Daily Dali 10 – Wolkenkämpfe und erleuchtete Scheinheiligkeit

„Alsbald löste sich eine der Wolken, die rasch bis zu dem Punkt angeschwollen war, da sie die Gestalt eines kolossalen Elephanten mit einem Menschengesicht angenommen hatte, in zwei große Teile auf, die ihrerseits schnell, und bevor man noch Zeit hatte, es vorauszuahnen, in die muskelsteifen Körper zweier riesiger bärtiger Ringer überging, von denen einer einen mächtigen Hahn auf dem Rücken trug. Diese beiden Kämpfer gerieten nun heftig aneinander, und die kobaltblaue Himmelslücke, die sie in ihrem definitiven Streit noch trennte, wurde rasch kleiner. Der Zusammenprall war von solcher Grausamkeit, daß die Langsamkeit ihrer Gebärden den Clinch nur noch unmenschlicher machte. Ich sah die beiden Körper sich mit ohnmächtiger träger Wucht gleichzeitig gegenseitig durchdringen, was sie augenblicklich zerstörte und sie zu einer einzigen und einzigartigen Zusammenballung verschmolz, in der beide ihre Individualität auslöschten, die jetzt in Formlosigkeit zerstob.“ (S. 137)

„Mit erleuchteter Scheinheiligkeit – sie läßt mich in den entscheidenden Momenten meines Lebens nie im Stich – sagte ich zu ihr:“ (S. 140)

(Aus Salvador Dalis „Das geheime Leben des Salvador Dali“.)

Was hier nicht unterschlagen werden soll, was aber nicht zitiert, sondern nur nacherzählt werden kann, am besten jedoch selbst nachzulesen ist, sind die Episoden exquisit tyrannischer Launenhaftigkeit, die sich der präpubertäre Knabe insbesondere gegenüber einem zwei Jahre älteren (seinerseits nicht wirklich unschuldigen) hübschen Bauernmädchen („Dullita“) leistet. Seinen sadistisch motivierten Grobheiten liefert sie sich in bereitwilligem Widerstreben unfreiwillig freiwillig aus – und begibt sich mit ihrer erotisch aufgeladenen Duldsamkeit zuletzt sogar scheinbar oder tatsächlich in Lebensgefahr. (S. 132-142)