Einigermaßen auf dem richtigen Holzweg?

Notizzettel-Skizze, 9 x 9 cm

Wenn man bzw. ich ein Ohr nach dem anderen schnitzt bzw. schnitze, dann kann man das Ohr nach kurzer Zeit auswendig. Und dann tauchte nicht erst heute die Frage auf, ob das überhaupt stimmt, was ich da schnitze. Oder ob das nicht mein persönliches Fantasie-Ohr ist, eine Form, die sich verselbständigt hat, gewissermaßen autonom geworden und dem Abbildungs-Kontext entkommen ist. Das wäre ja noch schöner: entlaufene autonome Ohren! Die kommen für mich derzeit überhaupt nicht infrage. 

Also habe ich mein anatomisch korrektes Anatomie-Buch aufgeschlagen und das dort objektiv richtig (Einwände wurden heute nicht zugelassen) dargestellte Ohr abgezeichnet und obigen Zettel mit Klebeband in Augenhöhe (mit dem Ohr auf Augenhöhe) an die Wand neben meiner Werkbank geklebt. So konnte ich mich während der Schnitzarbeit immer wieder vergewissern, dass ich noch einigermaßen auf dem richtigen Holzweg bin.

Was dabei herausgekommen ist, sieht man hier.

Apropos Allerheiligen

Von links nach rechts: die Apostel Paulus, Petrus, Jakobus und noch einmal Petrus – die Figuren wurden um 1740 geschnitzt von Franz Anton Kälin, sie befinden (oder befanden) sich in St. Verena im oberschwäbischen Wurzach.

Gestern im Badischen Landesmuseum

Skizze im roten Skizzenbüchlein: Gewandfalten einer österreichischen „Maria mit Kind“ (um 1500) aus Lindenholz, Badisches Landesmuseum.

Von meinem Besuch bei den Madonnen im Karlsruher Schloss habe ich hier erzählt. Unter dem „hier“ verbirgt sich ein Link zu meinem neuen Blog Sulpo, (auch über das obere Menü erreichbar) das ist Lateinisch (sculpere, sculpo, sculpsi, sculptum) und heißt so viel wie „ich schnitze“.

Cioran über die Hand

Smartphone-Zeichnung, 20.9.2018, Format 16:9

„Alle haben wir Hände, doch keinem fällt es ein, sie zu verfeinern und absolute Ausdruckskraft vermittels ihrer zierlichen Nuancen und anmutigen Stellungen zu erlangen. Es gefällt uns, sie in Gemälden zu bewundern, über ihre Bedeutung zu schwätzen, aber wir sind außerstande, unsere eigene Persönlichkeit durch sie zum Ausdruck zu bringen und alle unsere innerlichen Erregungen durch sie zu offenbaren. Eine gespenstische Hand haben, eine Hand wie ein immaterieller Abglanz, eine nervöse, zur letzten Verkrampfung gespannte Hand. Seien die Gegenwart und das Vorzeigen der Hände mehr als ein Diskurs, mehr als Weinen, mehr als Lächeln oder Gebet. Denn die Hände können Augen haben, wo die Augen ins Leere blicken. Die absolute Ausdrucksfülle, als Frucht einer beständigen Verklärung, einer unablässigen innerlichen Erregung mit unauslöschlichen Feuersbrünsten und sich türmenden Wogen, mit unendlichen Bebungen und unwiderstehlichen Zuckungen, wird unsere Anwesenheit in einen die Sonne übersteigenden strahlenden Quell verwandeln. Nicht allein die Hände, sondern auch das Angesicht und alles, was unsere Einzigartigkeit ausmacht, mögen diese Ausdrucksform erreichen, in der sich unser Wesensinnerstes jenseits aller Grenzen vertieft.“

E. M. Cioran: Banalität und Verklärung, in: Auf den Gipfeln der Verzweiflung (1934, deutsch 1989), S. 137 f.

Von einer „unablässigen innerlichen Erregung mit unauslöschlichen Feuersbrünsten und sich türmenden Wogen“ zeugt diese Hand nicht wirklich. Aber vielleicht trügt der Schein?

Samuel van Hoogstraten

Skizze nach nach einer Aktzeichnung von Samuel van Hoogstraten (1627-1678), 19.9.2018, Skizzenbuch, 18,8 x 8,8 cm

Mit 14 wurde er Schüler von Rembrandt van Rijn, zehn Jahre später ging er nach Wien zu seinem Maler-Bruder Jan (auch der Vater, Dirk van Hoogstraten, war Maler) , ein Jahr später für ein Jahr nach Rom und so weiter. Er hat eine „Einführung in die Hohe Schule der Malkunst“ („Inleydingh tot de Hooge Schoole der Schilderkonst“) geschrieben, die in seinem Todesjahr 1678 erschienen ist.

September-Gras

Tablet-Zeichnung am 18.9.2018

„What you see is what you see“, diesen Satz von Frank Stella werde ich nicht mehr los. Ich sah Gräser und andere Pflanzen, doch waren es, strictly speaking, nur deren Schatten auf den Trittplatten des Weges, neben dem sie wuchsen – am Vormittag steht die Sonne im September nicht mehr sehr hoch.

Bei der Arbeit

In Arbeit, Tablet-Zeichnung am 24.7.2017

Es ist mein Privileg als selbständig tätiger Künstler-Unternehmer, bei der vorbereitenden Arbeit an den neuen Namensstämme auf dem und für den Karlsruher Hauptfriedhof zwischendurch zum Tablet greifen zu können, um für 20 Minuten meine eigentliche Arbeit zu unterbrechen, um in dieser Zeit meiner eigentlichen Arbeit nachzugehen. Mehr dazu hier.