Rudi Nowak im Stuttgarter Haus der Geschichte

Mehr als nur vier Tafelbilder
Gemäldefolge von Rudi Nowak kommt ins Stuttgarter Haus der Geschichte

Als Rudi Nowak Anfang der 50er Jahre einem großen Mineralölkonzern den Vorschlag machte, Zapfsäulen zu konstruieren, die den Benzinkäufern erlauben würden, das Betanken ihres Fahrzeugs selbst vorzunehmen, war das Vertrauen in die fülltechnischen Fertigkeiten des gewöhnlichen Kraftfahrers, von der Kraftfahrerin ganz zu schweigen, leider erst in geringem Maße entwickelt. Der „Grafik-Runo“, wie sich der 1922 im oberschlesischen Beuthen geborene Kunstmaler, Grafiker und Erfinder selbst nannte, ließ sich von diesem Fehlschlag jedoch nicht entmutigen. So umfasste sein Werk, als er 1992 in Rastatt starb, nicht nur 800 Gemälde der unterschiedlichsten Techniken und Stilrichtungen, sondern auch Dutzende von angemeldeten Patenten, von der „in axialer Richtung geteilten Mutter“ (1963) über den Leuchtfederball (1956) und die Zündholzrolle bis hin zum raffinierten Spiralen- und Ellipsenzirkel.

An die kargen Zeiten, in denen anfallende Patentamtsgebühren einen zu großen Teil des Haushaltsbudgets verschlangen, kann sich „Runos“ Sohn Knut Nowak noch gut erinnern. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass eine in zweijähriger Arbeit entstandene und 1986 abgeschlossene Bilderfolge von vier Gemälden nun im Haus der Geschichte in Stuttgart der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Unter dem Titel „Die betrogene Generation“ zeigen die Bilder collagenartig montierte Szenen aus Deutschland nach dem ersten und vor dem zweiten Weltkrieg, sowie aus der Kriegs- und Nachkriegszeit bis hinein in die Gegenwart der 1980er Jahre. Der panoptische Zyklus, der bereits 1999 im Karlsruher Stadtmuseum zu sehen gewesen ist, steckt voller offener und versteckter Hinweise auf Personen und Ereignisse der jeweils ins Bild gesetzten historischen Periode, wobei von der großen Bandbreite der möglichen darstellerischen Mittel unbefangen Gebrauch gemacht wird. Grafisch-Lineares findet sich neben Partien fein nuancierender Malerei ebenso wie Karikaturhaftes neben sensibleren Bemühungen um personale Authentizität. Auch wird gelegentlich mit der Angabe eines Datums oder Stichwörtern wie „6 Millionen Arbeitslose“ deutlich gemacht, worum es geht.

Der nun anstehenden Aufnahme ins Stuttgarter Haus der Geschichte waren viele Versuche, erst des Malers selbst, später seines Sohnes, vorausgegangen, die Werke in angemessener Weise unterzubringen. Absagen kamen jedoch nicht nur vom Bundeskanzleramt, sondern auch von württembergischen Stellen. Dies war allerdings nichts Neues im Leben eines genialischen Kreativen, der immer wieder mit Zurückweisungen und der Ergebnislosigkeit seiner Bemühungen fertig zu werden hatte. Vor dem Krieg gelernter Metallflugzeugbauer, dann Jagdflieger, nach der Gefangenschaft Schwabinger Maler und Werbegrafiker, immer wieder für mehrere Jahre fest angestellt als technischer Leiter, Werbefachmann, Werbeleiter, dazwischen selbständig als Grafiker tätig, dabei natürlich immer auch Erfinder und Maler mit Ausstellungen im In- und Ausland – man ahnt, dass in diesem komplexen und wechselvollen Leben Inspiration und Frustration notwendig Hand in Hand gehen mussten. Wäre das Haus der Geschichte auch ein Haus der Geschichten, würde man dort nicht nur Gegenstände und Werke, sondern auch die Leben, aus denen jene hervorgegangen sind, ausstellen können – Rudi Nowak hätte noch viel mehr beizutragen als nur diese vier Tafelbilder in Mischtechnik, jeweils 70 Zentimeter breit und 80 Zentimeter hoch.

[Badische Neueste Nachrichten]