Von einem Jesus-Kind, dem man besser nicht in die Quere kam

Ironie bewegt sich auf dem schmalen, wenn man so will, realpolitischen Grat zwischen Konsens und Dissens. Daher war Jesus Christus, dem Anti-Politiker schlechthin, das Ironische wesensfremd, was ihn mir immer ein wenig suspekt gemacht hat. Was ist von einem angeblich Mensch gewordenen Gott zu halten, der keinen Spaß versteht – weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinn? Der keinen Sinn für Humor hat? Für den jeder Kompromiss ein Verrat an seiner Mission wäre? „Die Worte und Namen, die du aussprichst, sind mir fremd, denn meine Heimstatt ist nicht bei euch, wenngleich ich mitten unter euch wohne“, sagte er zu Joseph, schon als er vier Jahre alt war – nachzulesen im Evangelium nach Thomas dem Israeliten.

Jesus war ein Outlaw von Anfang an, und er war sich dessen bewusst: „Du bist im Gesetz“, sagte er zu Joseph, dessen Vaterschaft er offen infrage stellte, „und im Gesetz verharrst du. Ehe du aber geboren warst, bin ich und bin vor dem Gesetz.“

Ein Outlaw macht keine Politik, sondern er geht seinen Weg. Und nicht nur im Notfall geht er dabei auch über Leichen. Einen Spielgefährten, der seine Wasser-Gruben beschädigt, lässt er auf der Stelle verdorren. Beim Gang durchs Dorf stößt ein anderer Junge im Vorbeilaufen an seine Schulter: „Da wurde Jesus zornig und sprach zu ihm: Du Achtloser, dein Weg soll hier ein Ende haben! Und das Kind fiel zu Boden und starb.“ Wer Jesus, den Retter, für seine Untaten anklagt, den schlägt er mit Blindheit.

Den Unterschied zwischen irdischem Leben und Tod hielt schon der Knabe Jesus für vernachlässigbar. Bei sich bietender Gelegenheit erweckte er Tote wieder zum Leben, auch jene, die er zuvor selbst hatte verdorren oder tot umfallen lassen. Die von ihm Geblendeten heilt er aus einer Laune heraus, desgleichen einen jungen Mann, der zu verbluten droht, nachdem er beim Holzhacken nicht das Holz, sondern seinen Fuß gespalten hat. „Erhebe dich nun, spalte dein Holz und gedenke meiner“, gibt ihm Jesus mit auf den Weg. Ein starker Spruch für einen Fünfjährigen.