4. Juli 2017

Wozu lesen, wenn es folgenlos bleibt. Peter Sloterdijk zitiert im neu erschienenen Buch Nach Gott (S. 30) ausführlich Gotthard Günther (Seele und Maschine, 1956):
xxxxx„Die Kritiker, die beklagen, daß die Maschine uns unsere Seele ‚raubt‘, sind im Irrtum. Eine intensivere, sich in größere Tiefen erhellende Innerlichkeit stößt hier mit souveräner Gebärde ihre gleichgültig gewordenen, zu bloßen Mechanismen heruntergesetzten Formen der Reflexion von sich ab, um sich selber in einer tieferen Spiritualität zu bestätigen. Und die Lehre dieses geschichtlichen Prozesses? Wieviel das Subjekt von seiner Reflexion auch an den Mechanismus abgibt, es wird dadurch nur reicher, weil ihm aus einer unerschöpflichen und bodenlosen Innerlichkeit immer neue Kräfte der Reflexion zufließen.“
xxxxxDie Frage ist, wieviel „Reflexion“ man als künstlerisches Subjekt an den Mechanismus (welchen auch immer) abgeben kann, ohne dabei in Regionen trivialer Untiefen zu geraten, anstatt in die Tiefenschichten ungeahnter Kreativität vorzustoßen. Waren die Maschinen (bis hin zum Fotoapparat), mit deren Hilfe man den Raum auf quasi mechanischem Weg in eine Fläche transformieren konnte, wirklich hilfreich im Sinne einer intensiveren Spiritualität? Und was ist mit Malmaschinen der Kategorie e-David, dem in Konstanz entwickelten Mal-Roboter? Ist die Gebärde, mit welcher der Maler das Führen des Pinsels dem Roboter überlässt, souverän im Sinne von Gotthard Günther? Mir scheint, das hat doch eher etwas vom Strecken der Waffen und vom sogenannten Abgeben des Löffels.