4. Oktober 2017

Viele, wenn nicht die meisten der Kunst-Bände im Bestand der Badischen Landesbibliothek sind frei zugänglich, sie werden nicht aus dem Magazin geholt, sondern man holt sie sich selbst aus einem der Regale im ersten Obergeschoss, wo ungefähr jeder dritte bis fünfte Band irgendetwas mit Kunst zu tun hat. Die Bücher sind nicht alphabetisch oder nach inhaltlichen Kriterien, sondern chronologisch geordnet. Es herrscht also ein ziemliches Durcheinander, das ich mir zunutze machen will, um meinen „kunstgeschichtlichen Horizont“ zu erweitern. Ich denke, wenn ich im ersten Regal links oben damit beginne, nach Betrachtenswertem Ausschau zu halten und mit meiner Durchsicht im letzten Regal rechts unten aufhöre, dann habe ich eine gute Chance, nicht nur allen großen Künstlern und einem Teil ihrer Werke begegnet zu sein, sondern auch den ein oder anderen interessanten Fund außerhalb des kunsthistorischen Kanons gemacht zu haben. Wie lange das dauern wird? Vermutlich nicht lange, denn ich werde dieses Vorhaben, wie ich mich kenne, in zwei, höchstens drei Wochen zugunsten anderer Arbeitsprogramme wieder aufgegeben haben.

Heute stieß ich, nachdem ich in einen Band mit Bildern von Watteau und zwei anderen Franzosen nur kurz hineingesehen hatte, auf einen Mondrian-Bildband: „Les Chemins de l’Abstraction“. Die abgebildeten Bilder stammen aus der Zeit zwischen 1892 und 1914 – Piet Mondrian (eigentlich wie sein Vater Pieter Cornelis Mondriaan) war da 20 beziehungsweise 42 Jahre alt. Die rot-gelb-blauen Farbflächen-Bilder, mit denen er berühmt werden sollte, hatte er noch nicht gemalt, sie entstanden erst ab etwa 1920.

Mit dem berühmten, geradezu sattsam bekannten Mondrian bin ich schnell fertig. Mit dem weniger bis un bekannten nicht ganz so schnell. Ich habe mir erlaubt, dem Mondrian vor 1920 mit dieser ersten Tablet-Zeichnung (weitere nach Mondrian könnten folgen) meine bescheidene Referenz zu erweisen:

Lothar Rumold: „Nach Mondrian 1“, 2017, Tablet-Zeichnung