jahr 1607. Ohne eigene Werkstatt und den damit verbundenen Meistertitel wäre Zürn wohl kaum sechs Jahre später mit der Aufstellung des Marienaltars im Überlinger Münster beauftragt worden. Der Meister, dessen Nachfolge Jörg Zürn sowohl im Beruflichen wie auch im Privaten antrat, war Virgil Moll, der „von 1588 bis zu seinem Tode 1606 urkundlich greifbar“ ist, wie es in Manteuffel 1969 (Bd. 1, S. 140) heißt.

Unter Bezugnahme auf die ungedruckte Tübinger Dissertation von Hellmut Hell aus dem Jahr 1948 schreibt Claus Zoege von Manteuffel: „Sein Vater war Christoph Moll, Goldschmied in Überlingen. 1591 heiratete Virgil Moll Ursula Reichart [die 1606 Witwe und 1607 Jörg Zürns Ehefrau wurde, L. R.], die ihm 1603 und 1605 Kinder schenkte, während vorher 1599 und 1600 die Geburt zweier unehelicher Kinder Molls von verschiedenen Müttern verzeichnet ist. 1591 ging Moll nach Hechingen, um den dortigen Hochaltar zu schnitzen. Erst 1593 wurde er in Überlingen in die Fischerzunft, zu der die Bildhauer gehörten, aufgenommen. Er war, wie auch die Zürn, Bildhauer sowohl in Stein als auch in Holz, was nicht üblich war. […] 1604 erhielt er den Auftrag für einen Altar in Petershausen […]. Im gleichen Jahr 1604 gab es in Überlingen Ärger mit Moll, der sich tagelang mit dem Henker zusammen dem Trunke hingegeben hat. Hell vermutet, dass Moll bei seinem Tode 1606 noch keine 40 Jahre alt war. Immerhin kann auch seine Witwe nicht jünger als etwa 31 Jahre gewesen sein, also mindestens 7 Jahre älter als Jörg Zürn.“ (Manteuffel 1969, Bd. 1, S. 140)

Es fällt auf, dass Virgil und Ursula Moll bereits 12 Jahre verheiratet waren, ehe das erste Kind zur Welt kam. Und es fällt weiter auf, dass zu diesem Zeitpunkt nach von Manteuffels Vermutung der aus Waldsee zugezogene Jörg Zürn bereits seit einigen Jahren in Molls Werkstatt (und womöglich nicht nur in dieser) als Geselle tätig gewesen ist.

Virgil Moll: Jesus und die Sünderin, 1575, Kalkschiefer, 61 x 52,5 x 10 cm
Foto: Bildarchiv Foto Marbach (Ausschnitt)

P. S.: Falls die Datierung des aus der Petershausener Klosterkirche stammenden Reliefs mit 1575 richtig und das Relief tatsächlich eine Arbeit von Virgil Moll ist, dann ist Hellmut Hells im Zitat erwähnte Vermutung, dass Moll bei seinem Tod noch keine 40 Jahre alt war (also nicht vor 1566 geboren worden wäre) offenbar falsch.