Der Klima-Strip hat begonnen

Dass ich am heutigen Welt-Klima-Kampftag statt mit dem Auto mit dem Fahrrad die 20 Kilometer von Karlsruhe nach Königsbach gefahren bin, war weder ein Akt der Buße noch mein privater Beitrag zur Rettung des Planeten, sondern reiner Zufall. War es aber gleichfalls Zufall, dass ich auf dem Rückweg von meinem geschäftlichen Termin auf einer idyllisch am Waldesrand gelegenen Bank auf halbem Weg zwischen Königsbach und Söllingen Michel Houellebecqs Roman Ausweitung der Kampfzone (Extension du domain de la lutte, Paris 1994) fand? Jemand hatte das 2006 neu bei Rowohlt herausgegebene, 170-seitige Büchlein dort vergessen oder absichtlich liegen lassen oder für mich bereit gelegt oder was auch immer.

Das erste Kapitel des ersten Teils beginnt mit einer Stelle aus dem Brief des Paulus von Tarsus an die Römer, mutmaßlich verfasst in Korinth im sechsten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts nach Christi Geburt: „Die Nacht ist fortgeschritten, der Tag nähert sich. Befreien wir uns also von den Werken der Finsternis, kehren wir zurück zu den Waffen des Lichts.“

Wenn alles teurer wird, wird hoffentlich alles gut, höre ich später in den ZDF-Nachrichten. Dann ist es ja gut, dass jetzt alles teurer wird. „Die Nacht ist fortgeschritten“, das kann ich bestätigen. Aber dafür, dass der Tag sich nähert, sehe ich vorläufig noch keine Anzeichen.

„Am Freitagabend war ich bei einem Arbeitskollegen eingeladen.“ So der erste Satz in Houellebecqs „‚Kultbuch‘ der Gegenmoderne“, wie die ZEIT laut Klappentext einmal geschrieben haben soll. „Ungefähr dreißig Leute, alles mittlere Führungskräfte, fünfundzwanzig bis vierzig Jahre alt. Irgendwann begann plötzlich so eine kleine Verrückte sich auszuziehen. Erst hat sie ihr T-Shirt ausgezogen, dann den BH, dann ihren Rock, wobei sie unglaubliche Grimassen schnitt. Ein paar Sekunden lang drehte sie sich, nur mit dem Höschen bekleidet, im Kreis, und als ihr nichts mehr einfiel, begann sie sich wieder anzuziehen.“

Hieß die kleine Verrückte vielleicht Germaine?