2018 oder Die Olympischen Spiele finden stets hier und jetzt statt

Eingedenk einer Feststellung von Nietzsches Zarathustra sollte man sich in einem (un)bestimmten Altern immer mal wieder fragen, ob man selbst denn schon reif ist für die eigenen, mittlerweile mehr oder weniger reif gewordenen Früchte. Wie eine Paraphrase des Zarathustra-Satzes oder eine Variation über sein Thema mutet mich diese Passage aus Epiktets „Buch vom geglückten Leben“ an, die ich passend zum Neujahrstag durch einen (wie Salvador Dali sagen würde) nicht voraussagbaren, gleichwohl zuverlässigen und objektiven Zufall wiederentdeckt habe:

„1. Wie lange willst du es noch aufschieben, dich der besten Güter wert zu achten und in nichts den Ansprüchen der Vernunft zuwider zu handeln? Du hast die Lehrsätze vernommen, nach denen du dich richten solltest, und hast du dich danach gerichtet? Auf welchen Lehrmeister wartest du denn noch, um ihm das Werk deiner Besserung zu übertragen? Du bist kein Knabe mehr, sondern bereits ein Mann in reifem Alter. Wenn du auch jetzt noch fahrlässig und leichtsinnig bist, immer einen Aufschub um den andern machst und immer wieder neue Tage festsetzt, nach denen du für dich selbst Sorge tragen willst, so wirst du, ohne es zu merken, keine Fortschritte machen und bis ans Ende ein Laie bleiben – im Leben und im Sterben.
xxxxx2. So halte dich nun endlich dessen wert, zu leben als ein Vollkommener und Jünger der Weisheit! Alles, was du für das Beste erkannt hast, sei dir unverbrüchliches Gesetz. Und wenn dir etwas Beschwerliches oder etwas Angenehmes oder etwas Ruhmvolles oder etwas Ruhmloses daherkommt, so erinnere dich, daß jetzt die Zeit des Kampfes ist und die olympischen Spiele schon da sind und sich nicht aufschieben lassen und daß an einem einzigen Tag und durch eine einzige Handlung das bisher Gewonnene entweder verlorengehen oder gesichert werden kann.“