9. August 2017

„Auf schmalen Schultern“, Doppel-Statue, Eiche, 2014 © Lothar Rumold

Gut Ding wolle Weile haben, sagt man. Und manchmal kann man es tatsächlich spüren, wie etwas – eine Idee, ein Werk – reift und auch von sich selbst her Gestalt annimmt, mir quasi entgegen kommt und allmählich konkret wird. Es mussten beinahe drei Jahre vergehen, bis ich in der Lage war, mir für eine 2014 auf dem Karlsruher Hauptfriedhof aufgestellte Doppelfigur („Auf schmalen Schultern“, Eiche, Gesamthöhe ca. 300 cm) die geeignete Fassung (i. e. Bemalung) einfallen zu lassen. Jetzt aber bin ich auf einem guten Weg. Auch und gerade insofern ist mir das Werk sozusagen auf halbem Wege entgegen gekommen, als die Natur das Holz mittlerweile grau grundiert hat.

Die Reflexe einer möglichen Umgebung (das Spiel von Licht und Schatten) werden als fixes Bild auf der Oberfläche einer Plastik zum Element des Werks, ohne doch Aspekt der Plastik im engeren Sinn zu sein. Die Bemalung bleibt der Plastik als Plastik äußerlich, nicht aber dem Werk als Werk. (Das gilt allerdings für jede Fassung einer Figur und ist im vorliegenden Fall nur besonders augen- und dadurch gewissermaßen hirnfällig.) Die Plastik schafft sich so ein untrennbares mit ihr verbundenes fiktionales Ambiente. Ein Kapitel der Geschichte, die meine Figur über sich erzählt, handelt von der Umgebung, in der sie steht. Und zwar unabhängig davon, ob sie sich im trivial-alltäglichen Kontext in einem Park, einem Ausstellungsraum oder an der Haltestelle einer unterirdischen Straßenbahn befindet.