Rückeroberung I

Beinahe hätte ich meiner jüngsten Tablet-Zeichnung den martialisch klingenden Titel „Beginn der Rückeroberung des Bildraums für die Malerei durch digitale Verbände am 11. Januar 2018“ gegeben. Ich nahm mich zusammen und fasste mich kurz. Der Titel lautet jetzt „Rückeroberung I“, was neben der lakonischen Kürze den Vorteil der refenziellen Ambiguität hat.

Tablet-Zeichnung am 10./11.1.2018

 

Pamphlet gefunden

Beim Abstauben und Zurechtrücken meiner Webseiten, die seit gestern Abend als mehr oder weniger alter beziehungsweise junger Wein in neuen Schläuchen präsentiert werden, bin ich auf ein von mir vor fünf Jahren verfasstes Pamphlet wider das institutionalisierte Künstlertum gestoßen. Zu Beginn geht es um meinen damaligen Austritt aus dem Bezirksverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Karlsruhe e. V. (dessen Mit-Vorsitzender ich gerade erst drei Jahre lang gewesen war) – in der Hauptsache handelt es sich aber um einen Beitrag zu einer noch zu schreibenden Typologie des sogenannten Künstlers. In meinem kleinen bösen Aufsatz aus dem Jahr 2012 befasse ich mich zunächst mit dem Typus des Sozial-Künstlers. Ich zitiere aus der Eingangspassage:

„Als ich im September 2011 meine Mitgliedschaft im BBK-Karlsruhe kündigte, geschah dies aus Verärgerung über den Bundesvorsitzenden, den Bundesvorstand und den Vorstand des Karlsruher Bezirksverbands gleichermaßen. Heute, ein halbes Jahr später, sehe ich in diesem Ärger eine Art Katalysator, der eine längst überfällige Trennungs-Reaktion ermöglicht und ausgelöst hat. Die Che­mie dieser Reaktion ist weniger eine zwischenmenschliche als eine künstlerisch-grundsätzliche oder auch, wenn man so will, eine kunst- und kulturpolitische. Ich verzichte daher darauf, meinem ur­sprünglichen Ärger an dieser Stelle ausführlich Luft zu machen. Zwei oder drei zentrale Punkte meiner Kritik am Gebaren des Bundesvorsitzenden und am desolaten Zustand der Kommunikations- und Demokratiekultur des Verbandes möchte ich hier dennoch vortragen.“

Hier der Link zur „Geburt des Künstlers aus dem Geist der Sozialgesetzgebung“. Neuerdings findet man in Internet-Artikeln Angaben zur Lesedauer. Ich schätze: ungefähr 10 Minuten.

Mehr oder weniger sechsundsechzig

Mitglieder-Ausstellung im Badischen Kunstverein Karlsruhe noch bis zum 7.1.2018.

Heute wurde die Mitglieder-Ausstellung im Badischen Kunstverein eröffnet. Mein Bambus-Bild hängt im Großen Saal in einer Reihe mit anderen Schwarz-Weiß-Bildern. Welche Techniken dabei zur Anwendung kamen, werde ich erst beim nächsten Besuch erfahren, heute waren zu viele Menschen da, die meine Aufmerksamkeit zu mindestens siebzig Prozent in Anspruch nahmen. „Du weißt, wie ich auf Ausstellungen immer die Menschen, die herumgehen, so viel merkwürdiger finde als die Malereien. Das ist auch in diesem Salon d’Automne so, mit Ausnahme des Cézanne-Raumes. Da ist alle Wirklichkeit auf seiner Seite“, schrieb Rainer Maria Rilke am 7.10.1907 aus Paris an seine Frau Clara. So ging es mir heute auch im Salon d’Hiver in der Karlsruher Waldstraße. Nur dass es dort keinen Cézanne-Raum gab. Eine der Merkwürdigkeiten heute Abend war das Alter der versammelten Künstler(innen)schaft. Kaum jemand schien unter 60 zu sein, das von mir gefühlte Durchschnittsalter lag bei 66,6 Jahren. Es mag also sein, dass ich den ein- oder anderen Kollegen nicht wiedererkannt und deshalb nicht begrüßt habe, denn viele Jahre lang habe ich Veranstaltungen wie diese konsequent nicht besucht. Warum habe ich dann heute gegen meine Gewohnheit gehandelt? Ja, warum eigentlich?

Regenbäume


Hier das gestern begonnene, heute in fünfstündiger Arbeit vorangemalte Tablet-Bild, vorläufiger Titel: „Regenbäume“. Zu sehen ist der linke Rand, ungefähr ein Sechstel der Gesamtbildfläche. Soll man da noch von Zeichnung sprechen? Eher nicht.

Ziemlich frei nach Salvador Dali juckt, drängt und reizt es mich zu sagen: Der Unterschied zwischen nicht wenigen „richtigen“ Malern und mir, dem Tablet-Maler, ist, dass ich Maler bin.  (Auf die Vorhaltungen des Surrealisten-Chefs André Breton wegen Dalis Verherrlichung der Monarchie und des inquisitorischen Katholizismus hatte Dali erwidert: „La différence entre les Surréalistes et moi, c’est que je suis surréaliste.“)

Ceterum censeo picturam emendam esse! (Kaufinteressenten müssen sich aber noch bis Sonntag gedulden.)

Autumn Leaves

Lothar Rumold: „Herbstblätter“, 2017, Tablet-Zeichnung, Format 41:70

Der Song zum Bild hier.

Und für die Dauer der Mitglieder-Ausstellung, die am Sonntag im Badischen Kunstverein eröffnet wird, Tag für Tag dieser obligatorische Hinweis.

Ankündigung

Lothar Rumold: „Im Japanischen Garten 1“, 2017, Tablet-Zeichnung gedruckt auf Alu-Dibond hinter Acrylglas (1/15), 26 x 60 cm, 215 EUR

Als physisches Objekt hängt dieses Bild ab Sonntag in der Mitglieder-Jahresausstellung des Badischen Kunstvereins (12.12.2017 – 7.1.2018, Eröffnung: Sonntag, 10.12.2017, 17 Uhr). Geöffnet ist die Ausstellung von Dienstag bis Freitag 11-19 Uhr. An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen 11-17 Uhr. Montags ist geschlossen, ich nehme an, das gilt auch für den 1. Weihnachtsfeiertag und den Neujahrstag.

Kampf ums Bild

Ein Maler (ich glaube, er kam aus Russland, seinen Namen habe ich vergessen) bekannte sich bei einem Atelierbesuch (er wohnte irgendwo in der nördlichen Pfalz) zum Kampf ums Bild bis zuletzt und bis zum äußersten, also mit allen Mitteln. Wenn gar nichts anderes mehr helfe, kämpfe er beim Versuch, ein Bild doch noch zu retten, am Ende mit der Schere weiter. Nicht mit der Schere, aber mit dem Schneidewerkzeug des Bildbearbeitungsprogramms habe ich heute um ein Blumen-Bild gerungen.

Lothar Rumold: „Blüten im Glas 2“, 2017, Smartphone-Zeichnung (fragmentiert und collagiert)

Anrüchige Bilder

Ein Schriftsteller, dem ich kürzlich per E-Mail eine meiner Apfel-Zeichnungen – eine eher minimalistische – geschickt habe, hat mir geraten, den Apfel nicht mehr anzurühren (also nicht in Perfektionierungs-Absicht weiter daran herumzustricheln), sonst beginne er womöglich nach mir zu riechen und werde von der Mutter aller Äpfel oder Apfelbäume nicht mehr als etwas an- oder wiedererkannt, das von ihrem Stamm gefallen sei und somit zu Recht als Apfel bezeichnet werde. So habe ich ihn jedenfalls verstanden. Ich finde, das ist ein sehr weiser Rat, der von intuitiven oder aus anderen Gründen vorhandenen Einsichten in die Natur der handgemachten Ab-Bilder zeugt. Was für den von mir gezeichneten Apfel gilt, wird auch in Bezug auf nachgemalte Porträts nicht unrichtig sein. Daher stelle ich die Arbeit an dem vor knapp zwei Wochen begonnenen Bild nach Cézanne heute ein und hoffe, dass es noch nicht zu sehr nach mir, sondern mehr nach sich selbst riecht.

Lothar Rumold: „Nach Paul Cézanne: ‚Hortense Fiquet dans un fauteuil rouge‘ (1877-78)“, 2017, Tablet-Zeichnung, 41:70

Einschichtige Vielschichtigkeit

Bis gestern wusste ich nicht, ob ich meinen „Cézanne“ fertig zeichnen oder ihn quasi unvollendet lassen würde. Im Laufe zweier fürs Arbeiten am Bild genutzter Zugfahrten (Hin- und Rückfahrt) von insgesamt 80 Minuten entschied ich mich dann für’s Weiterzeichnen bis zuletzt, also gegen die weißen Flecke als Hinweise auf unerforschte Gegenden der Bild-Landschaft. Von „Zeichnung“ zu reden, wird übrigens im Falle dieses Bildes nach Cézanne immer fragwürdiger. Die Verwendung eines Bildschirm-Griffels spricht nach wie vor dafür. Zugleich arbeite ich immer „vielschichtiger“, das heißt ich befleißige mich einer Vorgehensweise (Fleiß ist dabei tatsächlich im Spiel), die dem Auftragen und gelegentlichen partiellen Wieder-Wegnehmen von physischer Farbe entspricht. Klar ist, dass das Programm die Mehrschichtigkeit „nur“ simuliert. Real gibt es eigentlich gar keine Schicht – und wenn es eine gäbe, dann wäre es nur eine einzige, bestehend aus nahtlos aneinandergrenzenden Pixel-Fliesen.

Mein „Cézanne“ am 22.11.2017

Handgemalter Apfel

Lothar Rumold: „Donnerstags-Apfel“, 2017, Smartphone-Zeichnung

„Digitalität“ und Handwerklichkeit schließen einander nicht aus. Warum sollten sie auch. Der handwerkliche Charakter macht mir ein digitales Bild sympathisch. Bilder, bei denen sich die Handarbeit auf das Drücken von Tasten und so weiter beschränkt hat, lassen mich eher kalt. Das Zeichenprogramm, mit dem ich arbeite (Autodesk SketchBook), gibt der Hand, die den Stift führt, sehr viel zu tun.

Smarty

Lothar Rumold: „Doppelporträt U. und L.“, 2017
Smartphone-Zeichnung

 

Die Zeichen-Software funktioniert auch als Smartphone-App ausgezeichnet. Mein Vier-Zoll-Smartphone stellt eine Hardware-Bildbearbeitungsfläche von 8,9/5,0 x 5,0/8,9 cm zur Verfügung. Das lädt nicht unbedingt zu ausufernden, also ins Details gehenden Mal- oder Zeichenaktivitäten ein. Obwohl ich mir mit Hilfe des Zooms auch hier eine weitaus größere (größtenteils unsichtbare oder nicht aktualisierte) Software-Bildfläche in den Maßen 222,5 x 125 cm (maximal) schaffen könnte. Daher vermute ich, dass die Handys oder Smartys, die ich fortan zeichnen oder malen werde, im Gesamteindruck per se kleinformatiger sein werden als ihre größeren Geschwister, die Tablet-Bilder.