6. September 2017

Bei Albrecht Dürer lese ich: „Die schönen Dinge zu erforschen, dazu dient wohl ein guter Rat. Doch soll derselbe angenommen werden von denen, die gute Handwerker sind. Denn den Ungelernten ist es verborgen wie dir eine fremde Sprache. Das aber mag jeder tun, der ein Werk gemacht hat: dasselbe vor den gemeinen Mann stellen und ihn urteilen lassen. Der erkennt gewöhnlich das Ungeschickte, wenn er auch das Gute nicht erkennen kann. Wenn du dann eine Wahrheit hörst, dann magst du dein Werk danach verbessern.“

Fünfhundert Jahre später käme kein Künstler mehr auf die Idee, den „gemeinen Mann“ nach Werk-Fehlern suchen zu lassen. Umgekehrt würde schon eher ein Schuh draus: Alles, was von Hinz und Kunz als Fehler bezeichnet wird, hat die Kunst-Probe bestanden. Mit dem Verständnis dieser Umwertung der Werte hätte man einen der Schlüssel zum Verständnis der sogenannten Moderne.