Hommage an den Meister von Eriskirch?

Das zweite Falten-Stück heute, Maße nach wie vor 93 x 66 x 8 cm. Und noch immer ist es aus Eiche. Der Meister von Eriskirch würde sich wundern, was ich aus seinem sein Kreuz tragenden Christus im blauen Gewand gemacht habe (und noch machen werde).

Falten- und andere Studien

Am Vormittag: Atelier (heute mal wieder „Atelier“, was ja auch nichts anderes als „Werkstatt“ heißt), zweites Falten-Stück. Dazu im Radio der Flötist (Block-, Travers- und jetzt Quer-) Martin Sandhoff als Studio-Gast.
Am Abend: Skizze im roten Büchlein.

Neues vom neuen Falten-Stück

Der Vorlage (es handelt sich um einen sein Kreuz tragenden Christus des sogenannten Meisters von Eriskirch) in allem zu folgen, wird aufgrund der Beschaffenheit des Holzes kaum möglich sein. Das kommt mir insofern gelegen, als ich damit von Anfang an gezwungen bin „meinen eigenen Weg zu gehen“ (ein Wort meines Vaters, das mir nicht mehr aus dem Sinn geht, um nicht zu sagen: das sich mir ins Gemüt gefressen hat).

Neues Falten-Stück

Neues Falten-Stück (in Arbeit): Eiche, 93 x 66 x 8 cm

Im zeitlichen und thematischen Anschluss an meine kleine Faltenstudie nach Anton Sturm, ein Relief das derzeit noch in der Jahresausstellung des Badischen Kunstvereins hängt, soll dies die zweite Arbeit aus einer Serie von Falten-Stücken werden. Das neue Falten-Stück fällt deutlich größer aus und sein äußerer Umriss folgt nicht dem Tafelbild-Klischee des Sturm-Reliefs.

Auch finde ich, die Falte oder die Falten-Fläche ist ein reizvolles Motiv, dem man mehr als nur zwei, drei Arbeiten widmen kann. Viele Holz-Skulpturen vergangener Jahrhunderte sind mehr oder weniger grandiose Falten-Würfe. Den anatomischen Problemen musste man sich dadurch so gut wie gar nicht stellen, sie wurden gewissermaßen unter den Umhang gekehrt. Erst mit der Renaissance kommt der Mensch als natürlich-animalisches Wesen mit einem Körper-Bau als architektonische Aufgabe in die Bildhauer-Werkstatt zurück. Wenn Renaissance Wiedergeburt heißt, so werden in ihr die Menschen-Bilder als Nach-Schöpfungen aufs neue und oft auch wie zum ersten Mal so geboren wie Gott sie geschaffen hatte.

OHREN 19

OHREN 19: Das linke (links) stammt vom 22., das rechte (rechts) vom 27. Dezember, wer noch mehr wissen will, erfährt es hier.

Sturm-Falten

„St. Mang oder 200 Höhen und Tiefen nach Anton Sturm“
Eiche (Pigment, Ölfarbe, Wachs), 42 x 22 x 5 cm (mehr dazu hier)

Das Vorbild für dieses Falten-Relief ist eine Skulptur des Füssener Holz- und Steinbildhauers Anton Sturm (1690-1757). Es handelt sich um eine Darstellung des Heiligen Magnus (im Volksmund „St. Mang“), der gegen Schädlinge aller Art zur Hilfe gerufen wird oder werden kann (das Holz ist demnach, wenn man so will, inhaltlich-thematisch gegen Schädlingsbefall imprägniert).

Sturms Heiliger, von dessen langem Mantel hier ein Ausschnitt im Bereich des linken Knies zu sehen ist, muss dem Spätbarock oder Rokoko zugeordnet werden. Das sieht man meinem Relief nicht an. Es sieht mehr nach Henry Moore als nach Sturm und Drang des 18. Jahrhunderts aus.

Ihren merkwürdige Titel verdankt die Arbeit dem Wunsch des Badischen Kunstvereins, man möge bei der Einreichung eines Exponats für die diesjährige Mitgliederausstellung darauf Rücksicht nehmen, dass der Verein vor 200 Jahren gegründet worden ist. Das habe ich hinlänglich getan. Nicht nur, dass die Zahl 200 ebenso raffiniert wie diskret in den Falten verborgen ist (es kommt halt darauf an, wie man zählt): mit dem pfeilförmigen Abschluss rechts oben habe ich dem e. V. für die kommenden 200 Jahre die anzustrebende Richtung gewiesen. Dass es, gemäß meiner an Zuversicht nichts zu wünschen übrig lassenden Prognose, nach rechts und nicht nach links oben gehen wird, wie man das bei der derzeitigen Geschäftsführung eigentlich erwarten würde, liegt allein daran, dass die Konvention den Zeitpfeil bei graphisch-mathematischen Darstellungen immer von links nach rechts weisen lässt. Höchste Zeit, dass das geändert wird. (Bei der Gelegenheit könnte man die Schreibrichtung gleich mit ändern.)

Die Eröffnung der Mitgliederausstellung ist am Sonntag, 16. Dezember, um 17 Uhr. Die Ausstellung dauert bis 13. Januar 2019.

OHREN 13

Wenn in der Werkstatt etwas Neues entstanden ist, muss es natürlich hier unter WERKSTATT vermeldet werden. Das gehört sich so. Dass es fast nur Ohren sind, die dann präsentiert werden, fällt mittlerweile sogar mir auf. Heute habe ich deshalb eine Skizze auf ein Eichenbrett geworfen, die letzten Endes zu etwas führen soll, das kein Ohr sein beziehungsweise darstellen wird. Nein, auch kein Auge noch eine Nase oder dergleichen.

Details wie immer im WORKSHOP.

Allianzen des Wohlgefallens oder: Schöne Stellen und schöne Stellen

Warum nicht einmal relativ skrupellos das Klischee bestätigen, wonach Holzobjekte dann besonders reizvoll, gefällig oder gar schön sind, wenn naturgegebene und von einem Menschen gesetzte Aspekte eine Allianz des Wohlgefallens eingegangen sind. Soll man grundsätzlich auf Effekte verzichten oder nur dann, wenn es die Natur war, die einem beim Haschen nach denselben auf freundliche Weise zuvor- und entgegen gekommen ist?

Vor noch gar nicht langer Zeit hätte ich solche Kooperationen entschieden abgelehnt. Theodor W. Adorno hat für den Rundfunk einmal „schöne Stellen“ in der Musik analysiert, doch gingen diese stets aufs Konto des Komponisten und nicht des Zufalls oder der Natur, um vom Lieben Gott nicht zu reden. Die schönen Stellen im Holz habe ich nicht zu verantworten. Meine Verantwortung beginnt erst bei der Frage, ob ich naturschöne Stellen in meinen Holzarbeiten zulassen will oder nicht. Und ob ich des weiteren meine Form konsonieren lassen will mit der Naturform. Ich wollte, wie man sieht.

Details zu OHREN 11 hier.