Barbara Trautmann in der Galerie Karlheinz Meyer (2004)

Kunst ist, wenn man der kreativen Versuchung widersteht
Karlheinz Meyer zeigt Gießbilder und Zeichnungen von Barbara Trautmann

Traut man einer bekannten Redensart, so kann man nur entweder klotzen oder kleckern. Mit ihren sieben großformatigen „Coulagen“ (Gieß-Formen), die derzeit bei Karlheinz Meyer zu sehen sind, beweist die 1966 in Oberhausen geborene Barbara Trautmann, dass frau das eine tun kann, ohne das andere zu lassen. In den nach Meyer „gerade noch wohnzimmertauglichen“ Abmessungen von 210 x 180 cm hängt da an den Galeriewänden, was auf oder über dem Boden liegend entstanden ist: weißer, schwarzer, hellblauer oder grüner Lack auf farblos grundierte Leinwand nun doch nicht wirklich gekleckert, sondern großzügig ausgegossen, nach einer längeren Trocknungszeit an einigen Stellen eingeschnitten, so dass darunter befindliche Lacke herauslaufen und die zeitlich später hinzugekommenen räumlich überlagern konnten, die getrocknete Oberflächenhaut eingerissen und durch Verschieben plastisch aufgeworfen – so entstanden Bilder, die mit Gemälden im traditionellen Sinn nur noch Äußerliches gemeinsam haben.

Trautmann malt nicht, sondern sie hantiert mit Material, einem Material, das zudem während des Arbeitsprozesses seine Eigenschaften ändert, um sich selbst im selben Bild wie etwas gänzlich Anderem wieder zu begegnen. Zunächst flüssig und gießbar, wird der Lack später fest und folienartig. Und die seit 1998 in Berlin lebende Künstlerin ist souverän genug, um die damit gegebenen Möglichkeiten einerseits zu erkennen, andererseits aber nur sehr kontrolliert und zurückhaltend von ihnen Gebrauch zu machen.

In der womöglich irritierenden Fähigkeit, sich selbst in ein und demselben Kontext scheinbar fremd gegenüberzutreten, steht die vielseitige Künstlerin hinter den von ihr verwendeten Lacken nicht zurück. Ihre neben den großen Leinwänden präsentierten 24 Graphit-Zeichnungen (je 30 x 42 cm), die auf 210 x 180 cm Fläche in Viererreihen angeordnet sind, zeigen heruntergekommene Berliner Plattenbauten, umwachsen von jenen Hecken und Bäumen, die derzeit offenbar den Versuch unternehmen, das einst an die Zivilisation verlorene Terrain zurückzuerobern. Sind ihre „Gemälde“ nicht gemalt, so sind ihre Zeichnungen doch durchaus traditionell gezeichnet – mit lockerem Strich und Sinn fürs Detail ebenso wie fürs kompositorische Ganze. Und wie den großen Bildern, sieht man auch den kleinen an, dass es um etwas anderes ging als darum, „kreativ“ zu sein.

Barbara Trautmann ist seit 1997 bereits zum fünften Mal in der Galerie Karlheinz Meyer zu sehen. Nach einem Grafik-Design-Studium in Pforzheim studierte sie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe Szenographie bei Johannes Schütz und Malerei bei Günther Förg. Ihre aus Kleinmöbeln collagierten Objekte und die während eines Stipendiums in Bad Ems mit der selbst gebauten Lochkamera (ab)geschossenen „Emser Spitzen“ gehören zu den eher seltenen Belegen dafür, dass Ironie in der bildenden Kunst vorkommt. Vorerst bleibend haben wir seit 2001 in Karlsruhe Trautmanns Lichtinstallation „Kreisobjekte“ in der Landeszentralbank Baden-Württemberg unweit des ZKM.

5.3. – 3.4.2004: Barbara Trautmann in der Galerie Karlheinz Meyer, Lachnerstr. 7, KA-Oststadt, Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr

[Badische Neueste Nachrichten]