Christoph Daniel und andere Mitglieder der Bildhauerfamilie Schenck

Schon sein Vater Hans Christoph und sein Großonkel Hans „versorgten“, wie Brigitte Lohse in Lohse 1960 schreibt, „die Kirchen in und um Konstanz bis hinauf nach St. Gallen mit Altarfiguren“. Am 26.8.1633 wurde Christoph Daniel Schenck von seinem Vater in St. Johann zu Konstanz zur Taufe angemeldet. Die Schencks waren aus Mindelheim an den Bodensee gezogen, Mindelheim liegt zwischen Memmingen und Landsberg am Lech, gut 130 Kilometer von Konstanz entfernt. „Für Christoph Daniel ist seine Geburtsstadt immer der Mittelpunkt seines zwischen Einsiedeln und Zwiefalten abgrenzbaren Schaffensgebietes geblieben.“ Lohse 1960, S. 7

Für Brigitte Lohse ist Christoph Daniel Schencks eigentliches Betätigungsfeld das der Kleinplastik, wozu auch Elfenbein-Miniaturen, beispielsweise die „Verspottung Christi“, ein Relief von 1685 im Format 9,2 x 5,5 cm, oder ein 11 cm hoher Hl. Sebastian zu zählen sind. Andere sahen in ihm anscheinend primär einen Schöpfer religiöser Großplastik, wie aus einer Bemerkung von Sabine Haag zu folgern ist, die dann Johann Caspar Schenck, einen älteren Verwandten von Christoph Daniel, als dessen von Konstanz nach Wien umgezogenen Lehrmeister für Kleinplastisches ins Spiel bringt (in: Rosengartenmuseum 1996).

Neben Christoph Daniel Schenck, der insbesondere seine kleinplastischen Arbeiten erfreulicherweise zu signieren und zu datieren pflegte, haben wir es also in Sachen Holzbildhauerei mit dem Vater Hans Christoph und dessen Onkel Hans zu tun. Außerdem gab es besagten Johann Caspar Schenck, von dem man biographisch u. a. weiß, dass er aus derselben Familie und Konstanzer Werkstatt stammt, dann nach Innsbruck gegangen und 1674 in Wien gestorben ist. Desweitern war da noch ein Georg (er blieb in Mindelheim), ein Christoph (Großvater von Christoph Daniel), ein Philipp und ein Simon Schenck (der ging von Mindelheim nach München). Ein jüngerer Bruder von Christoph Daniel, dem hier mein Hauptinteresse gilt, hieß Johann Kaspar. Ob der auch Holzbildhauer war? Es steht zu befürchten.

Obere Bildhälfte: Christoph Daniel Schenck: Cruzifixus, 1685/87, Mariaberg bei Gammertingen (in: Rosengartenmuseum 1996)
Untere Bildhälfte (oben): Pietà in der Pfarrkirche von Markdorf, entweder Christoph Daniel oder Johann Caspar Schenck zuzuschreiben (in: Lohse 1960)
Obere Bildhälfte: Christoph Daniel Schenck und Werkstatt: Maria Magdalena, 1684/85 (in: Rosengartenmuseum 1996)
Untere Bildhälfte: Pietà in der Pfarrkirche von Markdorf, entweder Christoph Daniel oder Johann Caspar Schenck zuzuschreiben (in: Lohse 1960)

In diesen drei wunderschön geformten Gesichtern (des Gekreuzigten, der Maria Magdalena und der Maria aus dem Vesperbild) denselben Bildschnitzer wiederzuerkennen, scheint mir eine relativ leichte Übung zu sein. Brigitte Lohse sieht das auch so. Im Ausstellungskatalog von 1996 (Rosengartenmuseum 1996) wird die Maria Magdalena dagegen nicht Christoph Daniel, sondern Johann Caspar Schenck zugeordnet, obwohl es dafür keine zwingenden Gründe gibt. Vielleicht ist es unter Kunsthistorikern verpönt, seinen Augen zu trauen?

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