Daily Dali 7 – Ein König in der Wanne

„Ich könnte endlos weitererzählen, was ich alles in meiner Waschwanne erlebte, doch eines ist sicher, nämlich, daß die erste Prise Salz und Pfeffer meines Humors dort entstanden. Ich fing schon an, mich zu testen und zu beobachten, während ich lustvolles Augenzwinkern mit einem leisen, boshaften Lächeln begleitete, und undeutlich, vage wußte ich, daß ich dabei war, die Rolle eines Genies zu spielen. Oh Salvador Dali! Du weißt es jetzt: Wenn du Genie spielst, wirst du auch eins!“ (S. 95)

„Mein ganzes Leben ist von diesen beiden antagonistischen Vorstellungen bestimmt worden, dem Oben und dem Unten. Seit meiner frühesten Kindheit habe ich mich verzweifelt bemüht, ‚oben‘ zu sein. Es ist mir gelungen, und jetzt, wo ich da bin, werde ich dort bleiben, bis ich sterbe.“ (S. 96)

„Was ist das Niedrige? Niedrig ist: Chaos, Masse, Kollektiv, Promiskuität, Kinder, der gemeine Fundus obskurer menschlicher Torheiten, Anarchie; das Niedrige ist das Linke. Zur Rechten, oben, findet man Monarchie, die Kuppel, Hierarchie, Architektur und Engel.“ (S. 99)

Maler verfügen „über ein Inspirationswerkzeug […], das dem der Dichter weit überlegen ist, nämlich das Auge“. (S. 99)

„So saß ich also, um das Gesagte zusammenzufassen, zu Beginn meines neunten Lebensjahres, ich, ein solitäres Kind, ein König, in der Wanne, oft mit Nasenbluten, oben auf dem Dach, auf dem Gipfel! Unter mir alles andere, all dies Kanonfutter, aus einer Biologie, der jede Qual fehlte, all diese Nasenhaare, Mayonnaise, trudelnden Kreisel, Fegefeuerseelen, schwachsinnige Kinder, die alles lernten, was verlangt wurde, dieser Kochfisch usw. usw. Nie wieder wollte ich hinuntergehen in die Straßen des Geistes, um auch nur irgendetwas zu lernen. Schließlich war ich ja seit ewigen Zeiten verrückt, und selbst diese verflixte Rechtschreibung, warum sie noch einmal lernen, wenn ich sie vor mindestens zweitausend Jahren schon vergessen hatte!“ (S. 99)

Salvador Dali: „Studio in the Laundry“ (in: „Das geheime Leben des Salvador Dali“)