Ein Exzentriker als ruhender Pol

Alle drehen sich, alle bewegen sich rund ums Denkmal von Großherzog Karl Friedrich von Baden (1728-1811). Als ruhender Pol in der Mitte des um ihn kreisenden Volkes ist der bronzene Ex-Landes-Chef zugleich ein Exzentriker. Denn 1964 verlor er seine zentrale Stellung im Zentrum des vorderen Karlsruher Schlossplatzes (weil unter diesem eine Tiefgarage gebaut wurde) und rückte ein Stück Richtung Marktplatz, wo sich unter der Pyramide die Tiefgarage, pardon: Gruft seines Großvaters, des Stadtgründers Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach (1679-1738) befand (und noch befindet). Karl Friedrich, der in der Bevölkerung hohes Ansehen genoss, war ein Reformer und Welt-, sprich: Lebensumstände-Verbesserer im besten Sinn. Um segensreich wirken zu können, musste er sich keine Koalitionspartner suchen (sonst wäre ihm ersteres wahrscheinlich auch gar nicht möglich gewesen). Im Alleingang erließ er eine neue Gemeindeordnung (mit mehr Selbstverwaltung) und eine Hofgerichtsordnung (die der Willkür weniger Raum ließ), schaffte die Folter ab, ließ Kranken-, Waisenhäuser und Schulen bauen, vergab Stipendien und subventionierte (schon damals) die Landwirtschaft. Er gewährte Religionsfreiheit und schaffte die Leibeigenschaft ab. Auf der Schriftrolle, die sein bronzener Platzhalter bis in unsere immer seltsamer werdenden Tage in der rechten Hand hält, ist zu lesen: „Möge Tugend, Religion und Ehre uns zu einem freien, opulenten, gesitteten, christlichen Volk noch immer mehr heranwachsen machen, das ist mein Verlangen, das sind meine Wünsche.“ Anlässlich der Enthüllung des Denkmals 1844 hielt Staatsminister Alexander von Dusch ein Rede, in der es hieß, nur der habe ein Denkmal verdient, der eigentlich keines Denkmals bedürfe. Schön gesagt, Herr von Dusch.