Beinahe alles, was man zum Leben braucht

Fünf Kilometer nördlich von der einen und westlich von einer anderen Mosel-Schleife liegt der Ort Hetzerath mit seinen mehr als zweitausend Einwohnern. Wie die beiden Wortbestandteile „Hetze“ und „Rath“ zusammengekommen sind, und was mit dem Namen ursprünglich gemeint war, lässt sich leicht klären. Darum geht es hier aber nicht. Und es geht auch nicht um die Schönheit der südlichen Eifel, noch um den von der „Flugplatz Trier GmbH“ betriebenen Flugplatz ganz in der Nähe von Hetzerath. Sondern es geht, könnte man sagen, um das Aufstellen eines von mir angefertigten Holzgrabmals auf dem örtlichen Friedhof, welcher übrigens der einzige mir bekannte Friedhof ist, der keine öffentliche Toilette besitzt. Dabei heißt es auf der Website der Gemeinde, in Hetzerath gebe es „alles was man zum Leben braucht“. Friedhofstoiletten und Kommata gehören nach lokaler Auffassung offenbar nicht dazu.

Zu den zusätzlich schönen Seiten meiner holzbildhauerischen Tätigkeit gehören berufsbedingten Tagesausflüge oder Kurzreisen in mir bis dahin nicht oder kaum bekannte Ecken der Republik. Aus dem jeweils gegebenen Anlass der Erstellung eines Holzgrabmals kam ich so schon nach Wedel bei Hamburg, Eisleben in Sachsen-Anhalt, Neustadt bei Waiblingen, Schechingen bei Schwäbisch-Gmünd, Elsdorf nordöstlich von Bremen, Weilheim an der Teck und gestern schließlich nach Hetzerath bei Trier. Als ein in Karlsruhe lebender Holzbildhauer „geschafft“ hätte ich es wohl, wenn man mir den Auftrag erteilen würde, eines meiner Holzgrabzeichen auf dem Friedhof in Oberammergau aufzustellen. Ich würde mich aber auch schon darüber freuen, als nächstes etwas für den Cimitero di San Michele in Venedig machen zu dürfen.