6. Oktober 2017

Künstlerische Probleme sind erst dann wirklich von Belang, wenn von ihrer Formulierung oder gar Lösung nicht nur immateriell, sondern auch materiell etwas abhängt. Wenn letzteres nicht der Fall ist, haftet dem Umgehen mit ihnen und jedem Sprechen über sie etwas Irreales, Hobbymäßiges und unter bestimmten Umständen sogar Peinlich-Anstößiges an. Man muss sich seiner Sache schon ziemlich sicher oder materiell vollkommen unsensibel beziehungsweise immun (von Einkünften unabhängig) sein, um unter der Bedingung des ökonomischen Dauer-Flops über einen längeren Zeitraum Künstler sein oder heißen zu wollen.

Lothar Rumold: „Weg nach Wind im Gegenlicht 1“, 2017, Tablet-Zeichnung

Wenn man im Bild etwas sieht, das man so ähnlich auch anderswo (also nicht in Bildern) schon sehen konnte und jederzeit wieder sehen könnte, dann handelt es sich um die sogenannte Darstellung oder Abbildung von etwas. Der Weg in die Abstraktion, wie ihn nicht nur Mondrian gegangen ist, macht Zug um Zug Schluss mit der Möglichkeit, im Bild etwas zu erkennen, das einem bekannt vorkommt. Was allein möglich bleibt, ist das Wiedererkennen von etwas, das man aus anderen Bildern schon kennt. Der Weg aus der Abstraktion ist eine Art Ausgang aus der selbstverschuldeten Unwirklichkeit der nur noch sich selbst abbildenden Bilder. Das etwas darstellende Bild nach der Abstraktion ist allerdings ein anderes als vor der Abstraktion. Worin der Unterschied besteht, wäre noch zu bestimmen oder zu umschreiben.