Die formende Kraft ist eine individuelle

Der Geiger und Dirigent Werner Ehrhardt sagte heute in einer Rundfunksendung, er habe mit dem von ihm gegründeten Kammerorchester Concerto Köln sehr viel (am Ende dann zu viel) Energie in gruppendynamisch-demokratische Prozesse gesteckt. Dabei habe er seine Aufgabe darin gesehen, jedem zuzuhören und möglichst viel von den Ideen aufzunehmen und mit hineinzunehmen. Dann aber, so Ehrhardt, müsse die formende Kraft einer Person ins Spiel kommen, die dem Ganzen eine individuelle und unverwechselbare Handschrift gebe. Form und Individualität scheinen zumindest in der Kunst untrennbar miteinander verbunden zu sein. Da heute alles, was nicht anerkannte Muster reproduziert, sofort Gefahr läuft, als zu eigen und zu individuell, mithin als „umstritten“ zu gelten, ist das keine triviale Feststellung mehr. Jede Form, die der Rede wert ist, weil sich in ihr kein Klischee reproduziert, korreliert mit einem unverwechselbaren Individuum. Das mögen die Wenigsten, auch wenn öffentlich das Gegenteil behauptet wird.