4. Dezember 2017

Ausschnitt aus einem in Arbeit befindlichen Tablet-Bild.

Im Brief an Clara vom 9. Oktober 1907 erwähnt Rilke Balzacs Künstler-Novelle „Das unbekannte Meisterwerk“. Und dass Cézanne sich im darin vorkommenden Maler Frenhofer wiedererkannt habe. Frenhofer war an seiner Entdeckung der wesentlichen Konturlosigkeit der Dinge verzweifelt: Es gibt eigentlich keine Konturen, sondern lauter schwingende Übergänge. Wenn man beim Zeichnen oder Malen auf dem Tablet mit Hilfe der Zoom-Funktion in die bei normaler Einstellung nicht sichtbare Tiefenstruktur des Bildes vorstößt, kann man diese Konturlosigkeit der Gegenstände unmittelbar wahrnehmen. Ja, man kann sie sogar selbst schaffen und gestalten. Hätte Frenhofern ein Tablet-Computer zur Verfügung gestanden, wäre ihm das Zugrundegehen an der vermeintlich nicht lösbaren Aufgabe, zugleich konturlose und für das Auge dennoch konturierte Gegenstände zu malen, womöglich erspart geblieben.