31. Juli 2017

Tablet-Zeichnung, 31.7.2017, © Lothar Rumold

Ist Bambi der Genitiv Singular von Bambus? Ein paar Tage lang kein Süßgras zeichnen zu können, fände ich bitter. Vielleicht war ich deshalb vorgestern so sauer. Jetzt fehlt noch ein Satz mit Salz oder salzig. Viel zu schwül heute. Und dann am Abend noch joggen! Danach fällt mir nichts Vernünftiges mehr ein. Apropos Vernunft: Las gestern bei Sloterdijk, Martin Luther habe die Vernunft eine Hure genannt. Und das im Luther-Jahr! Also politisch korrekt ist das nicht gerade. Muss man Luther jetzt zu den umstrittenen Autoren zählen?

30. Juli 2017

Wer gestern mein „Dossier Über Kunst“ heruntergeladen hat, der möge dies heute hier noch einmal tun und die PDF-Datei von gestern löschen. Zu fortgeschrittener Stunde und nach stundenlanger Arbeit an der Datei waren einige gravierende Mängel meinem prüfenden Blick entgangen. Außerdem habe ich einen zweiten Vortrag neu hinzugefügt: Der Künstler als Vereinsmeier – Versuch über einen unzeitgemäßen Typus. Den habe ich 2005 in meiner damaligen Funktion als Vorsitzender des Bezirksverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler e. V.  im Karlsruher Regierungspräsidium am Rondellplatz gehalten. Die darin beschriebene Situation der „Kunst“ und des Künstlers in einem zunehmend künstlicher werdenden Ambiente springt heute noch deutlicher ins Auge als vor zwölf Jahren.

29. Juli 2017

In den letzten beiden Wochen habe ich noch einmal (und mitunter wie zum ersten Mal) gelesen, was ich in den vergangenen vierzehn Jahren über Kunst, ob „sogenannte“ oder nicht „sogenannte“, geschrieben und dann teilweise mündlich von mir gegeben habe. Und das ganze zu einem Konvolut in Form einer PDF-Datei kompiliert. Insbesondere stolz bin ich auf das Inhaltsverzeichnis mit den Links zu den Einzelbeiträgen. Kostest nichts. Allen, die trotzdem etwas bezahlen wollen, teile ich auf Anfrage gerne meine Kontonummer mit. Download hier:  Rumold_Lothar_Dossier

Texte 2003-2016

28. Juli 2017

Neu in der Video-Galerie:


Bleibt nachzutragen: Der Kopf (wohlgemerkt: der Kopf) von Johannes dem Täufer gelangte 391 von Emesa nach Konstantinopel (Istanbul). Im vierten Kreuzzug (1202-1204) plünderten französische Ritter im Verein mit nicht weniger zügellosen Kreuzzüglern aus Venedig die griechisch-orthodoxe, oströmische Metropole und nahmen den Schädel mit nach Amiens. Am 29. August, dem Gedenktag der Enthauptung des Johannes, tischte man bis zum 17. Jahrhundert der versammelten Gemeinde auf dem Altar „Johannesschüsseln“ auf, also vollplastische Darstellung dessen, was Salomé bei ihrem Stiefvater Herodes bestellt hatte. Ein weiteres Ritual, das die Sanguiphilie des christlichen „Glaubens“ drastisch zum Ausdruck bringt.

27. Juli 2017

Die Sau des Tages, © Lothar Rumold

Wenn es unter den sogenannten Künstlern solche gäbe, welche sich nicht Maler, Bilderhauer, Radierer, Fotografierer und/oder sonstwie, sondern ganz undifferenziert Bildermacher nennen würden, wäre ich, zumindest nominell, einer der ihren. Und auch auf die Unterscheidung zwischen Kunst und Nicht-Kunst würde ich keinen gesteigerten Wert legen. Aber warum gäbe, wäre und würde? Ach, wie blöd, dass niemand weiß, dass ich Bildermacher heiß‘.

25. Juli 2017

Das ist ein ganz besonderes Weihnachtsplätzchen: ein Azteken-Relief mit drei Metern Durchmesser. Es zeigt die Zerstückelung der Mondgöttin Coyolxauhqui und ist, sagen die Experten, wahrscheinlich im 15. Jahrhundert entstanden. Was mich daran interessiert, ist natürlich die Relief-Technik und allgemeiner noch: die Art und Weise der bildlichen Darstellung. Man könnte einmal den Versuch unternehmen, die von ihrem Halbbruder Huitzilopochtli tranchierte Dame mithilfe eines Bildbearbeitungsprogramms zu rekonstruieren, denn so wie sie jetzt vorliegt, kann sich ja kein Mensch ein Bild von ihr machen.

23. Juli 2017

Es gibt einen von mir geschätzten Tagebuchschreiber, der behält „die Sonntage immer den Künsten“ vor. Ohne es mir zur Regel machen zu wollen, will ich am heutigen Sonntag quasi im Gegenzug eine eher allgemeine politische Bemerkung loswerden.
xxxxxWie ich (mittlerweile ohne Verwunderung) lese, hat die merkeltreu Medienpolizei den ehemaligen OB von München Christian Ude und den noch amtierenden OB von Tübingen Boris Palmer ins rechte Lager eingewiesen. Ude hat darauf richtig, also nicht mit einer halb empörten, halb verängstigten Abgrenzung gegen rechts, sondern mit der lakonischen Bemerkung reagiert, wenn Leute wie er und Palmer jetzt rechtsradikal seien, dann seien zwei Drittel der Deutschen rechtsradikal.
xxxxxJe mehr Menschen sich unter dem publizistischen Diktat, um nicht zu sagen: dem Meinungs-Terror der Medien im rechten Lager interniert finden, desto deutlicher wird erkennbar, dass die politischen Schand-Male „rechts“ und „rechtsradikal“ in den meisten Fällen auf nichts anderes hinweisen, als auf den am Ende erfolglosen Versuch, das allgemeine Abwandern „in jene Ecke, wo Wirtschaftsmathematik, Anthropologie und Statistik gelehrt werden“ (so der eingangs erwähnte Tagebuchschreiber heute), wenn nicht zu verhindern, so doch wenigstens zu verlangsamen.

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Nun aber doch noch etwas in Sachen Kunst und Künste. David Hockney beendet sein im Zwiegespräch mit Martin Gayford entwickeltes Buch A History of Pictures (2016) mit folgenden Sätzen: „People like pictures. They won’t go away. […] Drawing and painting will carry on […] because people need them. I’m quite convinced that painting will be big in the future. If the history of art and the history of pictures diverge, the power will be with the images. Nobody’s taking much notice of the avant-garde any more. They’re finding they’ve lost their authority.“ Und last not least: „People get the idea from time to time that everything is finishing. It doesn’t end at all; it just goes on and on and on.“

22 Juli 2017

Sieht aus wie eine Radierung, ist aber Resultat der Nachbearbeitung einer digitalen Fotografie. © Lothar Rumold

Gehst du zum Pferd, vergiss Papier und Bleistift nicht. Heute waren wir bei den Isländern und ich hatte beides dabei. Man darf dann aber nicht zu den Pferden gehen, mit dem Vorsatz, „Perde“ oder schlimmer noch : „ein Pferd“ zu zeichnen. Man muss vielmehr an die Koppel treten, um einen Weg zu finden, den in Gegenwart von sogenannten Pferden erlebten Wahrnehmungstrom in ein zeichnerisches Resultat umzusetzen. Das eine hat mit dem anderen zunächst gar nichts zu tun, auch wenn sich in der Praxis, da man ja Vorsätze der ersten Art im wirklichen Leben nie ganz los wird, Mittelwege gegangen und Kompromisse eingegangen werden müssen.
xxxxxWer Pferde zeichnen will, sieht vor sich nicht Pferde, sondern ein Hin-und-Her und Rauf-und-Runter von Linien. Allenfalls sieht er Beine und Rücken, Schweife, Ohren, Mäuler, Köpfe. Man sollte den Linien, die man sieht, folgen, nicht den Ideen von einem Gegenstand, oder meinetwegen auch Lebewesen „Pferd“, die man im Kopf hat. Vertrauen in die lebendige Wahrnehmung also, statt Glauben an eine Ideologie des Know-how. Rezepte von der Art „Wie man ein Pferd zeichnet“ sind gut für Menschen, die sich daran gewöhnt haben, nach Gebrauchsanweisung zu leben.
xxxxxKenntnisse über die Anatomie des Pferdes können helfen, die Linie müheloser zu erfassen, und doch ist die Linie, die ich vor mir sehe, die konkrete Spur, der ich zu folgen habe. Es kann bei jener Art des Zeichnens, die ich „situatives Zeichnen“ nenne, nicht darum gehen, die Richtigkeit des Abstrakten am Konkreten, des Allgemeinen am Einzelnen nachzuweisen, zu belegen, zu verifizieren. Bevor dies nun aber doch wieder zu einer Gebrauchsanweisung für das Zeichnen von Pferden wird – genug für heute.

20. Juli 2017

David Hockney sagt: „Movement is crucial in films.“ Und: „If the camera doesn’t move, there has to be some other motion in the picture.“ Und schließlich: „The eye ist always looking for motion.“ (A History of Pictures, 2016) Unter dem Eindruck dieser beinahe trivial anmutenden Bemerkungen (das Triviale und das Wahre oder wenigstens Einsichten-Ermöglichende grenzen eng an einander und ähneln sich nicht selten bis zur Ununterscheidbarkeit) entschließe ich mich, meine bisher „Videobilder“ geheißenen ganz kurzen Kurz-Filmchen fortan minimal motion pictures zu nennen. Das Ausweichen ins Englische bedeutet in diesem Fall kein opportunistisches Mich-Anpassen an die Unarten eines sich internationalistisch gebärdenden deutschen Kunstmarkts, für den ich mich schon deshalb nicht verbiegen muss, weil meine Produkte derzeit auf ihm nicht präsent sind. Sondern ich ziehe das englische „picture“ dem deutschen „Bild“ deshalb vor, weil „picture“ sowohl unbewegte als auch bewegte Bilder meint. Dazu noch einmal David Hockney: „When I was young the cinema wasn’t called the cinema – or the movies, that’s an American term. It was always the pictures: Can we go to the pictures, Mum?“ Für meine minimal motion pictures würde ich nämlich das Qualitätsmerkmal der bewegten Bewegungslosigkeit oder bewegungslosen Bewegtheit beanspruchen: Sie sind weder wirklich bewegte (im Sinne von Film), noch wirklich unbewegte Bilder (im Sinne von Bild), sondern haben etwas von beidem.

19. Juli 2017


Ich annonciere heute und nur hier die Eröffnung meiner Video-Galerie auf Youtube. Beim ersten Exponat handelt es sich um ein See-Stück mit dem Titel „Am Meer“. Was vor mehr als sieben Monaten als Holzrelief begann, wurde heute von mir als Ölgemälde abgeschlossen, um nicht zu sagen: vollendet. Es kostet 3.000,- Euro. Wer aber mehr bezahlen will – ich lasse mir mir handeln.

18. Juli 2017

Es gibt womöglich, vermutlich, offenbar, anscheinend, … so etwas wie eine innere (heute vielleicht: „neuronal repräsentierte“) Ästhetik – vergleichbar der sprachlichen Grammatik, deren Regeln man als native speaker, wie wir Linguisten sagen, beherrscht, also anwendet, ohne sie explizit als Regeln zu kennen und formulieren zu können. Dieser Verdacht kommt mir, nachdem ich gestern und heute meine Ausstellungseröffnungs- beziehungsweise Einführungsreden der letzten 14 Jahre noch einmal gelesen habe, um eine Auswahl für ein „Dossier Über Kunst“ zu treffen. Ein Set von Grundgedanken zieht sich, im einzelnen mehr oder weniger gut wiedererkennbar, durch die Zeilen und Jahre. Und retrospektiv erkenne ich, wes Geistes Kind ich in ästheticis seit einer ganzen Weile schon bin. Öfter mal mich selber lesen, denn wie soll ich wissen, was ich meine, bevor ich lese, was ich geschrieben habe.

17. Juli 2017

© Lothar Rumold

Die Natur habe durch das in ihr waltende selbstnachahmerische Prinzip immer schon etwas Künstliches, schrieb ich 2012 für eine im Karlsruher Künstlerhaus zu haltende Einführungsrede. „Kunst und Natur wären somit […] keineswegs die säuberlich zu trennenden Sphären, für die man sie gemeinhin hält. Ein Weiterdenker wie Theodor W. Adorno ist […] zum selben Schluss gekommen und hat damit eine idealistische und romantische Ansicht, wenn man so will, dialektisch rekonstruiert.“

16. Juli 2017

Neben „links“ und „rechts“ gäbe es unter Berufung auf Goethe als dritte Möglichkeit der politischen Positionierung „vis-à-vis“ oder „gegenüber“. Dieser Aufenthaltsort wäre der der Vernünftigen, was ich für plausibel halte:

Böcke, zur Linken mit euch! so ordnet künftig der Richter:
Und ihr Schäfchen, ihr sollt ruhig zur Rechten mir stehn!
Wohl! Doch eines ist noch von ihm zu hoffen; dann sagt er:
Seyd, Vernünftige, mir grad‘ gegenüber gestellt!

(Venezianische Epigramme, XLVII.)

15. Juli 2017

Albrecht Dürer: Erasmus von Rotterdam, Kohlezeichnung, 1520

In dieser Kohlezeichnung, die in weiten Teilen skizzenhaft bleibt, sieht man den 49jährigen Albrecht Dürer bei der Arbeit oder, wenn man so will, bei der Ausübung seines Handwerks. Hier studiere ich gerne jeden Quadratzentimeter, während mich das eingehendere Betrachten von Dürers Holzschnitten immer ein wenig Überwindung kostet.

13. Juli 2017

Tablet-Zeichnung, 13.7.2017, © Lothar Rumold

Zwischen Malerei und Fotografie gab es weder vor noch nach 1839 eine scharfe Trennlinie. Heute hat man beide Möglichkeiten im selben Gerät vereint. Wer ein Tablet besitzt, kann damit sowohl fotografieren als auch zeichnen oder malen. Um vom einen ins andere Medium zu wechseln, braucht es nur ein Minimum an Fingerspitzengefühl. Ich tippe ein paarmal auf die Glasplatte und bin Maler. Ich tappe nochmal auf der Platte herum und bin Fotograf. Malerei und Fotografie im traditionellen Sinn haben damit nicht aufgehört zu existieren. Aber man sieht nun vielleicht leichter ein: es sind nur zwei verschiedene Möglichkeiten, sich ein Bild zu machen. Die Übergänge sind heute fließender denn je.

12. Juli 2017

Foto: Hajotthu at the German language Wikipedia

Camera obscura (Dunkel-Kammer): Goethe hatte auch eine. Und sehr wahrscheinlich hat er sie auch verwendet – ob zum Zeichnen, vermag ich nicht zu sagen. Möglicherweise ist dieses Weimarer Modell dafür nicht geeignet. Sechs Jahre vor Goethes Tod (und sieben Jahre vor seinem eigenen) machte Joseph Nicéphore Niépce (1765-1833, allein für diesen Namen müsste er ins Museum kommen) eines der ersten richtigen Fotos. Es zeigt den Blick aus einem Fenster seines Gutes Le Gras bei Saint-Loup-de-Varennes (→ Foto).

11. Juli 2017

„Links und Gewaltanwendung schließt sich gegenseitig aus.“ Erklärte vorgestern in der ZDF-Sendung Berlin direkt Martin Schulz – offenbar der ahnungsloseste oder unverfrorenste (oder beides) Kanzlerkandidat, den die SPD je hatte.
xxxxxWas waren dann die Französische Revolution, die Pariser Commune, die Oktoberrevolution, die Münchner Räterepublik, Maos Kulturrevolution und so weiter und so weiter? Rechtsradikale Entgleisungen? Und was ist die Internationale? Die Auf-zum-Endsieg-Hymne des global agierenden Faschismus? Oder ist mit dem „letzten Gefecht“ und dem finalen Beiseiteschieben der „Müßiggänger“ nichts weiter als eine friedliche Demonstration veganer Klimaschützer für mehr soziale Gerechtigkeit und die Einführung einer Erbschaftssteuer von hundert Prozent gemeint?

Einer der vielen einprägsamen Sätze, die der Genosse Marx von sich gegeben hat (meine linke Vergangenheit holt mich halt immer wieder ein) lautet: „Die Waffe der Kritik kann die Kritik der Waffen nicht ersetzen.“ Hoppla, deutlicher geht’s wirklich nicht. Denn mit „Kritik der Waffen“ ist natürlich nicht die Kritik an den Waffen, sondern die „Kritik“ mittels der Waffen gemeint. Brillant formuliert übrigens.
xxxxxTypen wie Schulz und Stegner ficht das alles natürlich nicht an. Was interessiert sie die Linke von gestern (also vor 24 Stunden), wenn es um vermeintliches Punkten im Wahlkampf geht. Gerade noch haben sie Seit‘ an Seit‘ auf dem Parteitag gesungen: „Wann wir schreiten Seit‘ an Seit‘ und die alten Lieder singen“, da wollen sie schon von eben diesen romantischen Revolutions- und Auf-zum-Kampf-Liedchen, die auch sie in jungen Jahren an den Lagerfeuern der Möchtegern-Rot-Front-Kämpfer geklampft haben, nichts mehr wissen und immer nur „We shall overcome“ und „Give peace a chance“ gesäuselt haben. Elende Heuchler und Kreidefresser.

10. Juli 2017

Benedikt XVI. mit scheinbar abnormal vergrößerter rechten Hand

Die Unfehlbarkeit des Papstes wird auch innerhalb der katholischen Kirche in Zweifel gezogen (→ Katholisches), die Unfehlbarkeit der Fotografie allem Anschein nach nicht. Hier jedenfalls – glaubt man dem Foto – ist Benedikt XVI. mit einer krankhaft vergrößerten Rechten zu sehen. Wäre das Bild bei einem Maler und nicht bei einem Fotografen oder Foto-Designer in Auftrag gegeben worden, wäre urbi et orbi, der Stadt Rom und dem Rest der Welt, diese Fake News erspart geblieben.

9. Juli 2017

Kein Lichtblitz im Detektormaterial, sondern ein Astblitz, aber vielleicht gibt es strukturelle Ähnlichkeiten. © Lothar Rumold

Die Welt als ganzes ist die Spur einer Substanz, die sich beim vermeintlichen Näherkommen unserer Beobachtung wie unseren Begriffen entzieht, ganz gleich, ob wir sie summarisch Gott oder fragmentarisch Teilchen – oder neuerdings vielleicht dark matter nennen. Das Substanzielle erwiese sich als das Nicht-Fassbare schlechthin, wären da nicht die Spuren, die Zeugnis ablegen von seiner Existenz. Die Offenbarung nach Johannes ist als Spur der mystischen Substanz in einem Atemzug zu nennen mit dem Lichtblitz im Detektormaterial, der, wie man sagt, Rückschlüsse auf passierende kosmische Teilchen zulasse.
xxxxxSpuren sind das, was eine Zeitlang bleibt, wenn das Etwas, das die Spur hinterlassen hat, selbst schon nicht mehr da ist – falls es denn je da war. Sie sind weder etwas, noch sind sie nichts. Spuren sind real als eine Ahnung von Sein, als Anlass für Vermutungen, Vorwand für Spekulationen. Das macht sie mir sympathisch.

(Aus meinem sich noch im Versuchsstadium befindenden „Versuch über die Spur“.)