Daily Dali 9 – Vernichtung und Sublimation

Meine Gewohnheiten „herrschten schon damals als höchste Gebieterinnen meines Schicksals, und jede Regelverletzung wurde unverzüglich mit einer Dosis Qual und Schuldgefühl bezahlt“. (S. 121)

„Schon zum zweitenmal hatte es Dullita [ein zwölfjähriges Bauernmädchen] einzig durch ihre kurze Anwesenheit geschafft, die Konstruktion des narzißtischen Tempels meiner heiligen Einsamkeit zu stören, zu vernichten und zugrunde zu richten, an dessen Wiederaufbau ich seit meiner Ankunft im Mulí de la Torre mit so viel Strenge und zerebraler Intensität gearbeitet hatte.“ (S. 122, Dali ist neun oder zehn Jahre alt.)

Ich dachte, ich könnte „das Beste aus meiner Qual machen, sie auf den Erfolg meines geplanten Kunstwerkes hin dirigieren und dadurch die reine ‚Anekdote‘ meines Zustandes der Unruhe in die ‚Kategorie‘ einer ästhetischen Erfüllung sublimieren.“ (S. 122)

„und feine, kühle Schauer stiegen meinen Rücken empor, verbreiteten sich flächenartig über den Nacken, sanken zurück und erfaßten meinen ganzen Körper wie ein Feuerwerk zum Bankett der Apotheose meines Entsetzens.“ (S. 123)

(Aus Salvador Dalis „Das geheime Leben des Salvador Dali“.)