Glaube und Form

Glauben im religiösen Sinn heißt dem Leben eine bestimmte Form geben. Die gelebte Glaubens-Form oder die geglaubte Lebens-Form greift über („färbt ab“) auf alles Geformte und umgekehrt. Jede Form-Arbeit ist in gewissem Sinn Glaubens-Arbeit. Wenn Glaube eine Lebens-Form ist, spielt der Inhalt nicht die Hauptrolle. Wahrscheinlich kann man als Gläubiger sogar auf den Inhalt (auf das „Glauben an“) verzichten. Die dürftigen (sprachlichen, nicht-sprachlichen, musikalischen, bildlichen, rituellen) Formen, in denen sich heute der christliche Glaube bewegt (Ausnahmen bestätigen die Regel), sind nicht Zeichen für dessen Niedergang und Verfall, sondern sie sind der Niedergang und der Verfall selbst. Denn es gibt keinen Glauben jenseits der Form und der Formen.