Der Autor als selbstbestimmter Hinzufüger

Wer oder was bin ich, wenn ich Autor bin? Boris Groys antwortet: Dann bist du vor allem anderen jemand, der sich selbst autorisiert, das zu tun, was er tut; auctoro heißt: ich beschäftige und binde mich, setze mich ein, verdinge und verpflichte mich. Autor sein hat, wenigstens nach Groys (und welcher Autor wollte ihm da widersprechen), essentiell und existenziell zu tun mit Selbstbeauftragung und Selbstverpflichtung. Das ernst gemeinte und ernst zu nehmende auctorale Postulat richtet sich in erster Linie an oder auch gegen den, der es formuliert.

Dabei heißt auctor zunächst oder im Grunde nur der Mehrer. Wer dem Vorhandenen etwas bis dato noch nicht Vorhandenes hinzufügt, ist Autor in diesem Sinn. Wobei offen bleiben muss, kann, darf und soll, ob es sich um Hinzufügungen im Bereich des Geschriebenen, des bildhaft Gezeigten, des Hörbaren oder um eine Vermehrung der Bestände in einem anderen Bereich handelt. Auch wenn Boris Groys in der von ihm gegebenen Definition fortfährt, jeder Autor sei Kritiker, Kurator, Museum und Bibliothek seiner selbst, ist klar: als Autoren werden von ihm nicht nur die Verfasser von sprachlichen Texten angesprochen.

Relativ bekannt ist das Diktum des Philosophen Alfred North Whitehead, die ganze Philosophie bestehe eigentlich nur aus Fußnoten zu Platon. Mit anderen Worten: das Wesentlich ist immer schon gesagt (visualisiert, komponiert) worden. Der Rest ist Fußnote, Anmerkung, Postskriptum und Postpictum. Wenn in diese Rest-Kategorie aber auch die gesamte Philosophie nach Platon fällt, sind weitere Adjunktionen (wozu auch immer) vielleicht doch der Mühe wert.