Kleiner Wutanfall aus permanent gegebenem Anlass

Das Schöne ist nicht zuletzt das, was Menschen verbindet jenseits ihrer politischen und sonstigen Meinungen, es sei denn, jemand ist durch das Partei-Politische schon so verdorben, dass er nicht mehr dazu in der Lage ist, das Schöne schön zu finden und zu nennen, sondern zuerst einmal wissen will, wer das wann und in welchem politisch-sozialen Kontext geschaffen beziehungsweise gemacht hat. Das Schöne ist das Verbindliche, sobald man seine Verbindlichkeit anerkennt. Als Künstler, besser gesagt: Proto-Künstler, entscheidet man sich entweder für den Positionismus oder für das Schöne, das die einzig mögliche, universelle Position eines Künstlers ist. Jeder der als angeblicher Künstler eine sogenannte Position einnimmt, ist keiner. Das Schöne ist verbindlich, die Position ist unverbindlich, zufällig, von momentanen Interessen bestimmt, ein letztlich medial definierter (also nur scheinbar frei gewählter) Ort, an dem man eine Pose einnimmt, solange es politisch opportun oder finanziell einträglich ist oder aus anderen Gründen angebracht zu sein scheint. Man nenne mir einen Künstler, der sich zum Schönen bekennt und gleichzeitig eine sogenannte Position für sich reklamiert. Statt „zeitgenössische Kunst“ sage man getrost „Positionentheater“. Der Abstand zwischen der Kunst und der zeitgenössischen Kunst, also dem Positionen-Schaulaufen von Saison zu Saison, wird von Jahr zu Jahr größer. Welcher bildende Künstler, dem es um die Kunst im Sinne des Guten, Wahren und Schönen geht, mag sich noch Künstler nennen, wenn dieser Name zugleich und vor allem von den bedenkenlos drauflos bastelnden Kreativen und den akademisch (un)geschulten Positionen-Behauptern beansprucht wird. Ende des Wutanfalls.