22. Juni 2017

Tablet-Zeichnung, 22.6.2017

Zufällig las ich heute in einem Tagebucheintrag vom 12. November 2008 diese damals von mir kommentarlos notierten Sätze aus einer Presseerklärung der Karlsruhe Kunstakademie: „Wenn Malerei jenseits ihrer klassischen Ordnung nur noch als Denkform existiert, ist einer bildkünstlerischen Recherche der Handlungsraum in alle Richtungen geöffnet. Dann ist das Verhältnis eines wahrnehmenden Menschen zu einem temporär existierenden Sehereignis neu zu definieren. Für S[. …] K[. …] entscheidend ist also nicht, was Malerei präsentiert oder repräsentiert, sondern wie Malerei untersucht wird.“ Dieser auf pseudo-intellektuellen High Heels daherstolzierende Text ist natürlich der pure Schwachsinn. Bemerkenswert finde ich allerdings das schon 2008 klar und deutlich formulierte Bekenntnis zur Malerei als bloßer Denkform. Der Abwicklung der Kunstakademien auf dem Wege ihrer Transformation in irgendwelche Module im Rahmen irgendwelcher kulturwissenschaftlicher Studiengänge sollte also spätestens heute (und schon aus Kostengründen) nichts mehr im Wege stehen.

Eigentlich könnte die Malerei von Glück sagen, wenn die Akademien im Allgemeinen nach 400 Jahren tatsächlich das Interesse an ihr verloren hätten. Alle Veredelungs-, Züchtungs- und Kreuzungsmöglichkeiten scheinen ausgeschöpft. Zur „Denkform“ entmaterialisisert, geistert das Gemäl vielleicht noch ein paar Jahrzehnte durch die Klassenzimmer des noch in Ausbildung befindlichen kunstakademischen Proletariats, während andernorts mit neuer Unbefangenheit lustvoller und freier denn je drauflos gemalt wird.