5. Oktober 2017

Auf einer Bilder-Website (→akg-images), die einen gewissen Überblick auch über Piet Mondrians Schaffen bietet (obwohl einige der schönsten Zeichnungen und Aquarelle fehlen), steht ein der gesamten Moderne die Richtung weisender Satz: „Mondrians Werk steht am Anfang einer Kunstrichtung, die versucht[,] nicht nur die bildnerischen Mittel vernunftmäßig zu analysieren, sondern sie auch auf das äußerste zu reduzieren und letztendlich zur ‚Minimal Art‘ führte.“ Auch in der Malerei sind die analytisch-vernünftige und die reduktionistische Bewegung zwei Seiten derselben Medaille. Das Leben verschwindet aus den modernen Bildern in dem Maße, in dem es der Analyse und der damit einhergehenden reduktionistisch-minimalistischen Leere Platz macht. Ein anderes Wort für diese Entleerung und Verarmung des Bildraums ist Fortschritt. Das Endziel der Entwicklung wäre folgerichtig die leere Wand, das Nicht-Bild als ultima ratio der Reduktion. Dazu passt ein Zitat, das ich heute bei Michael Klonovsky gefunden habe: „Der Reaktionär hat Gegenstände der Bewunderung, keine Modelle.“ (Nicolás Gómez Dávila) Egal, ob man sich unter der Überschrift „Reaktionär“ wohl oder unwohl fühlt, es stimmt schon: Wer sich auf den Standpunkt des Lebens in allen seinen Erscheinungsformen stellt und zu diesem bekennt, anstatt mit dem Moral-Kleber zusammengebastelte Daseins-, Verhaltens- und Welt-Modelle zur Orientierung in die Höhe zu halten, der gilt schon seit längerem als Reaktionär. Desgleichen, wer, nach „Werten“ gefragt, voller Bewunderung und Hochachtung auf Einzelnes deutet, anstatt abstrakte Gemeinplätze für allgemein verbindlich zu erklären.

Man beachte die vitale Schönheit dieser dynamisch skizzierten „Studie“ und vergleiche sie mit der theoretisch „inspirierten“ Langeweile des ins Kubistische spielenden Ölbildes „Paysage“ (1912), zu dessen Vorbereitung sie von Mondrian offenbar angefertigt wurde (das Ölbild ist auf den oben verlinkten Seiten, Seite 1 Mitte, abgebildet):