26. November 2017

Das von mir nach Paul Cézannes Porträt seiner Lebensgefährtin Hortense Fiquet (1877/78) gezeichnete oder gemalte Tablet-Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem unteren Mittelteil des Originals. Rainer Maria Rilke hatte das Werk in einer Gedächtnisausstellung für den am 22. Oktober 1906 verstorbenen Cézanne im Salon d’Automne in Paris gesehen. In einem Brief vom 22./23.10.1907 an seine Frau berichtete er darüber. Nachfolgend der Abschnitt des Briefes, der sich auf meinen Ausschnitt aus dem Gemälde bezieht. Ich behaupte nicht, dass Rilke damit zugleich mein Bild nach Cézanne beschrieben habe:

„Vor eine erdiggrüne Wand, in der ein kobaltblaues Muster (ein Kreuz mit ausgesparter Mitte) rar wiederkehrt, ist ein roter, ganz gepolsterter niedriger Sessel geschoben; die rund gewulstete Lehne rundet und senkt sich nach vorne zu Armlehnen (die wie der Rockärmelstumpf eines Armlosen geschlossen sind). Die linke Armlehne und die Quaste, die voller Zinnober von ihr herunterhängt, haben schon nicht mehr die Wand hinter sich, sondern einen breiten unteren Randstreifen aus grünem Blau, gegen den ihr Widerspruch laut anklingt. In diesen roten Fauteuil, der eine Persönlichkeit ist, ist eine Frau gesetzt, die Hände im Schoß eines breit senkrecht gestreiften Kleides, das ganz leicht mit kleinen verteilten Stücken grüner Gelbs und gelber Grüns angegeben ist, bis an den Rand der blaugrauen Jacke, die eine blaue, mit grünen Reflexen spielende Seidenschleife vorne zusammenhält.“

Bei der erdiggrünen Wand, die Rilke erwähnt, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Wand in Cézannes Pariser Wohnung, 67, Rue de L’Ouest, „wo der Maler und seine Familie den größten Teil des Jahres 1877 beziehungsweise bis März 1878 wohnten“ (Götz Adriani: Cézanne – Gemälde. Köln 1993 (Dumont), S. 79). Kurz darauf, die Ölfarbe des Bildes war womöglich noch nicht einmal richtig trocken, zieht Cézanne mit dem sechsjährigen Sohn Paul und der achtundzwanzigjährigen Hortense (die er erst neun Jahre später, als die Beziehung bereits „zerrüttet“ war, heiratete) für ein Jahr nach L’Estaque, ein Fischerdorf bei Marseille.