Pamphlet gefunden

Beim Abstauben und Zurechtrücken meiner Webseiten, die seit gestern Abend als mehr oder weniger alter beziehungsweise junger Wein in neuen Schläuchen präsentiert werden, bin ich auf ein von mir vor fünf Jahren verfasstes Pamphlet wider das institutionalisierte Künstlertum gestoßen. Zu Beginn geht es um meinen damaligen Austritt aus dem Bezirksverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Karlsruhe e. V. (dessen Mit-Vorsitzender ich gerade erst drei Jahre lang gewesen war) – in der Hauptsache handelt es sich aber um einen Beitrag zu einer noch zu schreibenden Typologie des sogenannten Künstlers. In meinem kleinen bösen Aufsatz aus dem Jahr 2012 befasse ich mich zunächst mit dem Typus des Sozial-Künstlers. Ich zitiere aus der Eingangspassage:

„Als ich im September 2011 meine Mitgliedschaft im BBK-Karlsruhe kündigte, geschah dies aus Verärgerung über den Bundesvorsitzenden, den Bundesvorstand und den Vorstand des Karlsruher Bezirksverbands gleichermaßen. Heute, ein halbes Jahr später, sehe ich in diesem Ärger eine Art Katalysator, der eine längst überfällige Trennungs-Reaktion ermöglicht und ausgelöst hat. Die Che­mie dieser Reaktion ist weniger eine zwischenmenschliche als eine künstlerisch-grundsätzliche oder auch, wenn man so will, eine kunst- und kulturpolitische. Ich verzichte daher darauf, meinem ur­sprünglichen Ärger an dieser Stelle ausführlich Luft zu machen. Zwei oder drei zentrale Punkte meiner Kritik am Gebaren des Bundesvorsitzenden und am desolaten Zustand der Kommunikations- und Demokratiekultur des Verbandes möchte ich hier dennoch vortragen.“

Hier der Link zur „Geburt des Künstlers aus dem Geist der Sozialgesetzgebung“. Neuerdings findet man in Internet-Artikeln Angaben zur Lesedauer. Ich schätze: ungefähr 10 Minuten.

Ticks als Tricks

Gestern habe ich Dali zitiert. Sein Wort über den Unterschied zwischen sich und den Surrealisten („… ist, dass ich Surrealist bin“) fand ich in einem Katalog zu einer Ausstellung in der Kunsthalle Baden-Baden Anfang 1971. Patrick Waldberg schreibt dort über eines von Dalis Erfolgsrezepten: „Seine Ticks und Zwangsvorstellungen und die abartigen Äußerungen seiner Sinnlichkeit dienten Dali als Sprungbrett, um die phantastische Welt seiner Malerei zu schaffen“. Künstler sein heißt unterschiedslos mit allem wuchern, was man zur Verfügung hat. Heute landet man mit dieser amoralischen und bewertungsabstinenten Grundhaltung rasch im sozialen Ghetto derer, von denen es heißt, dass sie als „umstritten“ gelten.