Daily Dali 4 – Das wahr-scheinliche Funkeln der falschen Erinnerungen

„Die anderen Kinder tobten um meine einsame Schweigsamkeit herum, wie von einem dauernden Wirbelwahn besessen. Dieses Spektakel erschien mir vollkommen unverständlich. Sie schrieen, spielten, prügelten sich, weinten, lachten, hasteten umher mit all der obskuren Lebensgier, Stücke lebenden Fleisches mit Zähnen und Klauen herauszureißen, wobei sie den üblichen angestammten Schwachsinn zur Schau stellten, der in jedem gesunden biologischen Exemplar schlummert und der den normalen Nährstoff für die praktische und tierische Entwicklung des ‚Realitätsprinzips‘ bildet. Wie weit war ich dagegen entfernt von dieser Entwicklung eines ‚praktischen Realitätsprinzips‘ – eigentlich am anderen Pol! Ich steuerte eher in die entgegengesetzte Richtung: Jeden Tag wußte ich weniger gut Bescheid, wie man etwas zu tun hatte!“ „‚Praktisches Handeln‘ war mein Feind, und die Objekte der äußeren Welt wurden zu Wesen, die täglich furchterregender waren.“ (S. 55)

„Was tat ich während eines ganzen Jahres in dieser unseligen Schule? Nur eines, das aber mit verzweifeltem Eifer: Ich fabrizierte ‚falsche Erinnerungen‘. Der Unterschied zwischen falschen und wahren Erinnerungen ist derselbe wie bei Juwelen: Es sind immer die falschen, die am echtesten, am brillantesten wirken.“ (S. 56)

„authentische falsche Erinnerungen“ (S. 56)

(Aus Salvador Dalis „Das geheime Leben des Salvador Dali“.)