Unterm Weihnachtsbaum hervorgezogen und aufgeschlagen: Peter Sloterdijks „Neue Zeilen und Tage“

Unterm Weihnachtsbaum, um metaphorisch zu sprechen, lag für mich in diesem Jahr auch Peter Sloterdijks unlängst erschienenes Buch Neue Zeilen und Tage. Notizen 2011-2013. Weil ich es seit Mitte der 1990er Jahre nicht lassen kann, die Bücher des Karlsruher Philosophen, der sich selbst als Schriftsteller bezeichnet, zu lesen, werde ich mir auch dieses zu Gemüte führen (also meinem Geist einverleiben, falls das möglich ist) und an dieser Stelle daraus zitieren, und zwar nicht selten nicht kommentarlos.

„Motivation ist eine knappe Ressource, daher bringt es Gewinn, wenn man, wo Motive fehlen, auf Gewohnheiten zurückgreifen kann. Das Schreiben von Notizen, hat man es jahrelang praktiziert, wird zu einem Habitus, der sein Warum absorbiert. Man tut es, weil man es getan hat. Es ist eines von tausend Gesichtern des übenden Lebens.“ (Sloterdijk 2018, Vorbemerkung, S. 9)

Die scheinbar unscheinbare Wendung „daher bringt es Gewinn“ verweist auf eine politische Ökonomie des Lebens, in der strukturelle Stabilität relativ hoch im Kurs steht. (Auch der habituelle Gebrauch solcher Wendungen hat bei Sloterdijk „sein Warum absorbiert“, er verwendet die Floskeln, weil er sie verwendet hat, und zwar gewinnbringend im Sinne des Autors.)

P. S.: Wer meine Zitate-Sammlung als solche (also en bloc) lesen möchte, kann dies tun, indem er bei den Schlagwörtern „Sloterdijk 2018“ anklickt.