Kursteilnehmerausstellung, Künstlerhaus Karlsruhe 2005

Zur Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Kursleitern und deren Schülern im Künstlerhaus Karlsruhe am 16.4.2005

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, herzlich willkommen im Künstlerhaus Karlsruhe. Zu den Kolleginnen und Kollegen zähle ich heute auch die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer, deren Werke hier zusammen mit denen der Kursleiterinnen und Kursleiter an diesem und am kommenden Wochenende zu sehen sind.

Das Lehrer-Schüler-Verhältnis hat in der bildenden Kunst bis in unsere Tage hinein eine hervorragende Rolle gespielt. Oft lassen sich Lehrer-Schüler-Beziehungen über mehrere Künstler-Generationen hinweg nachweisen. So war, um ein näher gelegenes Beispiel zu nennen, HAP Grieshaber der Lehrer von Horst Antes, dieser wiederum war der Lehrer von Hans Martin Erhardt, dessen 70ten Geburtstag wir Ende des Jahres hier im Künstlerhaus in Form einer Ausstellung mitfeiern werden.

Wozu braucht man einen Lehrer oder, um das profanere Wort zu gebrauchen, wozu braucht man einen Kursleiter bzw. eine Kursleiterin? Unsere Sekretärin würde vielleicht sagen: um die letzten noch ausstehenden Kursgebühren einzutreiben. Wenn der Kursleiter nur ein Kursleiter und nicht auch ein Lehrer wäre, dann würde dies, zumindest aus der Sicht des BBK [Bezirksverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Karlsruhe e. V.], womöglich tatsächlich die Hauptrechtfertigung für seine Existenz sein. Gehen wir aber einmal zuversichtlich davon aus, dass es sich bei unseren Kursleiterinnen in der Tat vor allem um Lehrerinnen und bei unseren Kursleitern vor allem um Lehrer handelt. Ich denke, ich sage nicht zuviel, wenn ich vermute, man braucht diese Lehrerinnen und Lehrer zunächst und vor allem zum leichteren Erwerb gewisser Kenntnisse und Fertigkeiten. Dass man bei ihm oder bei ihr lernen könne, wie man Kunst macht, wird hoffentlich niemand behauptet haben. Was man aber durchaus hier lernen können sollte ist, wie man Kunst macht. Sicherlich ist dem ein oder anderen unter Ihnen, meine Damen und Herren, schon einmal aufgefallen, dass wir keine Kunstkurse, sondern „nur“ Malkurse, Zeichenkurse, Radierkurse usw. anbieten.

Das soll nun nicht heißen, dass der Unterschied zwischen Lehrern und Schülern der ist, dass die einen die Kunst können und die anderen können nach ein paar Wochen bestenfalls eine Technik in ihren Anfängen. Ganz im Gegenteil. Worauf ich hinweisen wollte, ist, dass die Trennlinie zwischen Kunst und Nicht-Kunst, wenn es sie denn geben sollte, nicht verwechselt werden darf mit der Trennlinie, die zwischen den technisch perfekten und den technisch nicht weiter bemerkenswerten Werken verläuft. Es ist ein typisches Zeichen von mangelndem Rezeptionstraining, wenn man technische Raffinesse und künstlerischen Rang für proportional zu- beziehungsweise abnehmende Größen hält. Schauen Sie sich zum Beispiel die späten Zeichnungen von Herbert Kämper an, die derzeit in der BBK-Ausstellung Frühlingssalon im ehemaligen Landesgewerbeamt zu sehen sind. Technisch kann das jeder, der einen Stift halten kann. Und dennoch ist in diesen Zeichnungen etwas präsent, was mit dem beinahe inhaltslos gewordenen Wort „Kunst“ nur ganz von fern benannt wird.

Meine Damen und Herren, sie werden es wohl bemerkt haben, ich habe den gewiss nicht trivialen Unterschied zwischen Lehrern und Schülern herausgestellt, nur um ihn im nächsten Moment wieder zu verwischen. Ich glaube, dass diese Verfahrensweise dem eigenartigen Charakter nicht nur der Ausstellung, sondern auch der Sache durchaus gerecht wird und wünsche allen Beteiligten in diesem Sinne interessante Erfahrungen. Als Vorsitzender des BBK-Karlsruhe hoffe ich, dass dieser Ausstellung ähnliche folgen werden, die am praktischen Beispiel vor Augen führen, dass Kunst nicht die Menge aller Kunstwerke, sondern ein offener Prozess ist, ein Prozess, der nicht in abgeschlossenen Zirkeln stattfindet, sondern immer dort, wo sich Menschen auf ihn einlassen.