Eine Weihnachtskrippe in Form eines Hochaltars

In der Überlinger St.-Nikolaus-Kirche ist, wenn man so will, das ganze Jahr über Weihnachten. Denn die zentrale Szene des in ihr befindlichen Hochaltars vom Beginn des 17. Jahrhunderts zeigt die Heilige Familie im Stall von Bethlehem in Gesellschaft eines Ochsen und mehrerer Engel und Hirten mit und ohne Dudelsack bzw. Hirtenhund. Wer auf der Abbildung unten den Josef vermisst: er hält sich (hinter Maria stehend), wie es die ihm zugedachte Rolle verlangt, dezent im Hintergrund.

Als der Altar-Auftrag am 5.9.1613 an den Bildhauermeister Jörg Zürn vergeben wurde, setzte man für die Fertigstellung eine Frist von nur zweieinhalb Jahren fest. Und tatsächlich wurde das Altar-Gebäude mit seinen 23 lebensgroßen oder beinahe lebensgroßen und den mehr als 50 kleinen Figuren nebst Engelsköpfen und üppiger Ornamentik im Sommer 1616 errichtet und am Nikolaustag geweiht.

In seinem zweibändigen Werk über Die Bildhauerfamilie Zürn macht Claus Zoege von Manteuffel den Überlinger Krippen-Altar zum Ausgangspunkt seiner detaillierten Untersuchung: „Die Beschäftigung mit der Bildhauerfamilie Zürn muß vom Überlinger Hochaltar ausgehen. Er ist ihr erstes Hauptwerk. Seine Entstehung ist urkundlich belegt, und er ist die äußerlich umfangreichste und künstlerisch bedeutendste Arbeit der Zürn.“ (Manteuffel 1969, Bd. 1, S. 17)

Wenn ich meine quasi einleitende Bemerkung über Vater Zürn und seine insgesamt sechs Söhne vom 28. November mitzählen darf, dann ist dieses hier das zweite Türchen in meinem selbst gebastelten Online-Advents-Kalender 2018, der von heute an Tag für Tag naturgemäß ausschnitthafte Einblicke gewähren wird ins Leben und Streben der Gebrüder Zürn und ihres Erzeugers.

 

Hochaltar in St. Nikolaus in Überlingen, Foto: Ramessos