Archiv der Kategorie: EKLEKTOLOG

11. August 2017

Ce soir à Orléans.

Man ist beinahe versucht zu sagen, Orléans sei das Gegenteil von authentisch. Hier ist nichts, was es zu sein behauptet. Die gotische Kathedrale stammt zu einem großen Teil aus dem 17. und 19. Jahrhundert und die Heilige Johanna zu einem nicht geringen aus den Filmstudios des 20. – mais ce ne fait rien,  wie der Franzose sagt.

10. August 2017

„Gefesselt oder Im Kokon“, Eiche, 2007 (Aufnahme am 9.8.2017) © Lothar Rumold

Das war vor zehn Jahren. Da habe ich dieses zweieinhalb Meter lange Bündel geschnürt für einen Weg der Trauer, der dann natürlich durch einen „Lebensgarten“ führen musste. „Gefesselt“ oder „Im Kokon“ hielt ich für mögliche Titel.

9. August 2017

„Auf schmalen Schultern“, Doppel-Statue, Eiche, 2014 © Lothar Rumold

Gut Ding wolle Weile haben, sagt man. Und manchmal kann man es tatsächlich spüren, wie etwas – eine Idee, ein Werk – reift und auch von sich selbst her Gestalt annimmt, mir quasi entgegen kommt und allmählich konkret wird. Es mussten beinahe drei Jahre vergehen, bis ich in der Lage war, mir für eine 2014 auf dem Karlsruher Hauptfriedhof aufgestellte Doppelfigur („Auf schmalen Schultern“, Eiche, Gesamthöhe ca. 300 cm) die geeignete Fassung (i. e. Bemalung) einfallen zu lassen. Jetzt aber bin ich auf einem guten Weg. Auch und gerade insofern ist mir das Werk sozusagen auf halbem Wege entgegen gekommen, als die Natur das Holz mittlerweile grau grundiert hat.

Die Reflexe einer möglichen Umgebung (das Spiel von Licht und Schatten) werden als fixes Bild auf der Oberfläche einer Plastik zum Element des Werks, ohne doch Aspekt der Plastik im engeren Sinn zu sein. Die Bemalung bleibt der Plastik als Plastik äußerlich, nicht aber dem Werk als Werk. (Das gilt allerdings für jede Fassung einer Figur und ist im vorliegenden Fall nur besonders augen- und dadurch gewissermaßen hirnfällig.) Die Plastik schafft sich so ein untrennbares mit ihr verbundenes fiktionales Ambiente. Ein Kapitel der Geschichte, die meine Figur über sich erzählt, handelt von der Umgebung, in der sie steht. Und zwar unabhängig davon, ob sie sich im trivial-alltäglichen Kontext in einem Park, einem Ausstellungsraum oder an der Haltestelle einer unterirdischen Straßenbahn befindet.

6. August 2017

„Aber soviel war ja richtig, daß er an Schiffen immer großes Vergnügen gehabt hatte. Als kleiner Junge hatte er die Blätter seiner Notizbücher mit Bleistiftzeichnungen von Fischerkuttern, Gemüseewern und Fünfmastern gefüllt, und als er mit fünfzehn Jahren von einem bevorzugten Platze aus hatte zusehen dürfen, wie der neue Doppelschrauben-Postdampfer ‚Hansa‘ bei Blohm & Voß vom Stapel lief, da hatte er in Wasserfarben ein wohlgetroffenes und bis weit ins einzelne genaues Bildnis des schlanken Schiffes ausgeführt, das Konsul Tienappel in sein Privatkontor gehängt hatte, und auf dem namentlich das transparente Glasgrün der rollenden See so liebevoll und geschickt behandelt war, daß irgend jemand zu Konsul Tienappel gesagt hatte, das sei Talent und daraus könne ein guter Marinemaler werden, – eine Äußerung, die der Konsul seinem Pflegesohn ruhig wiedererzählen konnte, denn Hans Castorp lachte bloß gutmütig darüber und ließ sich auf Überspanntheiten und Hungerleiderideen auch nicht einen Augenblick ein.“

Thomas Mann: Der Zauberberg, Zweites Kapitel, Bei Tienappels Und von Hans Castorps sittlichem Befinden

5. August 2017

© Lothar Rumold

So oder so oder so ähnlich: (m)eine (neue) Signatur, die man sich merken sollte. Fälscher können schon mal anfangen zu üben.

4. August 2017

Der Zwieback von gestern und die Sau von heute als der Schinken von morgen.

3. August 2017

Auch heute soll hier natürlich wieder von Schönheit die Rede sein, das heißt für dieses Mal davon, wie wir gerade im Begriff sind, moralisch schön zu sterben. In Betragen haben wir nämlich eine Eins. In zu vielen anderen Fächern liegen wir dagegen im weltweiten Vergleich (→ Artikel von Gunnar Heinsohn) zwischen einer Drei-bis-Vier und einer Fünf. Die Erzählung vom Untergang des Abendlandes ist versehen mit einer Unzahl von mathematisch-statistischen Anmerkungen, deren kollektive Nicht-Beachtung natürlich nicht unter „Fake-News“ fällt. Demnach scheint alles in Ordnung zu sein. Wer keine Ahnung hat, dass er sich, indem er gräbt und gräbt, sein eigenes Grab schaufelt, dem kann man nicht vorwerfen, er handle wider besseres Wissen. Aufklärung sei das Schlussmachen mit der selbstverschuldeten Ahnungslosigkeit, hat Kant ungefähr gesagt. Jetzt müsste man sich nur noch dazu entschließen, mit seiner Ahnungslosigkeit Schluss zu machen. Ein wenig Aufgeklärtheit wär da wohl von Nutzen. Ein Teufelskreis.

Tablet-Zeichnung „Gabis Schirm“, 3.8.2017, © Lothar Rumold

2. August 2017

Tablet-Zeichnung (Süßgras), 2.8.2017, ©Lothar Rumold

Es geht uns als Künstlern wie den Astrophysikern, die zugeben müssen, dass es die sogenannten Neutrinos, denen sie nachstellen, als veritable „Teilchen“ eigentlich gar nicht gibt und sie schon zufrieden sein können, wenn es ihnen gelingt, mit Hilfe von riesigen Messfeldern im arktischen Eis die Leuchtspuren ihrer materiellen Nicht-Existenz zu beobachten und aufzuzeichnen. Denn Künstler sein heißt nichts anderes, als die Spuren sensibel zu erahnen und nachzuzeichnen, welche die „passierende“ Kunst auf dem Papier, auf der Leinwand oder in welchem Medium auch immer en passant und ungeachtet ihrer faktischen Nichtexistenz möglicherweise hinterlassen hat.

1. August 2017

Das erotisch-pornographische Motiv spielt, ich glaube, ich sagte es bereits, beim Zeichnen sehr bald keine Rolle mehr. Man kann die Melodie, das phallische Grundthema, auswendig und fängt früher oder später an, frei zu variieren und zu improvisieren. Ist das noch Darstellung im engeren Sinn? Dass es nur um ein abstraktes, also vom Gegenständlichen losgelöstest, womöglich gar autonomes Spiel der Linien und Formen geht, lässt sich aber auch nicht sagen. Der Reiz liegt für mich gerade im Tanz der Linien und Formen zwischen gegenständlicher Gebundenheit und freier Improvisation. Aber letztlich gilt das, mal mehr, mal weniger, für jede bildliche Darstellung, die nicht auf rein fotomechanischem Wege zustande gekommen ist. Andernfalls wäre eine Porträtzeichnung von Albrecht Dürer kaum zu unterscheiden von einer, die von der Hand Pablo Picassos stammt.

Bleistiftzeichnung, Ausschnitt, © Lothar Rumold

Mittlerweile sehe ich beim Zeichnen von, mit Verlaub: Schwänzen beinahe nur noch die Darstellung und in dieser kaum noch das Dargestellte. Ich bin dann immer ein wenig überrascht und irritiert, wenn jemand (wie ich seinen oder ihren Äußerungen entnehmen kann) gerade umgekehrt vor allem das Dargestellte und offenbar gar nicht die Darstellung zu bemerken scheint.

31. Juli 2017

Tablet-Zeichnung, 31.7.2017, © Lothar Rumold

Ist Bambi der Genitiv Singular von Bambus? Ein paar Tage lang kein Süßgras zeichnen zu können, fände ich bitter. Vielleicht war ich deshalb vorgestern so sauer. Jetzt fehlt noch ein Satz mit Salz oder salzig. Viel zu schwül heute. Und dann am Abend noch joggen! Danach fällt mir nichts Vernünftiges mehr ein. Apropos Vernunft: Las gestern bei Sloterdijk, Martin Luther habe die Vernunft eine Hure genannt. Und das im Luther-Jahr! Also politisch korrekt ist das nicht gerade. Muss man Luther jetzt zu den umstrittenen Autoren zählen?

30. Juli 2017

Wer gestern mein „Dossier Über Kunst“ heruntergeladen hat, der möge dies heute hier noch einmal tun und die PDF-Datei von gestern löschen. Zu fortgeschrittener Stunde und nach stundenlanger Arbeit an der Datei waren einige gravierende Mängel meinem prüfenden Blick entgangen. Außerdem habe ich einen zweiten Vortrag neu hinzugefügt: Der Künstler als Vereinsmeier – Versuch über einen unzeitgemäßen Typus. Den habe ich 2005 in meiner damaligen Funktion als Vorsitzender des Bezirksverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler e. V.  im Karlsruher Regierungspräsidium am Rondellplatz gehalten. Die darin beschriebene Situation der „Kunst“ und des Künstlers in einem zunehmend künstlicher werdenden Ambiente springt heute noch deutlicher ins Auge als vor zwölf Jahren.

29. Juli 2017

In den letzten beiden Wochen habe ich noch einmal (und mitunter wie zum ersten Mal) gelesen, was ich in den vergangenen vierzehn Jahren über Kunst, ob „sogenannte“ oder nicht „sogenannte“, geschrieben und dann teilweise mündlich von mir gegeben habe. Und das ganze zu einem Konvolut in Form einer PDF-Datei kompiliert. Insbesondere stolz bin ich auf das Inhaltsverzeichnis mit den Links zu den Einzelbeiträgen. Kostest nichts. Allen, die trotzdem etwas bezahlen wollen, teile ich auf Anfrage gerne meine Kontonummer mit. Download hier:  Rumold_Lothar_Dossier

Texte 2003-2016

28. Juli 2017

Neu in der Video-Galerie:


Bleibt nachzutragen: Der Kopf (wohlgemerkt: der Kopf) von Johannes dem Täufer gelangte 391 von Emesa nach Konstantinopel (Istanbul). Im vierten Kreuzzug (1202-1204) plünderten französische Ritter im Verein mit nicht weniger zügellosen Kreuzzüglern aus Venedig die griechisch-orthodoxe, oströmische Metropole und nahmen den Schädel mit nach Amiens. Am 29. August, dem Gedenktag der Enthauptung des Johannes, tischte man bis zum 17. Jahrhundert der versammelten Gemeinde auf dem Altar „Johannesschüsseln“ auf, also vollplastische Darstellung dessen, was Salomé bei ihrem Stiefvater Herodes bestellt hatte. Ein weiteres Ritual, das die Sanguiphilie des christlichen „Glaubens“ drastisch zum Ausdruck bringt.

27. Juli 2017

Die Sau des Tages, © Lothar Rumold

Wenn es unter den sogenannten Künstlern solche gäbe, welche sich nicht Maler, Bilderhauer, Radierer, Fotografierer und/oder sonstwie, sondern ganz undifferenziert Bildermacher nennen würden, wäre ich, zumindest nominell, einer der ihren. Und auch auf die Unterscheidung zwischen Kunst und Nicht-Kunst würde ich keinen gesteigerten Wert legen. Aber warum gäbe, wäre und würde? Ach, wie blöd, dass niemand weiß, dass ich Bildermacher heiß‘.

25. Juli 2017

Das ist ein ganz besonderes Weihnachtsplätzchen: ein Azteken-Relief mit drei Metern Durchmesser. Es zeigt die Zerstückelung der Mondgöttin Coyolxauhqui und ist, sagen die Experten, wahrscheinlich im 15. Jahrhundert entstanden. Was mich daran interessiert, ist natürlich die Relief-Technik und allgemeiner noch: die Art und Weise der bildlichen Darstellung. Man könnte einmal den Versuch unternehmen, die von ihrem Halbbruder Huitzilopochtli tranchierte Dame mithilfe eines Bildbearbeitungsprogramms zu rekonstruieren, denn so wie sie jetzt vorliegt, kann sich ja kein Mensch ein Bild von ihr machen.

23. Juli 2017

Es gibt einen von mir geschätzten Tagebuchschreiber, der behält „die Sonntage immer den Künsten“ vor. Ohne es mir zur Regel machen zu wollen, will ich am heutigen Sonntag quasi im Gegenzug eine eher allgemeine politische Bemerkung loswerden.
xxxxxWie ich (mittlerweile ohne Verwunderung) lese, hat die merkeltreu Medienpolizei den ehemaligen OB von München Christian Ude und den noch amtierenden OB von Tübingen Boris Palmer ins rechte Lager eingewiesen. Ude hat darauf richtig, also nicht mit einer halb empörten, halb verängstigten Abgrenzung gegen rechts, sondern mit der lakonischen Bemerkung reagiert, wenn Leute wie er und Palmer jetzt rechtsradikal seien, dann seien zwei Drittel der Deutschen rechtsradikal.
xxxxxJe mehr Menschen sich unter dem publizistischen Diktat, um nicht zu sagen: dem Meinungs-Terror der Medien im rechten Lager interniert finden, desto deutlicher wird erkennbar, dass die politischen Schand-Male „rechts“ und „rechtsradikal“ in den meisten Fällen auf nichts anderes hinweisen, als auf den am Ende erfolglosen Versuch, das allgemeine Abwandern „in jene Ecke, wo Wirtschaftsmathematik, Anthropologie und Statistik gelehrt werden“ (so der eingangs erwähnte Tagebuchschreiber heute), wenn nicht zu verhindern, so doch wenigstens zu verlangsamen.

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Nun aber doch noch etwas in Sachen Kunst und Künste. David Hockney beendet sein im Zwiegespräch mit Martin Gayford entwickeltes Buch A History of Pictures (2016) mit folgenden Sätzen: „People like pictures. They won’t go away. […] Drawing and painting will carry on […] because people need them. I’m quite convinced that painting will be big in the future. If the history of art and the history of pictures diverge, the power will be with the images. Nobody’s taking much notice of the avant-garde any more. They’re finding they’ve lost their authority.“ Und last not least: „People get the idea from time to time that everything is finishing. It doesn’t end at all; it just goes on and on and on.“

22 Juli 2017

Sieht aus wie eine Radierung, ist aber Resultat der Nachbearbeitung einer digitalen Fotografie. © Lothar Rumold

Gehst du zum Pferd, vergiss Papier und Bleistift nicht. Heute waren wir bei den Isländern und ich hatte beides dabei. Man darf dann aber nicht zu den Pferden gehen, mit dem Vorsatz, „Perde“ oder schlimmer noch : „ein Pferd“ zu zeichnen. Man muss vielmehr an die Koppel treten, um einen Weg zu finden, den in Gegenwart von sogenannten Pferden erlebten Wahrnehmungstrom in ein zeichnerisches Resultat umzusetzen. Das eine hat mit dem anderen zunächst gar nichts zu tun, auch wenn sich in der Praxis, da man ja Vorsätze der ersten Art im wirklichen Leben nie ganz los wird, Mittelwege gegangen und Kompromisse eingegangen werden müssen.
xxxxxWer Pferde zeichnen will, sieht vor sich nicht Pferde, sondern ein Hin-und-Her und Rauf-und-Runter von Linien. Allenfalls sieht er Beine und Rücken, Schweife, Ohren, Mäuler, Köpfe. Man sollte den Linien, die man sieht, folgen, nicht den Ideen von einem Gegenstand, oder meinetwegen auch Lebewesen „Pferd“, die man im Kopf hat. Vertrauen in die lebendige Wahrnehmung also, statt Glauben an eine Ideologie des Know-how. Rezepte von der Art „Wie man ein Pferd zeichnet“ sind gut für Menschen, die sich daran gewöhnt haben, nach Gebrauchsanweisung zu leben.
xxxxxKenntnisse über die Anatomie des Pferdes können helfen, die Linie müheloser zu erfassen, und doch ist die Linie, die ich vor mir sehe, die konkrete Spur, der ich zu folgen habe. Es kann bei jener Art des Zeichnens, die ich „situatives Zeichnen“ nenne, nicht darum gehen, die Richtigkeit des Abstrakten am Konkreten, des Allgemeinen am Einzelnen nachzuweisen, zu belegen, zu verifizieren. Bevor dies nun aber doch wieder zu einer Gebrauchsanweisung für das Zeichnen von Pferden wird – genug für heute.

21. Juli 2017

Heute gibt’s nur drei Tage altes Knäckebrot:

© Lothar Rumold

20. Juli 2017

David Hockney sagt: „Movement is crucial in films.“ Und: „If the camera doesn’t move, there has to be some other motion in the picture.“ Und schließlich: „The eye ist always looking for motion.“ (A History of Pictures, 2016) Unter dem Eindruck dieser beinahe trivial anmutenden Bemerkungen (das Triviale und das Wahre oder wenigstens Einsichten-Ermöglichende grenzen eng an einander und ähneln sich nicht selten bis zur Ununterscheidbarkeit) entschließe ich mich, meine bisher „Videobilder“ geheißenen ganz kurzen Kurz-Filmchen fortan minimal motion pictures zu nennen. Das Ausweichen ins Englische bedeutet in diesem Fall kein opportunistisches Mich-Anpassen an die Unarten eines sich internationalistisch gebärdenden deutschen Kunstmarkts, für den ich mich schon deshalb nicht verbiegen muss, weil meine Produkte derzeit auf ihm nicht präsent sind. Sondern ich ziehe das englische „picture“ dem deutschen „Bild“ deshalb vor, weil „picture“ sowohl unbewegte als auch bewegte Bilder meint. Dazu noch einmal David Hockney: „When I was young the cinema wasn’t called the cinema – or the movies, that’s an American term. It was always the pictures: Can we go to the pictures, Mum?“ Für meine minimal motion pictures würde ich nämlich das Qualitätsmerkmal der bewegten Bewegungslosigkeit oder bewegungslosen Bewegtheit beanspruchen: Sie sind weder wirklich bewegte (im Sinne von Film), noch wirklich unbewegte Bilder (im Sinne von Bild), sondern haben etwas von beidem.

19. Juli 2017


Ich annonciere heute und nur hier die Eröffnung meiner Video-Galerie auf Youtube. Beim ersten Exponat handelt es sich um ein See-Stück mit dem Titel „Am Meer“. Was vor mehr als sieben Monaten als Holzrelief begann, wurde heute von mir als Ölgemälde abgeschlossen, um nicht zu sagen: vollendet. Es kostet 3.000,- Euro. Wer aber mehr bezahlen will – ich lasse mir mir handeln.

18. Juli 2017

Es gibt womöglich, vermutlich, offenbar, anscheinend, … so etwas wie eine innere (heute vielleicht: „neuronal repräsentierte“) Ästhetik – vergleichbar der sprachlichen Grammatik, deren Regeln man als native speaker, wie wir Linguisten sagen, beherrscht, also anwendet, ohne sie explizit als Regeln zu kennen und formulieren zu können. Dieser Verdacht kommt mir, nachdem ich gestern und heute meine Ausstellungseröffnungs- beziehungsweise Einführungsreden der letzten 14 Jahre noch einmal gelesen habe, um eine Auswahl für ein „Dossier Über Kunst“ zu treffen. Ein Set von Grundgedanken zieht sich, im einzelnen mehr oder weniger gut wiedererkennbar, durch die Zeilen und Jahre. Und retrospektiv erkenne ich, wes Geistes Kind ich in ästheticis seit einer ganzen Weile schon bin. Öfter mal mich selber lesen, denn wie soll ich wissen, was ich meine, bevor ich lese, was ich geschrieben habe.