Michael Schneider (1956-2019)

Letzte Woche starb in der Nähe von Karlsruhe der 1956 in Wangen im Allgäu geborene Maler Michael Schneider. Ich dachte immer, er sei ein Jahr älter als ich, nun stelle ich fest, dass ich ziemlich genau ein Jahr vor ihm geboren worden bin.

Michael und ich lernten uns vor mehr als zwanzig Jahren in einem Verein mit dem amtlichen Namen Bezirksverband bildender Künstlerinnen und Künstler Karlsruhe e. V. kennen. Wir waren uns von Anfang an sympathisch und während der letzten Jahre waren wir auch ohne den BBK als gemeinsames Drittes (ich bin 2012 ausgetreten) wahrscheinlich befreundet – „wahrscheinlich“ deshalb, weil ich nicht so genau weiß, wann für mich aus einem guten Bekannten ein Freund (im emphatischen Sinn) wird.

Wie die meisten der so genannten oder tatsächlichen Künstler (Michael gehörte zur zweiten Kategorie) konnte er von seinen Bildverkäufen nicht leben und arbeitete deshalb als Kulissenmaler am Badischen Staatstheater. Dennoch war Michael Schneider vor allem und überhaupt Kunstmaler und ließ daran bei sich und bei anderen, soweit ich das beurteilen kann, nie einen Zweifel aufkommen. Was nicht heißen soll, dass er sich als Künstler in Szene gesetzt hat, ganz im Gegenteil: „Erfreut, vereinzelt auch mal enttäuscht, stelle ich fest, dass mich niemand ohne weiteres für einen Künstler hält. Vielleicht gab es Jahre, da ich den Klischees mehr entsprach“, schrieb Michael im Februar 2018. Beinahe ein Jahr lang führten wir per E-Mail ein auf meiner Website simultan veröffentlichtes Gespräch über künstlerische und andere Belange, hier der gesamte Dialog als PDF-Datei.

Michael war ein gläubiger Mensch, wobei er die katholische Variante des Christlichen (und innerhalb dieser deren konservative Ausprägung) der evangelischen vorzog, und das wohl mindestens ebensosehr aus ästhetisch-ideellen wie aus biographischen Gründen. Die Gretchen-Frage, wie ich selbst es mit der Religion halte, beantworte ich gerne ausweichend oder mit einem entschiedenen „zwar, aber“. Gleichwohl habe ich Michael bei unserer letzten Begegnung (er lag vom Tode gezeichnet im Krankenhaus, sprach aber wie immer mit klarer, fester Stimme) gewissermaßen rhetorisch gefragt, ob er den vom alten Johnny Cash gesungenen Song von Hughie Charles und Ross Parker kenne, in dem es heißt: „We’ll meet again / Don’t know where, don’t know when / But I know we’ll meet again some sunny day / Keep smiling through / Just like you always do / Til the blue skies drive the dark clouds far away“.

www.michaelschneider.bplaced.net