Wer krönt da wen und warum?

Ein Marienkrönungs-Relief aus der Werkstatt von Peter Breuer, Zwickau 1520.

Wenn eine Frau schwanger wird von dem, den sie dann gebiert, ist das Realtautologie vom Feinsten. Oder sind der Heilige Geist, Gott und sein Sohn nicht ein und derselbe? Und wenn diese Frau von diesem zwei- oder dreifach mit sich selbst Identischen nach dem Ende ihrer irdischen Tage zur Dritten oder Vierten im Bunde gekrönt wird, macht das die Lage nicht unkomplizierter.

Peter Breuer war ein gut verdienender Zwickauer Bildschnitzer, bevor die Reformation ihn 1521 arbeitslos machte. Da war er um die fünfzig und Vorruhestandsregelungen oder Verdienstausfallsentschädigungen für zur Untätigkeit verdammte Holzbildhauer hatten die Reformer nicht im Angebot. Nur eine Bibelübersetzung ins Deutsche und Worte, nichts als Worte, aber um Gottes Willen keine Bilder mehr. An manchen Tage kann ich das sehr gut nachvollziehen. Doch kann es passieren, dass ich schon am Abend eines solchen Tages genug habe von dem ganzen Gerede und Geschreibe (meinem eigenen und dem der anderen) und mich sehne nach ein paar Stunden wortlosen Arbeitens an einem Holzrelief, warum nicht an einer (tauto)logisch vertrackten Marienkrönung.