29. November 2017

Da ich an oder bei Cézanne nicht so viel finden kann, was mir wirklich gut gefällt (seine Bäume: oh je, seine Stoff-, insbesondere Vorhang-Falten: oh Graus), erkundige ich mich derzeit bei Anderen, was diese an seinen Gemälden bemerkenswert finden oder fanden. Heute zuerst bei Peter Handke, dessen 1980 erschienenes Buch „Die Lehre der Sainte-Victoire“ wohl auch etwas mit Cézanne zu tun hat. Doch Handke nähert sich dem Maler nur ganz allmählich über Edward Hopper und Gustave Courbet. Nach zwanzig Seiten habe ich genug von diesen etwas umständlichen Annäherungsversuchen (als Egozentriker tut sich Handke naturgemäß mit verbalen Umkreisungen von allem, was nicht Handke ist, schwer) und beginne Rilkes „Briefe über Cézanne“ zu lesen. Er schrieb sie im Oktober 1907 aus Paris an seine Frau, die Bildhauerin Clara Rilke, geborene Westhoff.
xxxxxDamit die von ihr zusammengestellte Briefsammlung, wenn schon kein Buch, dann doch wenigstens ein Büchlein wird, hat Clara Rilke den eigentlichen Cézanne-Briefen (glücklicherweise) noch ein paar Vor-Briefe, in denen auch Künstler vorkommen, vorangestellt. Am 4. Oktober 1907 schreibt Rainer Maria an Clara: „Van Gogh konnte vielleicht die Fassung verlieren, aber die Arbeit war noch hinter der Fassung, aus ihr konnte er nicht mehr herausfallen.“ Und weiter unten dann dieser bemerkenswerte, für heutige Nasen wahrscheinlich durchaus anrüchige Satz: „Hätte man nur Arbeits-Erinnerungen von früh an: wie fest wäre es unter einem; man stünde.“
xxxxx Schließlich aber doch Cézanne. Am 7. Oktober 1907 war Rilke zum zweiten Mal im Salon d’Automne und dort im Cézanne-Saal, „der einen sofort wieder in Anspruch nimmt mit seinen starken Bildern. Du weißt, wie ich auf Ausstellungen immer die Menschen, die herumgehen, so viel merkwürdiger finde als die Malereien. Das ist auch in diesem Salon d’Automne so, mit Ausnahme des Cézanne-Raumes. Da ist alle Wirklichkeit auf seiner Seite: bei diesem dichten wattierten Blau, das er hat, bei seinem Rot und seinem schattenlosen Grün und dem rötlichen Schwarz seiner Weinflaschen. Von welcher Dürftigkeit sind auch bei ihm alle Gegenstände: die Äpfel sind alle Kochäpfel und die Weinflaschen gehören in rund ausgeweitete alte Rocktaschen.“