Bootsfahrt der acht Unsterblichen

Chinesische Schnitzerei aus einem Wurzelholz, Ende 19. Jahrhundert.

Die Holzbildhauerei, so ahnen es jedenfalls die Holzbildhauer, eint ein Prinzip oder ein Geist, das bzw. der etwas mit dem Material zu tun hat, sich aber nicht im Materiellen, also in der Physik und Chemie des Holzes, erschöpft. Was verbindet diese erstaunliche chinesische Schnitzerei etwa mit dem Schnitz-Werk des hier in vielen Beiträgen präsentierten Überlinger Marienaltar der Bildhauer Zürn?

Oberflächliche Beziehung zwischen Oscar Wilde und den Brüdern Jörg und Martin Zürn (Adventskalender XII)

Gerade habe ich damit begonnen, nach mehr als dreißig Jahren Oscar Fingal  O’Flahertie Wills Wildes (so heißt er wirklich) Roman The Picture of Dorian Gray (Ende 19. Jahrhundert) ein zweites Mal zu lesen, was nicht zuletzt deshalb spannend zu werden verspricht, weil sich in Wildes Preface diese bemerkenswerte Sätze finden: 

„To reveal art and conceal the artist is art’s aim.“ „Those who find beautiful meanings in beautiful things are the cultivated. For these there ist hope.“ „There ist no such thing as a moral or an immoral book. Books are well written or badly written. That is all.“ „No artist desires to prove anything.“ „No artist has ethical sympathies. An ethical sympathy in an artist is an unpardonable mannerism of style.“ „Vice and virtue are to the artist materials for an art.“ „All art is at once surface and symbol.“

Oscar Wildes Dorian Gray ist der Roman, in dem ein Gemälde, genauer: ein Porträt, es auf sich nehmen muss, die Spuren eines lasterhaften und verwerflichen Menschenlebens sukzessive an seiner Oberfläche symbolisch sichtbar werden zu lassen, während am Porträtierten in seiner außerkünstlerischen Wirklichkeit die Folgen seiner Immoralität einstweilen spurlos vorübergehen. Die Kunst nimmt dem Leben dessen Verunstaltungen eine Zeitlang stellvertretend ab, doch geht auch dieser Krug nur solange zum Brunnen, bis er eines Tages bricht.

Nun den Bogen zurück ins 17. Jahrhundert und in diesem hin zur Bildhauerfamilie Zürn (und damit zum rechtmäßigen Gegenstand meines Adventskalender-Beitrags) zu schlagen, ist gar nicht so schwer. Denn wäre das Bildnis des Dorian Gray dreidimensional und aus Holz gewesen, so hätten visuelle Eindrücke wie diese darin kaum gefehlt:

Wasserburger Hochaltar, linke Hand des Hl. Sebastian, Martin Zürn zugeschrieben, 1638/39
Hochaltar im Überlinger Münster, Engel versorgt Pestbeule des Hl. Rochus, Martin Zürn zugeschrieben, 1613-16
Hochaltar im Überlinger Münster, Hirte, vermutlich von Jörg Zürn, 1613-16