Daily Dali 16 – Der Himmel hängt voller Steine

Irgendwann hört Dali auf, vor den Mädchen davonzulaufen und beginnt mit einem eine weitgehend platonische Beziehung, deren Dauer er von Anfang an auf fünf Jahre befristet: „Im Laufe dieser Fünfjahresromanze brachte ich den ganzen Schatz meiner emotionalen Perversität ins Spiel. Es war mir gelungen, in ihr ein solches Bedürfnis nach mir zu erzeugen, ich hatte die Häufigkeit unserer Treffen, die Themen, über die ich [sic!] sprach, die sensationellen, meistens spontan improvisierten Lügen über angebliche Erfindungen, die ich gar nicht gemacht hatte, so zynisch gestaffelt, daß ich die Macht meines Einflusses tagtäglich anwachsen sehen konnte. Es war eine methodische, einkreisende, vernichtende, eine tödliche Bezauberung.“ (S. 176 f.)

„Mein Vater begann nachzugeben, und ich wußte, daß ich nach den sechs Schuljahren bis zum Bakkalaureat Maler werden würde! Drei Jahre lagen noch vor mir, aber man sprach schon von der Kunsthochschule in Madrid – und wenn ich Preise gewänne, würde ich vielleicht in Rom weiterstudieren. Der Gedanke daran, wieder ‚offizielle Kurse‘ zu besuchen, selbst wenn es Kurse in Malerei wären, stieß mich anfangs äußerst ab, denn ich hätte gern volle Handlungsfreiheit gehabt, ohne daß mir jemand in das, was in meinem Kopf vorging, dareinreden konnte. Ich plante bereits einen verzweifelten Kampf mit meinen Lehrern, einen Kampf bis in den Tod. Was ich vorhatte, sollte ‚ohne Zeugen‘ geschehen.“ (S. 180/182)

„Dies war die Zeit, die meine Eltern und ich ‚Die Steinphase‘ tauften. Ich benutzte tatsächlich Steine zum Malen. Wenn ich eine sehr helle Wolke oder einen starken Glanz erreichen wollte, legte ich einen kleinen Stein auf die Leinwand, den ich dann mit Farbe überzog. Eines der erfolgreichsten Gemälde dieser Art war ein großer Sonnenuntergang mit scharlachroten Wolken. Der Himmel enthielt Steine jeder Größe, einige davon so groß wie ein Apfel! Dieses Gemälde hing eine Zeitlang im Speisezimmer meiner Eltern, und ich erinnere mich daran, daß wir während der friedlichen Familienzusammenkünfte nach dem Abendessen manchmal durch das Geräusch eines auf das Mosaik [des Bodens, L. R.]  fallenden Gegenstands aufgeschreckt wurden. Meine Mutter hörte dann einen Moment auf zu nähen und lauschte, aber mein Vater beruhigte sie immer mit den Worten: ‚Es ist nichts – ist ist nur wieder ein Stein, der aus dem Himmel unseres Kindes gefallen ist!'“ (S. 183)