Existenzsicherungskonzepte

Aus der Parallellektüre von Gunnar Heinsohns und Otto Steigers Eigentum, Zins und Geld (zuerst erschienen 1996) und dem Alten Testament ergeben sich gelegentlich kontrapunktisch interessante Konstellationen.

Das eigentliche Wirtschaften beginnt nach Heinsohn und Steiger erst dann, wenn sich Individuen gezwungen sehen, Kredite aufzunehmen, um Profite erwirtschaften zu können, genauer gesagt: um ihr Eigentum nicht konsumieren zu müssen, sondern vermehren oder wenigstens erhalten, also verteidigen zu können. Das heißt, die Eigentumsgesellschaft ist eine von der Furcht um den Eigentumsverlust voran und in den technischen Fortschritt und damit ins Wachstum hinein getriebene Gesellschaft.

Dem stellt die Bibel wiederholt entgegen: Sorge dich nicht um dein Aus- und Einkommen, denn der HERR wird für dich sorgen! Zugleich lese ich im Alten Testament (derzeit im ersten und zweite Buch Samuel) von in Serie geführten genozidalen Vernichtungskriegen der Stämme gegeneinander, Kriege, in denen Gott von jenen, die mit ihm einen Bund geschlossen zu haben meinen, um Beistand gebeten wird, den er dann auch regelmäßig (wenn auch nicht immer) gewährt.

Das Resultat dieser Kämpfe ist Menschendezimierung (auf beiden Seiten) und Landgewinn, wobei natürlich auch die auf dem eroberten Territorium liegenden Städte gerne übernommen werden. Dieses Furcht und Schrecken verbreitende Existenzsicherungskonzept scheint die von Gott Zebaoth (dem HERRN der Heere) unterstützte alttestamentarische Alternative zum endogen furchtgetriebenen “kapitalistischen” Wachstum zu sein.