Am besten: sich hinlegen

„Man schließe die Fenster, wenn’s von draußen zu laut hereindröhnt. Es herrscht viel Lärm zur Zeit. Wer etwas sagen will, stampft und brüllt, um vernommen zu werden. Das bringt einen leicht aus seinem eigenen Rhythmus und Klang. Darum schließ die Fenster beizeiten und laß Ruhe einkehren, bevor du ein weiteres Wort, einen weiteren Satz auf den Weg schickst. Oder am besten: Leg dich hin.“ (Matthias Zschokke: Ein neuer Nachbar, Zürich 2002, S. 149)

Manchmal bin ich selber der, der mich aus dem Rhythmus bringt. Nicht nur indem ich stampfe und brülle, um vernommen, sondern auch, indem ich eine Ausstellung mache, um gesehen zu werden. Das ist dann mit viel Extra-Aufwand verbunden: Bilder und so weiter transportieren und aufhängen, eine Extra-Ausstellungs-Website basteln und last not least Einladungen verschicken. Wobei ich mich nach dem Inkrafttreten eines neuen, vielgepriesenen Datenschutz-Gesetzes (es gilt bekanntlich seit heute), frage, ob ich das überhaupt hätte tun dürfen: die Daten nicht nur von Freunden und Bekannten, sondern auch von Kunden nutzen, um sie ungebeten auf meine Ausstellung hinzuweisen, also Reklame für mich zu machen.

Schon heute Vormittag habe ich dazu eine Art Text-Skizze angefertigt, indem ich schrieb: In einem offenen und freien Gemeinwesen sollten eigentlich alle mit allen zwanglos Kontakt aufnehmen und halten können. Durch das immer lauter und hysterischer werdende Datenschutz-Getöse (aber nicht nur durch dieses) wird Kontaktaufnahme in jeder Form zu einer anderen Art von Übergriff. Man traut „den Menschen“, wie es jetzt immer heißt, nicht mehr zu, dass sie ihre Beziehungen selber regeln. Gesetze müssen her, die für den Verkehr in der zukünftigen zivilisatorischen Ameisen-Gesellschaft dieselbe Rolle spielen wie die Duftspur in der natürlichen. Und so weiter.

Vielleicht hätte ich, anstatt auf diese Weise in meinem Tagebuch (in ihm findet sich diese Skizze) herum zu stampfen und zu brüllen, lieber Ruhe einkehren, besser noch: mich hinlegen sollen.